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Ohne weitere Worte (vom 20. September)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Thomas Tuchel (…) besitzt das Potenzial sowie den dringenden Ehrgeiz, in absehbarer Zeit deutscher Meister zu werden. Das wird ihm gelingen, möglicherweise allerdings als Trainer des FC Bayern München. (Christof Kneef/Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung)
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Man (hat) sich im Glamourfußball auf eine neue Sitte geeinigt: Wer so bedeutend ist, dass ein persönlicher Lippenleser ihm pausenlos (…) folgen müsste, presst beim Sprechen die Hand vor den Mund. Es soll schon Fußballspieler geben, die ihren Mund abdecken, wenn sie ganz alleine sind. (Peter Kümmel in der Zeit)
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Sollten sie häufiger 6:0 gewinnen, wird Kalle bald Angebote für Dembelé, Guerreiro und Aubameyang vorbereiten. Auch der neue Zehner des BVB (Götze) könnte für Bayern interessant werden. (Kneef/Selldorf/SZ)
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Wie wohltuend ist es da, dass nun der große Trainer Carlo Ancelotti die Bundesliga mit seinem stoischen Wesen bereichert: ein Mann, der wenig spricht und der, wenn er doch spricht, nicht den Mund bedeckt. Und der ansonsten seinen Kiefer in Bewegung hält, indem er Kaugummi kaut: Unlesbar für jeden Lippenleser und jenseits aller Sprechblasen ist der komplexe, unendliche Text, den dieser malmende Mund – nach innen – artikuliert. (Kümmel/Zeit)
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Seine leichte Herablassung, bei Bedarf zur Abschätzigkeit gesteigert, erinnerte immer an Hegels Satz, die Leistung eines großen Mannes lasse sich nun mal nicht aus der Kammerdienerperspektive beurteilen. (…) Umgekehrt möchte man auch nicht erleben, dass Beckenbauer ein öffentliches Reuebekenntnis ablegt – nicht nur, weil man es ihm nicht glauben würde. Vielleicht wäre es am klügsten, wenn Franz Beckenbauer künftig nur noch, wie der letzte österreichische Kaiser Franz Joseph I., auf jede Frage antwortete: »Es war  sehr schön, es hat mich sehr gefreut.« (Peter Körte im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Trapattoni machte (…) klar, dass er noch mal angreifen will als Trainer. (…) »Ich fühle mich nicht alt (…)«, sprach er, es klang (…) wie eine Bewerbung in eigener Sache. Nein, ein Giovanni Trapattoni wird, und wenn er 90 ist, nie fertig haben mit Fußball. Nur vermutlich irgendwann der Fußball mit ihm. (Florian Kinast in der Welt)
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Da ist zum Beispiel ein Paralympics-Mitglied im Ruhestand (…) und sagt: »Es ist doch affig, mit über sechzig noch Leistungssport zu machen. Was sagt das denn über die Konkurrenz und das Leistungsvermögen aus? Für die Glaubwürdigkeit unseres Sports ist das fatal.« Und es gipfelt in der Anregung: »Da sollten Sie mal einen Artikel drüber schreiben.« Das könnte man machen, ist aber nicht so einfach, denn mit einer nicht glattgebügelten Meinung möchte sich dazu niemand zitieren lassen. (Ronny Blaschke in der taz)
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»Was läuft da mit Oli Pocher?«, fragt In und klebt des Komikers Konterfei auf den von Kerber geküssten Pokal. »Sie ist auch Pochers Nummer eins«, behauptet OK! (…) – »jetzt muss sie den Matchball nur verwandeln«. Unter uns Fachleuten, OK!: Eine Liaison mit dem Lisicki-Ex Pocher wäre mit Sicherheit kein Matchball, sondern ein unforced error. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der FAS)
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Welche Dummheiten der Menschen ärgern Sie? – »Extreme Vorurteile. (…) Man sollte immer bereit sein, etwas dazu zu lernen. Das Problem in unserem Land ist, dass zu viele Leute von allem eine Ahnung haben. In der Musik, im Fußball sowieso und in der Politik. Ich denke mir oft: Leute, haltet mal die Fresse.« (Gerd Knebel von Badesalz im Extra-Tipp-Interview)
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»Ich glaube, wir Journalisten sind gut beraten, wenn wir nicht jede Sau durchs Dorf jagen, aber wenn das Dorf schon hinterherrennt, ist es schwer zurückzustehen.« (Ingo Zamperoni, neuer  »Tagesthemen«-Moderator, in der taz)
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»Um zu üben, habe ich mich nachts in leere Kirchen und große Toilettenräume geschlichen und dort alleine gesungen.« – Toiletten als Übungsräume? – »Haben Sie schon mal in einem großen Toilettenraum gesungen? Der Klang ist sagenhaft, insbesondere der Hall ist sensationell.« (Barry Gibb im SZ-Magazin über die Anfänge der Bee Gees)
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Erst wenn sich der Bayern-Trainer beim Kauen die Hand vor den Mund hält, wird man anfangen müssen, sich um ihn Sorgen zu machen. (Kümmel/Zeit) (gw)
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(www.anstoss-gw.de gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle