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Ohne weitere Worte (vom 13. September)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Dortmund hat die Dose voll. / Und es stimmt, Red Bull verleiht Übel. – (aus dem 11Freunde-Liveticker vom Spiel RB Leipzig – Borussia Dortmund)
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Das auf die Herstellung des Produkts »Glaubwürdigkeit« spezialisierte Unternehmen Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA unterliegt im direkten Vergleich einem sächsischen Start-up mit Geschäftsschwerpunkt »Sportlerein- und verkauf«. So what. (Friedrich Küppersbusch in der taz/Tipp von Leser Walter Lochmann)
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»Endlich! Die Jubel-Nachricht!«, jauchzt Echo der Frau, nur weil Fischer mal wieder gemeinsam mit ihrem Freund Florian Silbereisen in Erscheinung getreten ist, und zwar auf der VIP-Tribüne beim Spiel zwischen der TSG 1899 Hoffenheim und RB Leipzig. In Sachen Symbolik muss unser junges Glamour-Paar freilich noch einiges lernen: Müssen die beiden, deren Liebe so oft als Fake angezweifelt wird, sich ausgerechnet beim Spiel zweier Retortenclubs präsentieren? Nächstes Mal, Helene und Flori, zeigt euch lieber auf Schalke. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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In den 90er Jahren wurden Ihnen schwache Nerven nachgesagt. Damals arbeiteten Sie mit Ihrer langjährigen Betreuerin (…)  an der Stabilisierung Ihrer Psyche. – »Wir waren nur die Vorreiter von dem, was heute alle Sportler machen: psychische Wettkampfanalyse, Gegneranalyse. Wie spiele ich mit den Konkurrenten.« (…) – Wie konnte das aussehen? – Zum Beispiel den Einwurfplatz spielerisch tänzelnd entlanglaufen, sich unbeschwert die Schuhe zuschmeißen, so wirken, als könnte man Zäune umrennen. Das verunsichert den Gegner.« – Diese psychische Wettkampftaktik wurde skeptisch beobachtet. – »Das war mir egal. Der Erfolg heiligt die Mittel.« (die beinamputierte Ilke Wyludda, Diskus-Olympiasiegerin 1996 und heute im Behindertensport aktiv, im Tagesspiegel-Interview)
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»Wenn ich gegen einen Einbeinigen antrete, dann interessiert mich nicht, warum ihm ein Bein fehlt. Mich interessiert das Bein, das er noch hat: Welche Muskeln hat er dort? Wie kann er sie einsetzen? Welchen Vorteil bringt ihm das?« (Alessandro Zanardi, doppelt beinamputierter Paralympics-Champion und Ex-Formel-1-Pilot, im SZ-Interview)
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»Dieser Begriff Talent ist ja unwahrscheinlich kompliziert. Wie viel ist genetische Disposition, wie viel ist Umwelteinfluss? Ist dieses sieben-oder achtjährige Kind einfach viel weiter als ein anderes Kind, weil es fünftausendmal mehr gegen eine Garage geschossen hat als das andere? Dann ist es aber kein Talent, dann ist es einfach nur besser trainiert.« (Bernhard Peters, Direktor Sport des HSV, im Zeit-Interview)
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»Wirklich hart im Fußball ist nur, wenn ich als Nachwuchstrainer einem Jungen sagen muss, dass es mit seinem Traum vom Profifußball nichts wird.« (Huub Stevens im FAZ-Interview)
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»Ich glaube, dass viele Missstände oder Manipulationen ganz selten von Athleten ausgehen. Das ist das System, das sind die Trainer, die Betreuer, die Sponsoren, die Aufmerksamkeit und Gewinn suchen. Wo mancher auch gar keine Chance hat zu sagen: Nein, ich mache das jetzt einfach nicht. Auf mittelbarer Ebene ist das auch der Staat, der von uns ein Drittel mehr Medaillen fordert.« (Betty Heidler, ab sofort Ex-Hammerwerferin, im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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»Es gehen ja viele Menschen sehr schlecht mit sich um. Wenn sie dann merken, dass sie schlecht gelebt haben, verfallen sie ins andere Extrem und fangen an, wie verrückt Marathon zu laufen oder kein Fleisch mehr zu essen.« (Barkeeper Charles Schumann im SZ-Interview)
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»Der große Denkfehler ist, dass technologischer Fortschritt psychologische Relevanz hätte. Die hat er nicht. Als Kasparow gegen Deep Blue verloren hatte, rief mich die ›New York Times‹ an und fragte bedeutungsschwer: ›Ist das nicht ein Schlag gegen die Menschenwürde?‹« – Und was haben Sie geantwortet? – »Ich habe einen Taschenrechner, der jeden Mathematiker, der je gelebt hat, schlagen kann. Ist das ein Schlag gegen die Würde des Menschen? Lächerlich.« (John Searle, amerikanischer Philosoph, im FAS-Interview)  (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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