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Ohne weitere Worte (vom 5. Juli)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Diese Equipe in der Moderatorenkabine und am Spielfeldrand wirkt allerdings längst nicht so austrainiert wie Löws Ensemble. Sie lässt es bei der verbalen Begleitung an Kombinationsfluss vermissen, sie bietet zu viele Lücken, räumt dem Gegenüber regelmäßig unwidersprochen viel zu großen Spielraum für die Deutungshoheit ein, schaltet nicht schnell genug um und spielt den Ball viel zu oft ins gedankliche Abseits. (Anno Hecker in der Frankf. Allgemeinen Zeitung)
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Eigentlich ist dieser Brexit ja gar nicht so verkehrt. Zumindest kurzfristig (…)  hatte er jedenfalls eine segensreiche Auswirkung. Für eine kleine Weilen nämlich rückte das unsägliche Getue um die Kommerzkickerei in Frankreich ein wenig in den Hintergrund. (…) Die Deutschen spielen Fußball und tun so, als gäbe es nichts anderes auf dieser Welt, und die Briten wollen aus der Europäischen Union und sägen damit an ihrem Königreich. Komische Welt. (Michael Herl in der Frankfurter Rundschau)
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England hat so viele Europameistertitel gewonnen wie Island, Albanien oder die Färöer – und weniger als Griechenland, die Sowjetunion oder Dänemark. Der letzte Sieg einer englischen Mannschaft in der K.o.-Phase einer EM gelang 1966. So gesehen ist das ein toller Erfolg, dass das Team in diesem Jahr die Vorrunde überstanden hat. (Ralf Neukirch im Spiegel)
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Ronaldo zwingt zur Bewunderung, das ärgert die Leute. (…) Der tiefste Grund der Antipathie könnte darin liegen, dass er so gar nicht als das dumpfe und stumpfe, verschmierte und verschmutzte Männertier daherkommt, das hierzulande als Inbegriff des Fußballers gilt. (…) Die besessene Kritik an ihm verrät viel über ein anarchisches Männerbild, dessen Ideal die Rohheit ist. (Jens Jessen in der Zeit)
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»Früher hätte man mich nie gefragt: Was ist mit deinem Gehirn? (…) Dass ich Einstein geschlagen habe, ist mir schon ein bisschen peinlich, aber ich bin auch stolz. (…) Dass Fußballer alle blöd sind (…) – es ist gut für den deutschen Fußball, wenn man das vielleicht auch mal widerlegen kann.« (Charly Körbel, dessen Gehirn als fünfzigfach vergrößertes Modell im Senckenberg-Museum begehbar sein wird, im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Manuel Neuer (…) kann nicht wie Gianluigi Buffon die Nationalhymne so schmettern, dass man sie bis nach Carrara hört. Buffon legt eine Andacht und eine Glut in seinen Vortrag, als gelte es, mit einem Lied das Wohl eines ganzen Volkes zu retten. (Christof Kneer in der Süddeutschen Zeitung)
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Buffon fälschte sein Abitur und schrieb sich in Parma an der Universität ein. Doch der Schwindel flog auf. (…) Später (…) ging es um Wettbetrug im großen Stil. Buffon wurde im Jahr 2010 vorgeworfen, rund 1,5 Millionen Euro an ein Wettbüro überwiesen zu haben, aber (es) ließ sich nicht klären, ob Buffon tatsächlich auf Fußballspiele gewettet hatte. Buffon erklärte nur: »Ich mache mit meinem Geld, was ich will.« (Michael Horeni in der FAZ)
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»Angela Merkel – Jogi Löw – Endlich enthüllen sie ihr Glück«, schreibt Das Neue auf seiner Titelseite über die Schlagzeile »Geheime Leidenschaft. (…) Und ein wenig würde man sich das ja fast wünschen, dass die Herzen dieser beiden so kontrolliert auftretenden Menschen füreinander entflammt wären und dass sich infolgedessen womöglich ihre geheimnisumwitterten Partner Joachim Sauer und Daniela Löw miteinander trösten. (Jörg Thomann in den »Herzblatt-Geschichten« der FAS)
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»Wenn Sie an einem Dezemberabend verwirrt und depressiv durch die Gegend fahren und nur noch ein Licht sehen, dann ist das der Rewe-Markt.« (…) Der Rewe-Chef (…) will den Supermarkt zu einem »Singletreff« machen. »Sie müssen daran glauben, im Rewe-Markt die Liebe ihres Lebens treffen zu können«, meint er. Ob da nicht der Franzose in ihm (…) durchgeht? (»Kläs« in der SZ über den neuen Rewe-Chef Alain Caparros / Anm.: Angela und Jogi trafen sich nicht im Rewe, sondern gehen manchmal essen, zusammen mit Oliver Bierhoff)
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Nilgänse (…) koten (…) bis zu 170 Mal am Tag – insgesamt etwa zwei Kilo, meistens auf frisch gemähten Liegewiesen mit Blick aufs Wasser. (aus dem SZ-Magazin) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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