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Karl Nickerl zur Doping-Problematik

Da ich mich schon seit vielen Jahren mit dem Dopingproblem und den damit zusammenhängenden Fragen beschäftige und auch jetzt während der Olympischen Spiele in Rio mit Dopingvergehen trotz der Sperrung einer Anzahl russischer Athleten zu rechnen ist, möchte ich hierzu folgende grundsätzliche Anmerkungen und Vorschläge unterbreiten, die sicherlich diskussionswürdig sind und insbesondere für die Zukunft gelten sollten.
1.
Ich schlage vor, die ersten Drei einer jeden Sportart ” u n t e r  V o r b e h a l t ” zu Siegern und Placierten zu erklären, mit einer kurzen “Flower Ceremonie”, bis das Doping-Labor bestätigt hat, dass nach Überprüfung der Dopingproben keine Dopingmittel eingenommen und nachgewiesen wurden. Voraussetzung ist, dass die Ergebnisse der Kontrollen innerhalb 6 Tagen dem IOC vorliegen.
Die offizielle Siegerehrung kann anschließend mit Hymne, Olympiamedaille - wie bisher - vorgenommen werden. Da die Sieger und die Zweit- und Drittplacierten z.T. erst in der letzten Woche ermittelt werden, können die Olympiamedaillen hieraus erst später durch das Nationale Olympische Komitee überreicht werden. Das Abspielen der Nationalhymne sollte man in diesem Ausnahmefall anlässlich der “Flower Ceremonie” gestatten. Voraussetzung ist aber auch, dass das Doping-Labor technisch und personell so ausgestattet ist, damit es diese Leistung rechtzeitig erbringen kann. Einen derart wirksamen Beschluss müsste m.E. das IOC vor Beginn der Olympischen Spiele fassen und allen Nationalen Olympischen Komitees und Fachverbänden mitteilen  zur weiteren Bekanntgabe aller an den Olympischen Spielen teilnehmenden Sportlerinnen und Sportler. Aber zu derart drastischen Maßnahmen ist das IOC wohl nicht Willens.
Es hat sich gezeigt, dass Olympiasiegern und Placierten oftsmals erst nach Monaten und Jahren die Einnahme von unerlaubten Dopingmitteln nachgewiesen wurde. Dies ist wie im Falle Russland und vielen anderen Ländern erst nach Jahren bestätigt worden. Weitere Kommentare sind aus diesem Grund überflüssig. Es wurde mehr als genug veröffentlicht.
2.
Dass Deutschland endlich ein Anti-Doping-Gesetz verabschiedet hat, welches bei Verstoß Haftstrafen bis zu 3 Jahren beinhaltet, finde ich in Ordnung. Hintermänner müssen in besonders schweren Fällen noch mit höheren Strafen rechnen. Nach Info des Bundesministeriums der Justiz gelten insoweit – wie für jede andere Strafvorschrift auch – die Regelungen der Strafprozessordnung (StPO). Jeder Bürgerin und jedem Bürger steht es frei, in diesen Fällen eine Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft zu erstatten, wobei die Staatsanwaltschaft aufgrund des im deutschen Strafprozessrecht geltenden Legalitätsprinzips jedoch verpflichtet ist, beim Vorliegen eines entsprechenden Tatverdachts die jeweilige Straftat bereits von Amts wegen zu verfolgen. In Österreich, Italien und Frankreich gelten gleiche Gesetze. So die Mitteilung des Bundesjustizministeriums.
Es wäre auch Aufgabe des IOC, auf alle übrigen Länder dahingehend einzuwirken, ein derartiges Anti-Doping-Gesetz zu beschließen. Kontrollen müssen konsequent und nachweisbar durchgeführt werden. Dies ist in vielen anderen Ländern nicht der Fall.
Bekanntlich haben viele deutsche Spitzensportler das neue Anti-Doping-Gesetz begrüßt.
Es kann nicht sein, dass sich gedopte Sportlerinnen und Sportler Wettbewerbsvorteile gegenüber Nichtdopenden verschaffen. Von den gesundheitlichen Folgen ganz abgesehen.
3.
Ich sehe mir die Olympischen Spiele auch jetzt wieder an, da ich dem Sport nach wie vor verbunden bin, muss mir jedoch dann immer wieder die Frage stellen, ob Siege und Placierungen unter Einhaltung der Anti-Doping-Regeln zustande gekommen sind.
4.
Sollte sich in Bezug auf Doping über kurz oder lang nichts Wesentliches ändern, wird der Spitzensport ad absurdum geführt und disqualifiziert sich von selbst. Europa-, Weltmeisterschaften und Olympische Spiele haben dann keine Berechtigung mehr.
5.
Das IOC hat jahrelang “geschlafen” und wälzt nun alle Schuld auf die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), auf die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) und Sportfachverbände ab, wie kürzlich in Statements veröffentlicht.
6.
Dass der Spitzensport so geworden ist, ist ohne Zweifel auch in der Einmischung der Politik in den Sport – wie im Fall Russland nachweislich durch die entsprechenden Berichte geschehen -, sowie in der Kommerzialisierung des Sports im allgemeinen begründet.
7.
Ich behaupte, dass alle dafür Verantwortlichen auch in den kommenden Jahren nicht bereit und Willens sind, in Bezug auf Doping Wesentliches zu verändern. Sie hatten hierfür genug Zeit, die nicht genutzt wurde. Die immer wiederkehrenden gleichen Statements bezeichne ich als “leere Worthülsen”.
Unser Bundesaußenminister, Herr Frank-Walter Steinmeier hat vor längerer Zeit den zutreffenden Satz ausgesprochen ” Die Welt ist aus den Fugen geraten”. Ich begrüße diesen Satz und füge hinzu :” auch Doping  -wie auch vieles andere- ist aus den Fugen geraten”.
Karl Nickerl (Staufenberg)

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