Archiv für November 2016

Mittwoch, 30. November, 10.40 Uhr

Intensive Kolumnen-Woche für den Rentner. Neben Montagsthemen, Ohne weitere Worte und Sport-Stammtisch auch eine Extra-Kolumne (40/30/20/10) für morgen (steht schon online) und ein “progressiver Alt-Tag” für das Seniorenjournal am nächsten Samstag (die dafür und für mich überhaupt zuständige Chefin hat den morgigen Donnerstag als Abgabetermin angeordnet). Der Alt-Tag ist so gut wie fertig, der Samstags-Stammtisch hat noch Zeit. Aber jetzt muss ich langsam den Zeitungsstapel neben mir herunterlesen. Selbst die Zeit vom letzten Donnerstag liegt da noch obenauf.

Buch-Lektüre momentan: “Sunset” von Klaus Modick. Eine Art biographischer Roman über Feuchtwanger/Brecht. Danach kommt der dritte Teil der Gardam-Romane dran. Oder der letzte Griechen-Krimi von Markaris. Sehr interessant schien mir auch  “Erste Erde” von Schrott zu sein. In seinem Wälzer will er, so sein Rezensent Josef H. Reichholf in der SZ, “die Evolution des Kosmos und des Menschen in Poesie verwandeln”. Ich lese, was Reichholf schreibt, den meine “alten” Kolumnen-Leser kennen, zum Beispiel aus manchen Sätzen zum Reichholf-Buch “Warum wir siegen wollen”, was ich lese, klingt sehr interessant, doch dann: “… Es ist eine sehr schwierige Lektüre, da die Texte (…) in konsequenter Kleinschreibung und nahezu ohne Interpunktion gesetzt sind”. Nein danke, darauf kann ich verzichten. Nahezu ohne Interpunktion – was soll das? Für mich ist die Interpunktion die geschriebene Melodie der Sprache, ein Komma kann wie eine Musiknote wirken (sollen). Ich setze manchmal Kommas gegen die Regeln oder lasse sie aus, um die von mir gewünschte Betonung erkennbar zu machen. Ohne Kommas und Co. fehlt dem Text Entscheidendes. Oder sehe ich das falsch?

Die Glocken läuten. Elf Uhr. Jetzt sollen die Bauern sich langsam vom Acker machen, um pünktlich um zwölf zum Mittagessen zu Hause zu sein. Das nächste Mal läuten die Glocken um fünf – zum Abendessen um sechs. Es gibt hier zwar keine Bauern mehr, und schon um sechs isst man heute nur im Krankenhaus oder Altersheim, aber Traditionen halten sich. Ist ja auch gut so. Mir würde jedenfalls etwas fehlen, wenn die Glocken um elf und fünf still blieben.

Veröffentlicht von gw am 30. November 2016 .
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Antidackelstreichelstreifen (40/30/20/10 vom 1. Dezember)

Vor 40, 30, 20 und vor zehn Jahren: Kleine Texte aus »gw«-Kolumnen, die heute nachdenklich stimmen können oder schmunzeln lassen. Oder beides.

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(Das »ewige« Thema hatte schon immer überraschende Aspekte:) Als die Austausch-Methode von Langstrecklern bekannt wurde, denen abgezapftes Blut sauerstoffangereichert wieder zugeführt wurde, kamen findige Köpfe auf die ebenso einfache wie verblüffende Idee, den »gewichtigen« Lebenssaft Boxern, Ringern und Gewichthebern vor dem offiziellen Wiegen abzuzapfen und danach wieder einzutrichtern. Wie antiquiert erscheint da doch das »Abkochen« in der Sauna. (…) Die Kugelstoßerin Eva Wilms gab in einem Illustrierten-Interview zu, mit einer Anti-Baby-Pille experimentiert zu haben, die in hoher Dosierung Anabolika-Effekte hat. Müßig zu erwähnen, dass diese Methoden nur die Spitze eines Eisbergs darstellen. (19. Oktober 1976 / momentan macht wieder das Schwangerschaftsdoping früherer Jahre Schlagzeilen. – Wirklich nur früherer Jahre …?)

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(Früher war mehr Lametta …. auch in dieser Kolumne. Mehr Klatsch und Tratsch wie hier über einen schillernden hessischen Boxpromoter:) Ebby Thust ist in seinem Milieu der Größte, seit in seinem Stammlokal ein fremder Gast über Zahnschmerzen klagte. Thust stellte sich als Zahnarzt vor, zog seine Pistole aus dem Jacket und schoss dem Mann den Zahn aus dem Mund. Seit dieser »Operation« gilt Ebby Thust als schnellster Zahnarzt Deutschlands. (15. März 1986 / Ich glaube die Story immer noch nicht, auch wenn sie damals von der FAZ verbürgt wurde)

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(Als Zugabe eine von mir selbst verbürgte wahre Geschichte:) Otto S. »sitzt« zur Zeit, weil er in die Berliner Bau-Bestechungsaffäre verstrickt ist. Vor zehn Jahren war er noch Leibwächter von Helmcke, jenem legendären Bordell-Besitzer, der in seiner »Pension Clausewitz« frühe deutsche Spionagegeschichte geschrieben hat. Mitte der 70er Jahre saß einmal eine kleine Gruppe deutscher Spitzensportler in Helmckes »Hotel Nobel«, denn er hatte ihnen private Sporthilfe versprochen. Otto saß dabei, fühlte sich von einem kleinen Ganoven genervt, griff ihm, ohne hinzusehen, an dieselbe – und drehte ihm, ins Gespräch mit den Sportlern vertieft, ganz nebenbei die Nasenspitze herum, dass es nur so knirschte. (15. März 1986 / aus der privaten Sporthilfe wurde leider nichts. Man fand Helmcke wenige Wochen später tot auf – ermordet und halb verbrannt)

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 (Für den Erfolg können Sportler über Leichen gehen. Auf besonders makabre Art versuchten dies vor den Olympischen Spielen von Atlanta 1996 die französischen Synchronschwimmerinnen) Frankreichs Nasenklammern wählen den Holocaust als Thema für ihre olympische Kür. Zu den Klängen von Nazi-Märschen wollen die acht Mädchen an den Beckenrand treten, und im Wasser soll die Ankunft und Selektion der Gefangenen im KZ symbolisiert werden. Simple Rechnung: Holocaust bringt Punkte, weil die Kampfrichter sich nicht trauen, gerecht zu werten. Kalkül: Gebt uns eine Medaille, oder ihr seid Nazis! (7. Juni 1996 / Die Rechnung ging zum Glück nicht auf, Frankreichs Sportminister verbot das Vorhaben. Nasenklammern waren in Atlanta nur für die Synchronschwimmerinnen nötig, nicht für die Zuschauer, denn der üble Geruch war verflogen)

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(Als die Idee eines Anti-Dopinggesetzes aufkam, wollte ich sie mit einem scheinbar absurden, aber logischen Vergleich veralbern:) Nehmen wir mal an, der Verband deutscher Schäferhundezüchter verbietet seinen Mitgliedern, Dackel zu streicheln. Doch es gibt viele Züchter und noch mehr Dackel, der Verband kann das Verbot nicht alleine kontrollieren, also soll der Staat helfen. Antidackelstreichelstreifen werden aufgestellt. Jeder Streichler ist verdächtig, wird kontrolliert. Ist er im Schäferhunde-Verband registriert – ab zum Schnellrichter. Falls nicht – streichelt auch der Polizist. (4. August 2006 / Das Anti-Doping-Gesetz kam trotzdem, und ein Jurist klärte mich auf: Jedes Gesetz ist möglich, wenn dies eine legislative Mehrheit will. Auch früher gab es  Sondergesetze …) (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 30. November 2016 .
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Karin Scheunemann: Tesfaye (und mehr)

Ich habe da gerade in der “Leichtathletik” gelesen, was mir nicht erst jetzt aufgestoßen ist, da ich den Athleten öfters beim Training erlebt habe und er sich gegenüber “normalen” Läufern seltsam, um nicht zu sagen schnippisch geäußert hat, die es wagten, auch dort zu laufen: “Der 23 Jahre alte Mittelstreckenläufer Homiyu Tesfaye (LG Eintracht Frankfurt) hat beschlossen, sich außerhalb des DLV-Betreuungs-und Fördersystems auf die Weltmeisterschaften 2017 in London vorzubereiten. Er plant einen Umzug nach St Moritz (Schweiz) und will sich dort unter Anleitung seiner Verlobten Aryam Yusuf Jamal (Olympia-Silber 2012 über 1500m)auf die WM vorbereiten. Bei Wolfgang Heinig, leitender Bundestrainer Lauf, stößt die Entscheidung auf Unverständnis. “Ich bin maßlos enttäuscht. Er ist nicht steuerbar und deshalb nicht förderungswürdig”, erklärte Heinig gegenüber der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”.  Daß H.T. nicht steuerbar ist, hat man bisher bei allen Großveranstaltungen gesehen, wo er sich nie an die Traineranweisungen gehalten hat und dann z. T. sogar im Vorlauf gescheitert ist. W. Heinig hatte sich bisher immer noch zurückgehalten.

Mein komisches Gefühl hat wieder einmal nicht getrogen.

