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Ohne weitere Worte (vom 11. Oktober)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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55. Man möchte diese Leistung der Deutschen in den ersten 54 Minuten nehmen, einbalsamieren und irgendwo ausstellen. Im Museum für schöne Dinge. (…) 88. Das Spiel trudelt dem Ende entgegen. Ich möchte mich schon mal bedanken. Für einen Auftritt, der mal wieder gezeigt hat, warum Fußball immer noch der beste, schönste und unterhaltsamste Mannschaftssport ist. (aus dem Länderspiel-Liveticker des Fußball-Magazins 11Freunde)
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»Köln heißt ja für viele immer auch Real Madrid vom Rhein, bloß weil man oft in weißen Trikots aufgelaufen ist. Und wenn man lange genug an der Theke steht, dann glaubt man das auch.« (FC-Fan Wolfgang Niedecken im Zeit-Interview)
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Ein Vertrauter berichtete, Sie gingen nicht nur ins Stadion, sondern dort auch richtig ab. Wie muss man sich das vorstellen? – »Ich werde laut. (…) Im Stadion und im Bett, da darf man alles sagen.« (FC-Fan Carolin Kebekus in der Süddeutschen Zeitung)
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Thomas Tuchel ist vielleicht der talentierteste Trainer der Bundesliga, aber er ist auch ihr schlechtester Verlierer. (Michael Horeni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Aberglaube ist im Fußball weit verbreitet. (…) Auch wenn heute wohl nur noch wenige ein Bild des Papstes in der Tasche haben wie einst Schalke-Torwart Norbert Nigbur. Oder beim Warmschießen aus Prinzip nichts aufs Tor schießen, um keinen Treffer zu vergeuden, wie Englands Gary Lineker. (Lars Wallrodt in der Welt)
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Müsste man für sein Leben eine Überschrift finden, dann könnte sie lauten: Na und? (…) Wie oft hat er schon diese mitreißende Show geboten, von dem Mann, der alles überblickt, sich aber niemals ins Detail vertieft? (…) Diese spielerische Wirklichkeitsverleugnung ist nicht einmal gespielt. Für diese Leichtigkeit wird er selbst von vielen bewundert, die ihn ablehnen. (…) Er muss dafür nicht viel tun. Er franzelt einfach vor sich hin. Um es im Sinne Beckenbauers zu sagen: Na und? (Stefan Willeke in der Zeit)
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Jeder von uns (…) hätte wissen können, dass man (…) die eine oder andere unauffällig geöffnete Hand hatte füllen müssen. Und dass es wirklich niemals einen Anlass gab zu glauben, Franz Beckenbauer sei an materiellen Dingen nicht interessiert. Man muss ja nur mal die Steuersätze in Deutschland und Österreich vergleichen und dann den Wohnsitz des Kaisers googeln, schon kommt einem da ein leiser Verdacht. (Axel Hacke in seiner SZ-Magazin-Kolumne »Das Beste aus aller Welt«)
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Warum wird die Bundesforderung weiterhin mit einem vorderen Rang in einem Medaillenspiegel verknüpft, der nichts aussagt über die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft – aber umso mehr über ihre Manipulationsbereitschaft? (Anno Hecker in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zum neuen deutschen Förderkonzept)
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»Ich habe Schriftsetzer gelernt. Schriftsetzer waren komische Leute – sehr pingelig, zwangsgebildete Proleten. Man musste ja, wenn man mit Bleisatz hantierte, lesen, was man setzte.” (die Schriftstellerin Katja Lange-Müller im chrismon-Interview)
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Liebe Kinder (…), die ihr laut Bunte in einer Studie angegeben habt, wer eure »Wunscheltern« sind, nämlich Heidi Klum und Jogi Löw. Schon klar, wie ihr euch das vorstellt: mit Jogi den ganzen Tag kicken, mit Heidi coole Kleider kaufen. Die Wirklichkeit aber, liebe Kinder, sähe ganz anders aus: Mama würde euch zum Mittag ein paar Salatblätter servieren, und Papa würde den ganzen Morgen lang das Bad blockieren. (Jörg Thomann in der FAS-Kolumne »Herzblatt-Geschichten«) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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