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Montagsthemen (vom 12. September)

Same procedure … Einer, diesmal Schalke, beeindruckt, kämpft beherzt und bringt die Bayern ins Wanken, doch dann folgt das Unvermeidliche, und alle reihen sich brav und hoffnungslos hinter München ein. Zu frühes Fazit? Schön wär’s, wenn’s diesmal anders liefe, der Spannung wegen. Aber das Drehbuch schreiben nicht die Fans.
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Schon gar nicht die aus Frankfurt. Same procedure auch bei der Eintracht. Hui und Pfui sind hier keine Gegensätze, sondern ein altes, unzertrennliches Ehepaar. Kovac will die Scheidung, doch was der Fußball-Gott vereint hat, kann auch er nicht trennen. Aber Kovac arbeitet weiter daran. Nie verzagen!
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Wer 90 Minuten lang kein Tor gegen »Tasmania« schießt (ob ich mein böses Wort schon bereue?), muss sich nicht wundern, dass der Ball schließlich noch wundersam ins eigene Tor fällt. Wenn Sirigu es noch eine Million Mal versuchte, er würde diesen Glücksschuss nicht wiederholen können. Wäre Fußball Wissenschaft, würde das Tor annulliert, denn in der Forschung ist nur gültig, was im Test wiederholt werden kann. – Immerhin  Lob am Rande für die Eintracht-Ultras, die vergleichsweise gelassen auf die  Provokation von  Schwachsinnigen reagierten.
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Haben Sie Ancelotti gesehen? Der Bayern-Trainer steht scheinbar in aller Gemütsruhe am Spielfeldrand, ist aber hektischer in Bewegung als Guardiola oder Klopp. Allerdings nur mit dem Unterkiefer. Fast wie Ex-ManU-Trainer Ferguson, der von der Queen zum »Sir« geadelt wurde, obwohl er sein Kaugummi stets abstoßend prollig zermalmte. Auch Ancelotti ist ein übler Kaudrauf. Irgendwie muss halt jeder Dampf ablassen, sonst zerwutzelt’s ihn. Außerdem: Ein Kaugummi kennt keinen Schmerz.
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Erst Hoffenheim, jetzt Leipzig. Fußball-Traditionalisten schießen sich auf ein neues Hassobjekt ein. Aber »Hoppenheim« und »Red Bull« haben keine Gemeinsamkeit à la Aneclotti/Ferguson, sondern: Hopp ist Mäzen und mit dem Herzen dabei, Mateschitz Sponsor und nur mit seinem Geld. Von daher ist Hoffenheim »old school« und Leipzig nur eine weitere Drehung der Spirale: Dortmund an der Börse notiert, München Prestigeobjekt von Großkonzernen, Bayer ist Bayer, Wolfsburg ist VW und so weiter. »Sport ist eine Miniaturkopie der Arbeitswelt« – was mir einst der Gießener Psychoanalytiker Horst Eberhard Richter in einem Interview sagte, würde er heute vielleicht so ausdrücken: Fußball ist eine Miniaturkopie der Finanzblase. Eine logische Entwicklung im Sinne von: End-Wicklung. Die Blase platzt, das ist sicher. Nur wann, das weiß keiner.
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Schon längst end-abgewickelt sind die ersten Anfänge, und zu den gescheiterten Start-up-Pionieren gehörte, Sie ahnen es, »unser« Utphe, an das und seine »Cosmos«-Zeiten ich im »Anstoß« vom Donnerstag erinnerte. Dazu schreibt unser Leser Walter Müller: »Der Beitrag hat mich sehr amüsiert. Ich bin gebürtiger Hungener und wohne seit über 40 Jahren im Stadtteil Villingen. Seit Kindertagen bin ich Fußballfan und war selbst oft bei Spielen der damaligen ›Legionäre‹ in Utphe. Es dauerte ›leider‹ nur ein paar Jahre, dann war ›Cosmos Utphe‹ Geschichte (heute mit Inheiden und Trais-Horloff wieder A-Klasse). Nun zum eigentlichen Thema. Es gibt in Mittelhessen einen Verein, der zur Zeit  auch stark gepuscht wird, mehrere Male aufstieg und jetzt professionell spielt. Ich will nicht unken, aber hoffentlich dauert diese Ära länger als damals die in Utphe.« – Tja. Daran habe ich auch gedacht, als ich »Cosmos« in Erinnerung rief ….
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So. Bei all dem Fußball bleibt kein Platz mehr für das heikle Thema, mit dem ich mich um Kopf und Kragen schreiben könnte: Paralympics, die kaum zu überschauenden Schadensklassen, Kugelstoßen für Kleinwüchsige, aber kein Hochsprung, kein Basketball für sie, auch kein Radrennen für Zweieinhalbzentner-Männer oder Geräteturnen für Menschen über zwei Meter, die unterschiedlichen Weitsprung-Weltrekorde von Prothesen-Springern (Popow 6,77, Rehm 8,40), dazu die fehlenden »Schadensklassen« in der Leichtathletik der Unbehinderten (keine Trennung zwischen den Lisa Mayers und den Caster Semenyas) … und, und, und. Ach, lieber nicht. Lieber nur ein Wort zum Rollstuhlbasketball: Das ist Paralympic im besten Sinne. Und nicht, weil die Besten aus unserer Gegend kommen, sondern weil Sportler unterschiedlichster bis gar keiner Beeinträchtigung in derselben Mannschaft antreten können. Dann spielt mal schön dort unten in Rio! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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