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Sonntag, 21. August, 6.45 Uhr

Heute machen wir’s kurz. Mein Mail-Seismograph sagt mir, dass viele von Ihnen im Urlaub sind und Besseres zu tun haben als im Stein(es)bruch für die Kolumnen zu lesen. Andere aus Gießener Kern- und -Umland liegen noch Stadtfest-geschädigt (oder einfach so) im Bett. Andere Indikatoren habe ich nicht, will ich nicht haben. Klickzahlen kenne ich nicht, will ich nicht kennen, sie interessieren mich nicht. Sonst würde ich immer ein paar Begriffe einstreuen, auf die Suchmaschinen reagieren, zum Beispiel die hochdeutsche Version von “buien”. Dieses manische Wort ist kein manisches im üblichen Sinn, sondern das Manische ist ein historischer Gießener Vorstadt-Slang.

Aber während des Schreibens kommen die Ideen,  daher der Blog als Stein(es)bruch. Ein Satz blinkt und plingt im Kopf auf: “Im Keudor wird gekeuert.” Denn vor einigen Minuten habe ich bei der Sichtung der Meldungen der Nacht wieder einmal vom “Medaillenkorridor” gelesen, in dem deutschbürokratische Stubenhengste zu den Medaillen galoppieren wollten. Korridor sprach ich als Kind hessisch aus, dass der “Keudor”, also der Flur, “Korridor” geschrieben wird, war mir lange Zeit nicht bewusst. Und “Keuern” ist ein manisches Wort für “ärgern”, und zwar mächtig ärgern.

Rio bei Nacht: Ein wunderbarer Speerwurf, eine höchst ehrenvolle Fußball-Niederlage, die fast ein unbewusstes diplomatisches Meisterstück ist (ein Gauck-Nachfolger wird ja noch gesucht. Horst Hrubesch?), und zwei Olympiasieger, die stellvertretend für die sportlichen Probleme von Olympia stehen: Mo Farah als Repräsentant des Nike Oregon Projects (übrigens auch Matt Centrowitz) und Caster Semenya … aber über deren persönliches und das damit verbundene wettkampfsportliche Problem habe ich schon alles geschrieben, was ich dazu schreiben kann und will. Außerdem sagen das Bild und die Art ihres Gold-Laufs mehr als tausend Worte.

Noch ein Stichwort für die Montagsthemen: Höchstens 20 Prozent der deutschen Fernsehzuschauer werden in zwei Wochen noch die Namen der Hälfte der deutschen Medaillengewinner aufsagen können (der Satz holpert noch, den muss ich später ebnen).

Auch die Anzeigenkampagne der Bundeswehr soll rein, auch die gekonnte Satire der taz dazu (ein Beispiel für Böhmermann, wie man elegante Schmäh-Gedichte bzw. Schmäh-Prosa schreibt), außerdem das übliche Olympia-Fazit, mit Worten, die ich seit 1992 jedes Mal geschrieben habe, die diesmal aber ergänzt werden müssen.

Soo kurz war’ nun auch nicht.

 

Baumhausbeichte - Novelle