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Ohne weitere Worte (vom 16. August)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd«, sagte Otto von Bismarck. Der »eiserne Kanzler« starb 1898, bevor die Olympischen Spiele zum Weltereignis wurden, sonst hätte er das vielleicht variiert: dass nie so viel gelogen wird wie vor Olympia (Kosten, Zeitplan), während Olympia (Doping, Zuschauerzahlen) und nach Olympia (Nutzen des Ganzen). (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Wie die Dreistellungskampf-Olympiasiegerin Barbara Engleder nach ihrem Triumph derart ausflippte und herumschrie auf dem Schießstand, dass man dachte: Was auch immer diese lustige Dame für Hobbys hat, vielleicht sollte sie dabei besser kein Kleinkalibergewehr in die Hände kriegen. (Tobias Rüther in seiner FAS-Kolumne »Teletext«)
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Jener weitsichtige Pferdesportexperte des Ersten Deutschen Fernsehens, der sich angesichts einer verhalten reitenden Starterin Gedanken machte über die körperlichen Ausprägungen ihres Respekts vor der Prüfung. Vielleicht wird mancher Pferdesportexperte irgendwann von seiner eigenen galoppierenden Dummheit eingeholt. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Niemandem hört man so gerne zu wie ihr. Franziska van Almsick. Sie hat nicht diese sterile Perfektion wie Katrin Müller-Hohenstein, denn sie sagt Sachen wie: »Ich habe viel erlebt – gerade in der Vergangenheit.« (»jaf« in der taz)
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Sie hatten sich einen neuen Helm vom Sponsor nach Brasilien schicken lassen und ihn gewienert, bis er glänzte, weil eine matte Oberfläche weniger aerodynamisch ist. Sie hatten alle Aufkleber, die sich auf dem Velo und den Rädern befanden, abgekratzt, ebenfalls der Aerodynamik wegen. Sie hatten die Startnummern nicht wie sonst mit Sicherheitsnadeln am Trikot festgemacht, sondern sie mit Folie überzogen und aufgeklebt, und zusätzlich hatten sie sie von Hand angenäht. (Christof Gertsch in der Neuen Zürcher Zeitung über die Präparation des Rads von Olympiasieger Fabian Cancellara)
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Wie konnte es zu dem Missverständnis kommen, dass Pep Guardiola vor drei Jahren Mario Götze angeblich unbedingt haben wollte? – »Indem irgendjemand Mario die Unwahrheit gesagt hat.« – Sie meinen Matthias Sammer? – »Ich werde keine Namen nennen. Aber so war es.« (BVB-Boss Hans-Joachim Watzke im Zeit-Interview)
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»Nur Fußballtrainer sind noch mysteriösere Gestalten als Dirigenten. Bei beiden denken die Leute, dass die Musiker beziehungsweise die Fußballer ohne sie genauso spielen würden. Trotzdem macht es einen Unterschied, man kann ihn nur schwer beschreiben.« (Dirigent Simon Rattle im SZ-Magazin)
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Jede Generation geht davon aus, dass die Zivilisation mit ihr den Höhepunkt erreicht hat. (…) Es gibt vorausschauende Menschen, die überzeugt sind, dass man über unser Verhältnis zu Tieren so denken wird wie wir über die Sklaverei. Tieresser stehen dann in dem Ansehen, in dem heute Rassisten und Kolonialisten sind. (Jan Fleischhauer im Spiegel)
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»Gewichtheben ist keine schlechte Sportart für Frauen, ich bekomme immer viele Komplimente für meinen Hintern.« (Gewichtheberin Sabine Kusterer, zitiert in der taz)
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Da gibt es das schöne Bonmot von Heinz Erhardt: »Sie dürfen nicht alles glauben, was Sie denken.« – »Das ist ja super! Heinz Erhardt for Bundespräsident!« (Schauspieler Ulrich Matthes im FR-Interview)
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Wie böse können Sie eigentlich sein? –»Würde ich alles, was ich denke, laut sagen, wäre ich einer der bösesten Menschen der Welt.« (Entertainerin Ina Müller im Bild-Interview) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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