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Ohne weitere Worte (vom 26. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Verkommt die Tour de France zu einer Ballermann-Veranstaltung? (…) Rolf Aldag: »Froome ist gerannt, weil er von einem grölenden Mob bedroht wurde. Er wollte nur weg, weg, weg, raus aus dem Mob. (…) Bei dieser Etappe wurden bei fast allen Autos (…) die Außenspiegel abgetreten. Der wusste, bleibe ich stehen, kann es eng werden.« (S. Kayser in Bild)
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Was also macht die TdF dennoch so beliebt, wenn ihre wesentliche Berufung darin zu bestehen scheint, junge, gut gebaute Männer einfach plattzufahren? (…) Roboten bis zur vollkommenen körperlichen und psychischen Erschöpfung. Kein Sport verkörpert den Spätkapitalismus so gut wie der Radsport. (die Schriftstellerin Sabine Scho in einem Beitrag für die taz)
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»Jetzt hast du Reisebusse, wo die Leute sich schon auf der Fahrt den Kopf wegschießen mit Alkohol. Die stehen dann besoffen an der Strecke, du heizt mit 180 Puls den Berg hoch. (…) Wenn sie das wollen, sollen sie zum Fußball gehen. Da sind sie von 4000 Polizisten eingekreist, da können sie sich die Köpfe einhauen.« (Aldag in Bild)
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Der Sport braucht keine Experten. Die Experten brauchen aber den Sport. Fernseh-Teilzeitkommentatoren, meistens sind es Ex-Profisportler, sind die Trittbrettfahrer des milliardenschweren Geschäfts mit den Ikonen unserer Freizeitgesellschaft. (Christian Meier in der Welt)
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Jetzt glauben natürlich alle zu wissen, warum Delling immer so auf Netzer rumgeklopft hat (…): Weil die nichtjournalistische Hälfte des früheren Fußball-Moderatorengespanns (…) in vier gemeinsamen Jahren vor der Kamera knapp anderthalb Millionen Euro mehr verdient haben soll als sein Sidekick. (»eer« in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Und dann fragt sich ganz grundsätzlich, ob sündhaft teure Exklusivrechte an Sportveranstaltungen überhaupt von ARD und ZDF eingekauft werden sollten. (…) Sollte man sich da nicht rausziehen und das Feld den privaten Anbietern überlassen? (Meier/Welt)
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»Ich tausche ja bis heute in jedem Spiel mein Trikot. Ich habe inzwischen eine riesige Trikotsammlung zu Hause.« (…) – Welches argentinische Trikot besitzen Sie vom WM-Finale? – »Gar keines. In Rio habe ich mein eigenes Trikot behalten.« – Warum das denn? – »Es bringt ja keinem was, wenn man das Trikot vom Zweitplatzierten zu Hause hat.« (Christoph Kramer im Interview der Süddeutschen Zeitung)
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Ganz doll lieb haben sich auch Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanovic. (…) Der neue Bunte-Chef Robert Pölzer jedenfalls schreibt: »Doch die Feier am Canal Grande war nicht nur eine Hochzeit. Es war die Geburtsstunde von ›BastiAna‹. Die Geburt einer neuen Marke.« BastiAna klingt auch wirklich hübsch, hübscher jedenfalls als etwa »Schweinovic«. (Jörg Thomann in der FAS-Kolumne »Herzblatt-Geschichten«)
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Phelps hat runde Flecken auf dem Rücken. Es sind Blutergüsse, Andenken an den letzten Termin bei seinem Physiotherapeuten. Phelps lässt sich von ihm Gläser auf den Körper setzen, in denen Unterdruck herrscht. Die Gläser ziehen die Hautstellen an wie ein Staubsauger. Cupping nennt sich die Therapie, sie soll harte Muskeln weich machen und Faszien dehnen. (Lukas Eberle im Spiegel über den vielfachen Schwimm-Olympiasieger)
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»Ein Mordmerkmal ist die Heimtücke, das Merkmal des Schwachen: Man macht es heimlich, damit der andere den Angriff nicht kommen sieht. In Vorlesungen zeige ich immer ein Bild von Vitali Klitschko und seiner Freundin, die einige Köpfe kleiner ist. Wenn die beiden einander umbringen wollen, geht er auf sie zu und erwürgt sie mit einer Hand. – das ist Totschag. Und sie? Muss ihn schon im Schlaf erstechen, wenn sie ihn überwältigen will. Das ist Heimtücke, und damit ist die Frau sofort eine Mörderin.« (die Strafrechtlerin Elisa Hoven im Zeit-Interview über die Benachteiligung der Frau als Täterin) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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