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Sonntag, 28. August, 7.10 Uhr

Später, dafür kürzer. Brummschädel. Nicht wegen Suff. Null Promille. Wegen Infekt. Eingefangen auf 110-km-Tour am Mittwoch. Stimme wie Lee Marvin. Kopf wie Kreis Biedenkopf (alter Spruch, galt aber für Promille-Kopf).

Mein großes Interview im Blatt. Exklusiv. Mit dem Supersupermegastar, der sonst keine Interviews gibt. Am nächsten Tag steht das Interview in der FAZ.  Aber nicht unter meinem Namen. Gleich sechs FAZ-Redakteure lassen sich als Interviewer von Salep feiern. Ich bin stinksauer. Obwohl sich ein lästiger Gedanke im Kopf einnistet. Salep? Salep? Superstar? Interview von mir? Mache ich doch seit zig Jahren nicht mehr. Langsam wache ich auf, hustend. Wenn man  wegen Lee Marvin und dem Kreis Biedenkopf immer nur kurz schläft und schnell aufwacht, erinnert man sich geich an seine Träume. Salep …  aber selbst, als ich schon wach bin, bin ich immer noch sauer auf die FAZ.

Auf der 110-km-Hitzeschlacht, bei der ich nur einen Balken von fünf auf dem Pedelec verbraucht habe, also meistens Rad pur gefahren bin, kam ich an vollgestopften Schwimmbädern, Ausflugslokalen, Badeseen und Mitradlern vorbei. In diesen Hitzetagen reißen sich alle die Kleider vom Leib, und man sieht jetzt, dass die Tattoo-Manie ein echtes Volksleiden geworden ist. Opa mit dem vollprolltätowierten Unterarm, Oma mit dem Arschgeweih. Warum tun die sich das alles an? Sieht doch bescheuert aus! Was ich verstünde: Wenn man Camouflage betriebe und Hauthässlichkeiten  mit einem Tattoo überdeckte. Aber statt dessen fügt man sich Hauthässlichkeiten zu.

Ist natürlich reine Geschmacksache. Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass Männer meines Alters ihre Umgebung nicht mit kurzen Hosen  und nacktem Oberkörper belästigen sollten. Und wer fährt mit kurzen Hosen und nacktem Oberkörper an all den Tätowierten vorbei? Na ja, es reicht ja auch, wenn andere meine ästhetischen Vorstellungen erfüllen, dann muss ich das nicht auch noch tun.

Bild-Schlagzeile: Samuel Koch feiert heimliche Hochzeit. Gaaanz heimlich. Nur Bild war dabei. Exklusiv wie ich bei Salep.

Interview in der Welt mit Gerd Krämer, der als Mercedes-Manager  vor 25 Jahren Michael Schumachers Weg in die Formel 1 geebnet hatte. Am Schluss die Frage, ob er Kontakt zu Schumacher habe. ”Nein. Er wird von seiner Familie vollkommen abgeschirmt.” Anschlussfrage: Wissen Sie, wie es ihm geht? “Er befindet sich in einer mehr als schwierigen Situation, und es braucht ein Wunder, um ihn wieder in der Öffentlichkeit zu sehen.” Wär das war für “Ohne weitere Worte”? Eher nicht, denn womöglich fällt nicht jedem auf, dass da einer erst zugibt, keine Ahnung zu haben, wie es Schumi geht, um dann aber so viel zu wissen vorzugeben, dass es ein Wunder sei, wenn wir ihn noch einmal sehen sollten.

Aber das geht schon in Richtung Montagsthemen. Sonst noch nicht viel auf dem Zettel. Auch nicht im Kopf, obwohl der voll ist. Mit Infekt-Sekreten. Und Lee Marvin. I was boooorn under a wandering star … klingt fast besser als das Original.

Baumhausbeichte - Novelle