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Ohne weitere Worte (vom 6. September)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Es war ein gelungener Abschied, den Bastian Schweinsteiger (…) feierte. (…) Er hatte das Gespür für den richtigen Zeitpunkt. (…) Nach einer Roten Karte, erzählte Schweinsteiger einst, habe Merkel ihm gesagt, »dass ich nie wieder so eine Dummheit tun soll«. Sie habe ihm richtig gute Tipps gegeben. Vielleicht kann sich Schweinsteiger, der neue König des Abschieds, nun revanchieren. (Markus Feldkirchen im Spiegel)
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Indem Boateng aber immer wieder erzählte, dass er stolz darauf wäre, der erste dunkelhäutige Kapitän der deutschen Fußballgeschichte zu sein, gab er dem Thema eine gesellschaftspolitische Dimension. (…) Der Bundestrainer Joachim Löw (…) vertritt hingegen die Ansicht, dass in seinem Wirkungskreis nicht viele Themen weniger wichtig sind. (Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung)
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Hat sich Thomas Tuchel (…) eigentlich noch einmal bei Ihnen gemeldet? – »Nein.« – Keine Entschuldigung oder so etwas? Er hatte Ihnen ja nach dem Pokalfinale immerhin unterstellt, nicht wirklich verletzt gewesen zu sein. – »Lassen wir es einfach bei dem nein.« (Mats Hummels im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Große Sorge um Uli Hoeneß. Wird es dem mühsam resozialisierten zukünftigen Bayern-Präsidenten gelingen, in dem schwer kriminellen Umfeld in München sauber zu bleiben? Er kommt ja in seinem Beruf ständig mit DFB oder Fifa-Mitarbeitern in Berührung. (»Zippert zappt« in der Welt)
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»In der ersten Phase (…) müssen alle Module einen Strategieprozess durchlaufen. (…) Jedes Modul muss sich fragen: Was ist meine wichtigste Aufgabe? (…) Wie ist der Status quo, welche Benchmarks sind relevant für mich, welche Handlungsoptionen habe ich, um meine Ziele zu erreichen, wie muss ich priorisieren?« (Markus Weise, »Chef-Konzeptentwickler« der DFB-Akademie, in der  Zeit über seine Aufgabe)
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Nach insgesamt vier Blutvergiftungen musste zunächst der Unterschenkel und dann ein weiteres Stück des rechten Beines amputiert werden. Doch als Medizinerin wusste Wyludda direkt, was die Stunde geschlagen hatte: Das Bein musste weg! (…) »Ich stand vor der Wahl: Entweder das Bein verlieren und weiterleben. Oder nicht mehr leben. Und dafür konnte ich mich noch nicht entscheiden.« (Ilke Wyludda, Diskus-Olympiasiegerin 1996 und jetzt Paralympics-Athletin, zitiert beim sid)
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»Das Thema Techno-Doping ist heiß«, sagt der Leverkusener (Anm.: Heinrich Popow), dem im Alter von neun Jahren wegen einer Krebserkrankung das linke Bein oberhalb des Knies amputiert werden musste. »Manche Athleten stoßen beim Sitzen mit den Knien an die Nase, weil der Unterschenkel so lang ist. Das sieht aus wie im Zirkus. Das ist Affentheater, das hat nichts mit Leistungssport zu tun.« (…) Er ist auch gegen einen gemeinsamen Start von Athleten mit Prothesen und Nichtbehinderten. (…) »Ich bin generell der Meinung, dass der Vergleich so schwer ist, dass man das nicht in einen Wettkampf bringen kann. Ich merke ja, was die Feder am Brett mit mir macht.« (sid-Artikel in der Frankfurter Rundschau)
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»Das Theater ist natürlich ein einziger Säuferverein, vor allem in der Provinz, und es ist auch sonst ein fruchtbarer Nährboden für psychische Störungen. Auf Proben sind Psychodynamiker am Werk, die denen einer dysfunktionalen Familie ähneln, nur im Hyperspeed. Ich erinnere mich an eine Probe, bei der tickten alle aus und schrien sich an, eine bekannte Schauspielerin entblößte ihre Brüste. Bis ich, der eigentlich Verrückte, um Ruhe bat.« (Schriftsteller Thomas Melle, der an einer bipolaren Störung leidet, im Spiegel-Interview)
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Ich bin mal als Adolf Hitler ins Krankenhaus eingeliefert worden. (…) Ich habe beim Abgang von der Bühne mit der Hand eine Glasscheibe durchgeschlagen und mir die Pulsadern aufgeschnitten. (…) Es war dann sehr skurril, weil der Unfallchirurg, während er mich zusammenflickte, immer wieder rief: Der Führer ist gerettet.« (Matthias Brandt im SZ-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle