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Ohne weitere Worte (vom 2. August)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Ab Freitag ist es so weit, denn mir reicht es jetzt: Dieses Jahr boykottiere ich die Olympischen Spiele. Gucke ich mir nicht an. (Tobias Rüther in seiner »Teletext«-Kolumne in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Gentlemen, es war mir eine Ehre, mit Ihnen zu spielen.« Bewegender als der Kapellmeister Wallace Henry Hartley nach dem letzten Lied vor dem Untergang kann man nicht Abschied nehmen. Bastian Schweinsteiger hat die berühmte Szene (…) kopiert, mit seiner Twitter-Botschaft an die deutschen Fans: »Es war mir eine Ehre, für Euch spielen zu dürfen.« Der Kapitän geht von Bord, aber zum Glück ist die »Mannschaft« nicht die »Titanic«. (…) Das kleine Leck, das seine Hand ins Traumschiff des deutschen Fußballs schlug (…), hat keine bleibenden Schäden hinterlassen können – weder für die Zukunft des Kollektivs noch den Nachruhm des Kapitäns. (Christian Eichler in der FAS)
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Es ist vermutlich bloß Geschmackssache, ob man Schweinsteigers DFB-Rücktritt gerade noch rechtzeitig findet, oder ob man das merkwürdige Handspiel (…) schon als Zeichen der Überforderung deutet und den Rücktritt also für überfällig hält. (Christof Kneer in der Süddeutschen Zeitung)
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Der Weg, den die Eintracht beschreitet, ist risikobehaftet. Von den sieben Neuen ist keiner über 25, und nur einer verfügt über Bundesligaerfahrung. (…) Auf einen Israeli aus Sudan (Anm.: Taleb Tawatha), der noch nie jenseits der Heimatregion gespielt hat, muss man erst mal kommen. (Peter Heß im Rhein-Main-Sport der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Dabei hat (…) Bruno Hübner die beste Nachwuchsarbeit geleistet, die man sich vorstellen kann (Anm.: Benjamin und Florian Hübner spielen in Hoffenheim bzw. Hannover). (…) Hübner ist auch der Berater seiner beiden Söhne, aber zu seinem Arbeitgeber wollte der Frankfurter Sportdirektor die zwei Verteidiger aus seiner Familie nicht holen. Ehrenwert. Um gute Nachwuchsarbeit müssen sich die Frankfurter eben selbst kümmern. (Michael Horeni in der FAZ)
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»Wenn jemand Neues zu uns ins Team kommt, stellen sie mich gern als denjenigen vor, der damals (Anm.: 1962) gegen Wilt Chamberlain verteidigt hat, als der 100 Punkte in einem Spiel erzielte.« (Dirk Nowitzki über Frotzeleien seiner jungen Mitspieler in Dallas)
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Ich bin traumatisiert durch die Tatsache, dass ich zu keiner einzigen gesellschaftlichen Opfergruppe gehöre und in jeder gottverdammten Debatte immer Teil der Tätergruppen bin, Männer, Deutsche, Weiße, Besserverdiener. Das ist ein Scheißgefühl. Ich finde, wir Mehrfachtäter sollten als Opfergruppe anerkannt werden. (Harald Martenstein in einem Vortrag auf dem Gymnasialtag in Stuttgart, nachgedruckt in Profil, dem Magazin für Gymnasium und Gesellschaft)
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Wie das Leben wohl sein mag, wenn die Rumänen zu uns nach Gelsenkirchen ziehen? Das konnte sich Eckart Kuke erst vorstellen, als er abgenagte Kotelettknochen und benutzte Babywindeln aus den Fenstern eines Nachbarhauses fliegen sah. (Stefan Willeke in der Zeit über einen »Häuserkampf« in Gelsenkirchen)
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Wahrscheinlich wird es mit mir und Rio aber jetzt so ausgehen wie bei Flexitariern, die ins Restaurant gehen und eigentlich das Wiener Schnitzel nicht essen mögen, aber wo das arme Kalb schon mal tot ist, macht Moral es ja auch nicht wieder lebendig. Also: Olympia läuft ja eh, also kann man auch anschalten, und wie sollte man auch sonst das Sinnlosigkeitsloch füllen, bis wieder Bundesliga ist? (Rüther/FAS)
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Die singende Sagrotanflasche. (Thomas Gross in der Zeit über Helene Fischer) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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