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Montagsthemen (vom 17. Oktober)

Selten so gerne getäuscht. Erinnern Sie sich an Caio? »Das Phlegma mit dem Zauberfuß« spielte einst »Mädchenfußball auf hohem Niveau, technisch anspruchsvoll, aber zu unathletisch, unspritzig und durchsetzungsschwach für die raue Männer-Ligawelt«. So schrieb ich einst. So einer sei auch Fabian, schrieb ich nicht, dachte es aber. Und nun ist er »die schnellste Brust von Mexiko« (Fußballmagazin 11Freunde) und mit der Brustwarze fixer als Caio mit den Beinen. Vielleicht hätte man mit Caio so viel Geduld haben sollen wie mit Fabian.
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Auch überschwangsresistente Realisten im Geiste Bruchhagens öffnen gaanz vorsichtig das Hinterkopftürchen, um bisher hartnäckig als traumtänzerisch tabuisierten Hoffnungen Einlass zu gewähren. Vor der Eintracht sind in der Tabelle nicht alle unerreichbar (z.B. Hoffenheim), dahinter nur zwei (bis maximal vier) nicht dauerhaft in Schach zuhalten. Europa? Wutsch! Schon schlagen wir das Hintertürchen lieber schnell zu und verrammeln es. Bis auf weiteres.
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Natürlich spielt auch die temporäre Schwäche der Bayern eine Rolle bei diesem Fest für die Eintracht-Sinne. Schon treten sie auf wie Ziehsöhne des lieben Onkelotti Ancelotti: ohne furchterregende Dominanz und fiese Arroganz, ein bisschen lässig bis nachlässig, und sie wirken – dadurch? – sogar richtig nett, vielleicht zu nett. Die Liga dankt es ihnen, auch wenn München dennoch von Anfang bis Ende vorne stehen wird. Für Bayern zählt sowieso, im Gegensatz zu kalten Computer-Spielzeiten eines Guardiola, diesmal nicht das Triple, sondern das Eintel, das Eine und Einzige: der Champions-League-Triumph. Den gibt es nicht in der Vorrunde geschenkt, sondern am Ende der Saison erkämpft. Da hakte es bei Pep, die Festplatte war voll, der Akku leer. Ancelotti wird sorgsamer mit den Spielern umgehen, denn er weiß, dass sie keine Figuren auf der Spielkonsole sind.
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Apropos Spielen: Haben Sie verstanden, warum Ivica Olic bestraft worden ist? Klar, wegen illegaler Zockerei. Aber was ist beim Zocken eigentlich illegal? Regel: Man darf nicht auf oder gegen Spiele der eigenen Mannschaft wetten. Wobei Wetten auf den Sieg rein sportlich nicht ungehörig wären, denn Siegen sollten ja alle wollen. Aber auch auf fremde Spiele in der selben Liga darf man nicht setzen, wohl aber auf alle anderen. Doch was macht den Unterschied der Wette auf einen Dresdner Sieg gegen Stuttgart zu einem Münchner in Frankfurt? Na ja, die erlaubte Wette geht verloren. Im Ernst: Zu Risiken und Nebenwirkungen des Fußball-Zockens fragen Sie bitte nicht mich, sondern Ihren Arzt oder Apotheker. Der eine stellt das Rezept aus (Olli), bei den anderen wird es teuer eingelöst (Trikotsponsor und Geschäftspartner).
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Kurzer Abstecher zu einem anderen Bereich der Medizin. Boxen: Nun heißt es, Klitschko sei der Profiteur von Furys Aussetzern, egal ob diese nur scheinbar oder echt pathologischer Art sind. Aber so stimmt das nicht, denn wenn es zu keinem Rückkampf gegen einen physisch wie psychisch fitten Fury gibt, wird der Makel der Niederlage Klitschkos Karriere übertrüben (»überstrahlen« wäre das falsche Wortbild).
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Zurück zum Zocken. Spötter behaupten, Friedens- und Literatur-Nobelpreisträger würden mittels Roulette ermittelt, und manchmal falle die Kugel nun mal auf die »Zero« und eine echte Null bekäme den Preis. Wie jetzt Bob Dylan. Abgesehen davon, dass er aus meiner Sicht den Preis eher verdient hat als einige seiner Vorgänger (»It Ain’t Me Babe« zum Beispiel ist ein brillanter Kurzroman), muss ich auch einem Literaturkritiker widersprechen, der geätzt hat, »eigentlich wollten sie ihn Donald Duck geben«. Werter Herr Scheck, wenn schon, dann Donald Ducks deutscher Mutter Dr. Erika Fuchs! Aber von der Entenhausener Literaturszene und der Schöpferin des Erikativs, der Verkürzung von Stammverben, haben Sie ja keinen blassen Schimmer. Grummel, Stöhn, Seufz, Kreisch!
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Wie stehen eigentlich die Odds auf einen deutschen Sieg in der Schlacht von Jena und Auerstedt? Ach so, ist ja schon 210 Jahre her. Zum nicht ganz runden Jubiläum haben am Wochenende 800 Hobby-Soldaten die Schlacht nachgestellt, historisch getreu in allen Dingen, auch beim französischen Sieg. Bis auf das Totschießen. Sie sind also zum Glück nur auf ihren Steckenpferden in die Schlacht geritten .
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Noch’n Jubiläum: zwei Jahre Pegida. Heute protestieren sie wieder. Gegen Napoleons Sieg 1806. Oder so. Ob Sie’s glauben oder nicht: Auch nach zwei Jahren weiß ich nicht, was das Akronym »Pegida« abkürzen soll, denn ich will es gar nicht wissen, weil mir die Sache selbst so unangenehm aufstößt. Kotz! Würg!
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle