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Sonntag, 31. Juli, 6.10 Uhr

Werktagswerktätige werden wissen, was einem leicht melancholischen  Nursonntagsfrühaufsteher erst heute auffällt: Sonntags um sechs ist die Welt noch – und schon wieder – nicht so richtig morgenhell. Der Sommer hat noch nicht richtig angefangen, und schon liegen frühherbstliche Dunkelschleier über dem Morgenland.

Deutschland ein Morgenland … nee, nee, auf diesen unbedachten Zufallsgag springe ich nicht drauf.

Gut geschlafen? Danke der Nachfrage? Hat ja niemand nachgefragt. Noch nicht. Gut geschlafen? Typische Frage des Alters. Knoten ins Taschentuch: Das wird ein Themchen  des progressiven Alt-Tags im nächsten Seniorenjournal.  Gut geschlafen? Eine Frage, die sich in jüngeren Jahren nicht stellt. Gut geschlafen? Auf die Frage antworten Ältere mit einem langen Monolog. Jüngere fragen sich, was die Frage soll. Gut geschlafen? Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen? Ich habe doch geschlafen.

Newtonmeter. Mein neues Lieblingswort. Habe ich es schon bekakelt, in Kolumne oder Blog? Das “alte” Problem mit dem Kurzzeitgedächtnis … (noch’n Knoten ins Taschentuch für den Alt-Tag).

Newtonmeter. Ich weiß jetzt: Drehmoment. Mein neues Pedelec hat 62 Newtonmeter, damit komme ich endlich den 15-Prozent-Berg mit meinen 100 Kilo so hoch, wie es sich für ein E-Bike gehört. Mein altes E-Bike hatte nur 26 Newtonmeter. Habe ich erst jetzt erfahren. Hatte mich immer gewundert, dass ich am Berg auf dem schweren E-Rad fast genauso schwer treten musste wie mit dem leichten Treckingrad. Im Internet eine Formel gefunden, mit der man Wattleistung berechnet. Mit dem alten Pedelec (250 Watt Unterstützung) musste ich 300 Watt zusätzlich treten, um auf die 550 Watt zu kommen, die man bei 15%/100kg benötigt. Jetzt schwebe ich den Berg hoch.

Vor mir liegt neben der FAS von heute die SZ von gestern. Auf dem Titelbild ganz groß Tischbeins Goethe. Beziehungsweise Goethes Tischbeine. Hier funktioniert das Kurzzeitgedächtnis noch. Darüber habe ich kürzlich geschrieben. Das monströse linke und die beiden linken Beine aus dem Städel.

Monströse Meldung, nicht in den Online-Zeitungen oder bei den Nachrichtenagenturen, sondern kurz notiert in leichtathletik.de: Ein 14jähriger Ungar läuft die 100 Meer in 10,59 Sekunden. Das gab’s noch nie. Immer jünger, immer besser, immer weniger Kind. 14 und 10,59! Unglaublich. Ich glaube, wir durften als 14Jährige noch gar keine 100 Meter laufen. Die 75 Meter waren unsere Sprintstrecke. Ich war über 75 m schneller als der Ungar, aber langsamer als Usain Bolt über 100 Meter.

Heute findet irgendwo im Osten Deutschlands (Name des Ortes vergessen, im Blog-Flow schaue ich auch nicht nach) der mich am meisten interessierende Sportwettkampf des Wochenendes statt: Kugelstoßen mit David Storl und Jacko Gill. Zwei früher unfassbare Talente mit heute sehr fassbaren Leistungen. Kiwi Gill soll derzeit in Deutschland trainieren, in Mannheim, im Netz kursiert eines seiner wilden Trainingsvideos. Die sind aber auch nicht mehr so wild wie die Videos des 16jährigen Jacko. Die waren nicht von dieser Welt. Mal sehen, wie schnell der junge Ungar in fünf Jahren läuft. 8,5? Oder eher 10,4? Oder gar nicht mehr?

Olympia-Trend im Kugelstoßen: Kovacs gewinnt, Walsh wird Zweiter, ein zweiter Ami kämpft mit Storl um Bronze. Vor ein paar Jahren hätte ich noch getippt: Storl gewinnt mit einer Weite um 23 Meter, Zweiter wird schon Gill mit rund 22 Meter.

Letzte Woche nach oftmaliger Aufforderung aufploppender Fenster Windows 10 geladen. Kurz vor Gratis-Ablauf. Mit Bauchschmerzen. Aber alles lief glatt und gut. Nur etwas lange. Hat fast einen ganzen Tag gedauert. Im Hintergrund. Jetzt hab ich’s. Hat alles funktioniert, nichts ist weg, Windows 10 ist da. Effekt: Komme schneller ins Internet.

Noch was für den Alt-Tag: Die junge Welt spielt irgend so ein Smartphone-Spiel mit Monsterchen, ich spiele Skat. Gegen eine alte Frau und einen alten Mann. Mit eingeschobener CD auf dem Computer. Macht Spaß. Wage die wildesten Spiele, Grand ohne sechs, Null ohne Siebener und so. Was mich stört: meine beiden Gegner auf dem Bildschirm. Sehen aus wie hundertjährige Spießer aus dem vergangenen Jahrhundert. Manche anderen Altmänner mögen von ihrer plötzlich ins Zimmer kommenden Frau bei der Beschäftigung mit anderen Bildern peinsam überrascht werden, die meine rollt nur mit den Augen, wenn sie die beiden altvorderen Kleinbürger auf dem Bildschirm sieht. Vor allem die typische Hausfrau der 60er Jahre. Die Alte gewinnt sogar am häufigsten. Müller heißt sie. Der dritte Mann Maier.

Ferienzeit. Die letzten Schulen haben geschlossen. In Italien beginnt Ferragosto. Im August stehen dort alle Räder still, ob es ein starker Arm will oder nicht. In Italien war ich lange nicht mehr. Auch in Griechenland nicht. Liebe Leute, die ihr gerade die Koffer packt oder schon dort seid: Grüßt mir die Ägäis! Ich schreib jetzt Montagsthemen. Aber gleich kommt erst KKKK. Muss schnell die beiden Skat-Alten vom Bildschirm verschwinden lassen.

Aber was schreib ich bloß? Der Blog hat nicht viel gebracht an Stein(es)bruch-Stücken. Was schreib ich bloß? Same question as every sunday.

 

 

Baumhausbeichte - Novelle