Ansonsten gibt es aus der Wetterau nur zu berichten, daß Wolfgang und ich im September 50 Jahre! verheiratet waren, wir immer noch am einzigen Hessischen Jedermann-Zehnkampf massgeblich beteiligt sind, über die KILA (Kinderleichtathletik) stöhnen, die ja der Randdisziplin Leichtathletik ganz viel neuen Zulauf bringen soll und immer wieder Deine wunderbaren Gedanken lesen (die auch noch manchmal hochgeistigen Hintergrund haben). Wolfgang fragt sich, wo das alles her ist und wie Du die unglaublichen Zusammenhänge herstellst; das muß ja nicht jeder können!

Ach ja, wir werden demnächst mit dem Sportehrenpreis des Wetteraukreises geehrt; dabei hält unser alter Freund und Weggefährte Günter Eisinger die Laudatio, wir sind gespannt auf, wie er sagt, 100 Jahre Leben für den Sport, zu dem zu einem ganz kleinen Teil auch unser Sport-Uni-Leben in Gießen gehört, wobei Du mir in Kugel und Diskus Nachhilfe gegeben hast. Wolfgang hat Erinnerungen an legendäre Schwimmstunden, ebenfalls mit Dir. (Karin Scheunemann/Bad Nauheim)

Veröffentlicht von gw am 29. November 2016 .
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Michael Jungfleisch-Drecoll: Diskussion um RB nervt

Die Diskussion um den „Retortenclub“ Leipzig finde ich nervig. Ich verstehe die Aufregung nicht. Nach Trikotwerbung/Braunschweig, (als der Fußball damals angeblich seine – wahrscheinlich nie vorhandene – Unschuld verlor, damals ein Riesenskandal) Werksclub/Leverkusen, Milliadärsspielzeug/ Hoffenheim nun also der traditionslose Brauseclub Leipzig. Habe den Eindruck, man nimmt sich nun diesen Club vor, um sich über irgendwas ärgern zu können. Einen nicht Profisport-affinen Menschen wird die Thematik sowieso kaum interessieren. Aufregen tun sich die vermeintlich zu kurz Gekommenen. Die, deren  Lieblingsproficlub keinen potenten Großsponsor gefunden hat. Oder eben die, die sich einfach nur mitärgern wollen, in der Herde mitlaufen wollen und ihrem gerechten Zorn Ausdruck verleihen wollen. Seit Jahrzehnten ist der Profifußball ein lukratives Geschäft. Bei dem es für alle Beteiligten um viel Geld geht, das bereitwillig am liebsten für Spieler ausgegeben wird, die den Verein erfolgreicher machen und ihrerseits versprechen, alles noch lukrativer zu machen. Die persönliche Verbundenheit zu den Akteuren ist völlig verloren gegangen, nicht nur im Profibereich, sondern bis in die unteren Spielklassen hinein. Ich z.B. stamme aus einem früheren Dorf bei Düsseldorf, (hört sich komisch an, ist aber so), das schon lange eingemeindet ist. Die Mannschaft spielte in jüngster Vergangenheit immerhin in der Oberliga, ohne dass einer der Akteure vor Ort gewohnt hätte. Umsonst tun es die Spieler auch im unterklassigen Fußball nicht mehr. Wo liegt der Unterschied, ob Öl- oder Brausemillionen in die Clubs fließen? Diejenigen, die das Brausegeld bei Leipzig kritisieren, hätten wohl nichts dagegen, wenn dieses Geld in die eigene Vereinskasse flösse. Hätte sich jemand derart erregt, wenn der Red Bull Eigner sich bei den Bayern mit dem gleichen Betrag, dann allerdings als einer unter mehreren, engagiert hätte? Mir kommen all die Diskussionen darum irgendwie weit hergeholt vor. Glücklicherweise regeln sich manche Dinge von alleine. Leipzig wird nicht Meister werden. Und wenn die Bayern irgendwann einmal zum 10. Mal hintereinander Meister geworden sind und den Mitbewerbern so viele der guten Spieler weggekauft haben, dass niemand anderes mehr Meister werden kann, wird das Interesse am Profifußball nachlassen. Vielleicht aber erleben wir hier auch einmal ein Leicester. Ich sprach – ziemlich unbedarft und naiv – neulich einen Engländer darauf an, der mich belehrte, Leicester hätte selbstverständlich ebenfalls einen sehr potenten Großinvestor. Momentan lieber mit Leipzig, das die Bundesliga wieder interessanter macht. Soll mir egal sein, wo das dafür nötige Geld her kommt.  Ob mit oder ohne Leipzig, Geld regiert den Profifußball. Zumindest solange, bis sich die ganze Maschinerie nicht irgendwann einmal selbst ad absurdum führt… (Michael Jungfleisch-Drecoll)

Veröffentlicht von gw am 29. November 2016 .
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Ungetwittert

Die Energiewende: Faules Arrangement mit dem Wachstums-Wahn.

Veröffentlicht von gw am 28. November 2016 .
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Baumhausbeichte - Novelle