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Ohne weitere Worte (vom 9. August)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Olympioniken, zu den Waffen! / Die WHO zieht in den Kampf, / um Großes für die Welt zu schaffen. / Helft mit und macht den Mücken Dampf! (Beginn des Gedichts »Auf, auf, ihr Zikathleten!« von Reinhard Umbach in der taz)
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Sportarten wie Schießen, Rudern oder Dressurreiten kommen nur deshalb auf dem Bildschirm breit zum Zuge, weil deutsche Medaillen wahrscheinlich sind. (…) Um also Rudern Reiten, Radeln, Diskuswerfen, Kanufahren, Hockey- und Beachvolleyballspiele – lauter Sportarten, in denen Deutsche vor vier Jahren Gold gewannen – zu sehen, werden nun sechzehn Tage lang mediale Ausnahmezustände geschaffen, die nur einen Bruchteil der Zuschauer interessieren. (Andreas Platthaus im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Mich hat als Junge nichts mehr deprimiert als die verlogenen Erklärungen der jeweiligen deutschen Politiker zum Boykott der Spiele in Moskau und Los Angeles. Damals hatte ich zum allerersten Mal das Gefühl, die Welt falle auseinander. (Alexander Osang im Spiegel)
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Wenn man zwei Angehörige verschiedener unterprivilegierter oder verhasster Gruppen (einen Afrikaner oder Araber zum Beispiel) vom Dach eines Hochhauses stößt, wer wird zuerst unten aufschlagen? Antwort: Wen interessiert das? Obwohl ich den Witz abscheulich finde, trifft er doch genau meine Haltung zu Sportwettkämpfen. (der Philosoph und Kulturkritiker Slavo Zizek in seiner Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Die sind alle tätowiert, haben alle Ohrringe. Ich sag immer: Ihr macht alles nur nach. Lasst euch was anderes einfallen! Sagt doch mal eure Meinung!« (Horst Hrubesch im Playboy über seine Olympia-Fußballer, zitiert in der Frankfurter Rundschau)
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Fechter, sucht euch echte Ziele / und schont den Gegner im Gefecht, / indem ihr säbelnd möglichst viele / von diesen Biestern niederstecht / Ihr Werfer, spitzt schon eure Speere / und zielt am besten voll von vorn. / Und euch, ihr Schützen am Gewehre / nehmt wahre Gegnerschaft aufs Korn! (Umbach/taz)
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»Es gibt (…) immer verschiedene Meinungen. Das ist ja auch das Schöne. Deshalb leben wir in einer Demokratie und nicht in der Türkei.« (Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic im Kicker über die Kritik an der Personalpolitik)
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Anhand dieses Transfers (Anm: Gündogan) lässt sich auch eine gewisse Lernkurve bei Guardiola erkennen. Musste er bei Bayern erst wochenlang falsch trainieren lassen, um Verletzte zu produzieren, will er in Zukunft zeitsparend von Anfang an Reha-Patienten einsetzen. (Kabarettist Django Asül in der Kicker-Kolumne »Abpfiff«)
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Dreimal in Folge verlor man zuletzt die Saison-Ouvertüre (Anm.: den Supercup). (…) Böse Zungen behaupten, es sei das einzige Triple gewesen, das Pep Guardiola in seinen drei Jahren in München gewonnen habe. (Patrick Strasser in der FAS)
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Sie wurden mal als Projekt Ihres Vaters  beschrieben. Trifft es das? – »Nein, ich würde sagen: Ich bin sein Lebenswerk.« (Fabian Hambüchen im Spiegel-Interview)
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»Wir hatten einen Maschinensetzer, der war ein bisschen hypochondrisch, wie viele Männer, und der setzte (…) immer so ein Ärzteblatt. (…) Wenn er damit fertig war, hatte er jedes Mal sämtliche Symptome, die in den Artikeln beschrieben worden waren. Einmal ging er fröhlich pfeifend nach Hause. Da hatte er ein Heft gesetzt, in dem es nur um Geburtsschwierigkeiten gegangen war.« (die Schriftstellerin Katja Lange-Müller im FAS-Interview)
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Dann werden’s euch nicht nur die Kranken / in Rio, der Olympiastadt, / nein, selbst die Sportverächter danken, / wenn es sich ausgezikat hat. (Umbach/taz) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle