Archiv für Juli 2016

Sonntag, 31. Juli, 6.10 Uhr

Werktagswerktätige werden wissen, was einem leicht melancholischen  Nursonntagsfrühaufsteher erst heute auffällt: Sonntags um sechs ist die Welt noch – und schon wieder – nicht so richtig morgenhell. Der Sommer hat noch nicht richtig angefangen, und schon liegen frühherbstliche Dunkelschleier über dem Morgenland.

Deutschland ein Morgenland … nee, nee, auf diesen unbedachten Zufallsgag springe ich nicht drauf.

Gut geschlafen? Danke der Nachfrage? Hat ja niemand nachgefragt. Noch nicht. Gut geschlafen? Typische Frage des Alters. Knoten ins Taschentuch: Das wird ein Themchen  des progressiven Alt-Tags im nächsten Seniorenjournal.  Gut geschlafen? Eine Frage, die sich in jüngeren Jahren nicht stellt. Gut geschlafen? Auf die Frage antworten Ältere mit einem langen Monolog. Jüngere fragen sich, was die Frage soll. Gut geschlafen? Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen? Ich habe doch geschlafen.

Newtonmeter. Mein neues Lieblingswort. Habe ich es schon bekakelt, in Kolumne oder Blog? Das „alte“ Problem mit dem Kurzzeitgedächtnis … (noch’n Knoten ins Taschentuch für den Alt-Tag).

Newtonmeter. Ich weiß jetzt: Drehmoment. Mein neues Pedelec hat 62 Newtonmeter, damit komme ich endlich den 15-Prozent-Berg mit meinen 100 Kilo so hoch, wie es sich für ein E-Bike gehört. Mein altes E-Bike hatte nur 26 Newtonmeter. Habe ich erst jetzt erfahren. Hatte mich immer gewundert, dass ich am Berg auf dem schweren E-Rad fast genauso schwer treten musste wie mit dem leichten Treckingrad. Im Internet eine Formel gefunden, mit der man Wattleistung berechnet. Mit dem alten Pedelec (250 Watt Unterstützung) musste ich 300 Watt zusätzlich treten, um auf die 550 Watt zu kommen, die man bei 15%/100kg benötigt. Jetzt schwebe ich den Berg hoch.

Vor mir liegt neben der FAS von heute die SZ von gestern. Auf dem Titelbild ganz groß Tischbeins Goethe. Beziehungsweise Goethes Tischbeine. Hier funktioniert das Kurzzeitgedächtnis noch. Darüber habe ich kürzlich geschrieben. Das monströse linke und die beiden linken Beine aus dem Städel.

Monströse Meldung, nicht in den Online-Zeitungen oder bei den Nachrichtenagenturen, sondern kurz notiert in leichtathletik.de: Ein 14jähriger Ungar läuft die 100 Meer in 10,59 Sekunden. Das gab’s noch nie. Immer jünger, immer besser, immer weniger Kind. 14 und 10,59! Unglaublich. Ich glaube, wir durften als 14Jährige noch gar keine 100 Meter laufen. Die 75 Meter waren unsere Sprintstrecke. Ich war über 75 m schneller als der Ungar, aber langsamer als Usain Bolt über 100 Meter.

Heute findet irgendwo im Osten Deutschlands (Name des Ortes vergessen, im Blog-Flow schaue ich auch nicht nach) der mich am meisten interessierende Sportwettkampf des Wochenendes statt: Kugelstoßen mit David Storl und Jacko Gill. Zwei früher unfassbare Talente mit heute sehr fassbaren Leistungen. Kiwi Gill soll derzeit in Deutschland trainieren, in Mannheim, im Netz kursiert eines seiner wilden Trainingsvideos. Die sind aber auch nicht mehr so wild wie die Videos des 16jährigen Jacko. Die waren nicht von dieser Welt. Mal sehen, wie schnell der junge Ungar in fünf Jahren läuft. 8,5? Oder eher 10,4? Oder gar nicht mehr?

Olympia-Trend im Kugelstoßen: Kovacs gewinnt, Walsh wird Zweiter, ein zweiter Ami kämpft mit Storl um Bronze. Vor ein paar Jahren hätte ich noch getippt: Storl gewinnt mit einer Weite um 23 Meter, Zweiter wird schon Gill mit rund 22 Meter.

Letzte Woche nach oftmaliger Aufforderung aufploppender Fenster Windows 10 geladen. Kurz vor Gratis-Ablauf. Mit Bauchschmerzen. Aber alles lief glatt und gut. Nur etwas lange. Hat fast einen ganzen Tag gedauert. Im Hintergrund. Jetzt hab ich’s. Hat alles funktioniert, nichts ist weg, Windows 10 ist da. Effekt: Komme schneller ins Internet.

Noch was für den Alt-Tag: Die junge Welt spielt irgend so ein Smartphone-Spiel mit Monsterchen, ich spiele Skat. Gegen eine alte Frau und einen alten Mann. Mit eingeschobener CD auf dem Computer. Macht Spaß. Wage die wildesten Spiele, Grand ohne sechs, Null ohne Siebener und so. Was mich stört: meine beiden Gegner auf dem Bildschirm. Sehen aus wie hundertjährige Spießer aus dem vergangenen Jahrhundert. Manche anderen Altmänner mögen von ihrer plötzlich ins Zimmer kommenden Frau bei der Beschäftigung mit anderen Bildern peinsam überrascht werden, die meine rollt nur mit den Augen, wenn sie die beiden altvorderen Kleinbürger auf dem Bildschirm sieht. Vor allem die typische Hausfrau der 60er Jahre. Die Alte gewinnt sogar am häufigsten. Müller heißt sie. Der dritte Mann Maier.

Ferienzeit. Die letzten Schulen haben geschlossen. In Italien beginnt Ferragosto. Im August stehen dort alle Räder still, ob es ein starker Arm will oder nicht. In Italien war ich lange nicht mehr. Auch in Griechenland nicht. Liebe Leute, die ihr gerade die Koffer packt oder schon dort seid: Grüßt mir die Ägäis! Ich schreib jetzt Montagsthemen. Aber gleich kommt erst KKKK. Muss schnell die beiden Skat-Alten vom Bildschirm verschwinden lassen.

Aber was schreib ich bloß? Der Blog hat nicht viel gebracht an Stein(es)bruch-Stücken. Was schreib ich bloß? Same question as every sunday.

 

 

Veröffentlicht von gw am 31. Juli 2016 .
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Sonntag, 24. Juli, 11.45 Uhr

Jetzt ist wirklich gleich High Noon, was ich in den Montagsthemen  (Link rechts „gw-Beiträge Anstoß) etwas vorgezogen habe. Dort habe ich auch soeben die zuvor online gestellte Version ausgetauscht, da meine beiden unerbittlichsten  Korrektoren (erst der Bub, dann KKKK) Verbesserungen anmahnen mussten. Es ging um Gomez‘ Grund für den Abgang und darum, dass ich am Schluss die ausführliche Darlegung des Sonntagmorgenblogs arg verkürzt und vereinfacht zusammengefasst habe. So ausführlich konnte ich es für die Zeitungskolumne natürlich nicht machen, aber wenigstens habe ich jetzt dort auf den Blog verwiesen.

Zwischendurch kam H. R. und fragte, ob ich einen Text über seinen Sohn M. bei Wikipedia einstellen könnte. Kann ich nicht, weiß gar nicht, wie das geht. Er glaubte wohl, der Eintrag über mich dort sei von mir. Dabei habe ich keine Ahnung, wer und warum das gemacht hat. Ich staune aber, dass der Verfasser mehr über mich weiß als ich, allerdings nur, was Zahlen und Daten angeht. Ansonsten stimmt einiges nicht oder ist total veraltet.

Bei der Gelegenheit erfuhr ich, dass M. seit neun Wochen im Krankenhaus liegt. Barre-Syndrom. Eine Nervenkrankheit. Lähmt den ganzen Körper. Schrecklich. Habe gleich gegoogelt. Ist zum Glück heilbar. Den Jungs in der Redaktion habe ich eine Notiz auf die Montagsthemen-Seite gestellt. M. war eines der größten Leichtathletik-Talente der letzten Jahrzehnte im mittelhessischen Raum, viel talentierter als ich. Schwieriges Thema für uns lokale Journalisten. Mal sehen, ob und gegebenenfalls was die alten (und jungen) Kollegen daraus machen.

Veröffentlicht von gw am 24. Juli 2016 .
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Sonntag, 24. Juli, 6.30 Uhr

Die Angst vor Nachahmungstätern ist groß und berechtigt. Ein gestörter junger Mensch kann eine Großstadt lahmlegen, die GSG 9 einfliegen lassen und Weltschlagzeilen schreiben. Mit vergleichsweise wenig Aufwand, denn auch in Deutschland kommt man an Waffen, notfalls reicht ja auch eine Axt (für etwas kleinere Schlagzeilen allerdings, wenn ein Gleichgesinnter kurz darauf an eine Pistole kommt).

Was kann man dagegen tun? Und gegen alle die anderen Schreckenstaten unserer Zeit? Nichts, das ist die Botschaft. Es sind fast ausschließlich junge Männer, die dem Vernichtungswahn verfallen. Auch ihr persönlicher Hintergrund ähnelt sich, sie schwanken zwischen Depression und Größenwahn, fühlen sich nicht anerkannt, ausgegrenzt, oft gemobbt … und dann schwimmt in ihrem Gefühlschaos ein Strohhalm daher, verspricht irgendwas zwischen 70 Jungfrauen und Warholscher 15-Minuten-Weltberühmtheit … und dann geschieht bei 99,999 Prozent dieser Jugendlichen bzw. Fast-noch-Jugendlichen … gar nichts. Denn das, was sie erleben und fühlen, ist völlig normal, gehört zum persönlichen Entwicklungsprozess und bleibt für die anderen folgenlos. Aber der verschwindend geringe Prozentsatz, der so verblendet ist, von sich und von Strohhalmen (auch IS ist einer), und derart empathielos, dass er sein Leiden an der Welt wichtiger nimmt als das Leben seiner Mitmenschen, dieser verschwindend geringe Prozentsatz produziert aber in absoluten Zahlen genügend Täter und Nachahmungstäter, um die Welt in Atem zu halten.

Irgendwo in meinem aktuellen Lektürestapel, in dem ich Materialbausteine für die Kolumnen sammele, habe ich gelesen, dass Joseph Conrad 1908 in seinem Roman „Der Geheimagent“ (habe ich leider nicht gelesen) geschrieben hat, die Hauptcharakterzüge, die zum Terrorismus führen, seien Eitelkeit und Faulheit. Da ist hundert Jahre später mehr als nur etwas dran. Ich möchte nur ergänzen: Hinzu kommt die moderne Form der Empathie, die für sich selbst alles Mitfühlen beansprucht und für andere wenig bis nichts übrig lässt. Dazu kommt noch das, was ich in einer frühen Kolumne, als es diese Amokläufe und Terrorattacken noch gar nicht gab (die sich als Möglichkeit aber schon abgezeichnet hatten), als innere Verwahrlosung bezeichnet habe. Wozu auch die gefühlsrohen und dennoch – oder daher? – so beliebten Ballerspiele gehören, auch die „dank“ Internet auch für Kinder frei verfügbare und ekelhafteste  Pornographie.

Faulheit und Eitelkeit: Weltbekannt werden, ohne sich dafür anstrengen zu müssen. Hätte Conrad geahnt, dass dies hundert Jahre später fast als allgemein anerkannter Lebenssinn gelten würde (Castingsshows leben davon, der Model-Wunschtraum sowieso), er hätte schon seinen frühen Roman und nicht die Apocalypse now-Vorlage mit den Worten enden lassen: „Das Grauen, das Grauen …“

……

Seit ich diesen Satz geschrieben habe, sind ein paar Minuten vergangen. Ich wollte nur mal kurz ins eigene Archiv klicken, weil mir der Romantitel nicht eingefallen ist, ich mich aber daran erinnerte, dass ich für meine Bücherseite in der Wochenend-Beilage vor Jahren eine Conrad-Neuauflage gelesen und besprochen  habe (ja, „meine“ Bücherseite, auch die ist ein Baby von mir, das schon lange bei Pflegeeltern lebt, wie die „Nach-Lese“, der „Meinungstreff“ u.a.). Dann las ich mich aber fest in meinem eigenen, Text aus dem Jahr 2005, dessen Inhalt ich total vergessen hatte. Vielleicht interessiert sie die alte Rezension ebenfalls:

 

 

»Das Grauen! Das Grauen

Eine irritierende Wiederentdeckung des berühmten Joseph-Conrad-Romans
 

Gelesen mit zwölf oder dreizehn, als düsteren Abenteuerroman. Vage Erinnerung: unheimlich, aber nicht übermäßig spannend. Kein Vergleich mit Karl May. Später nie mehr im, sondern nur noch über den Roman gelesen. Assoziationen heute: Afrika, Dschungel, kafkaesk; Freuds helle Freud; Reise ins eigene Innere; Warten auf Godot; Apocalypse now, Marlon Brando, The Doors, Jim Morrison: This is the end, my friend; magisch-eindringliche Hubschrauberrotoren . . . Hubschrauber im Dschungel, gegen Ende des 19. Jahrhunderts? Man sollte »Herz der Finsternis« wohl doch noch einmal lesen, unter all diesen sekundärliterarisch, filmisch oder popmusikalisch bedingten Verschüttungen den berühmten Roman von Joseph Conrad wieder pur entdecken. Lesen also. Zwei Tage später (der Roman ist Kurtz, kleiner Scherz): Es war kein reines Lese-Vergnügen. Eher: ein Lese-Muss. Vorherrschender Eindruck: Um Himmels willen, welch ein rassistisches Buch! Da fährt Kapitän Marlow auf der Suche nach dem legendären Elfenbeinhändler Kurtz mit dem Schiff flussauf in den Dschungel, mitten ins Herz der Finsternis. »Und zwischendurch musste ich noch nach dem Wilden sehen, der unser Heizer war. Ihn zu betrachten war so erbauend wie einem dressierten Hund in Kniebundhosen und Federhut zuzusehen, der auf den Hinterbeinen läuft.« »Spitz gefeilte Zähne hatte er auch, der arme Teufel«, »auf jeder Wange drei Narben zur Zierde« und »ein poliertes Stück Knochen flach in seiner Unterlippe«. »Er hätte am Ufer sein sollen, in die Hände klatschen und mit den Füßen stampfen, doch statt dessen war er hier, hart bei der Arbeit, ein Knecht des fremden Hexenwerks (…) Er war nützlich, und was er wusste war folgendes – dass, falls Wasser in dem durchsichtigen Ding verschwand, der böse Kesselgeist vor lauter Durst in Zorn geraten und furchtbar Rache nehmen würde. Also schwitzte der Bursche und heizte und beobachtete ängstlich das Glas.« Für Marlow »das Schlimmste daran«: »Der Verdacht, dass sie nicht unmenschlich waren.« »Sie heulten und sprangen und drehten sich und schnitten schreckliche Fratzen, doch was einen packte, das war exakt der Gedanke an deine entfernte Verwandtschaft mit dieser wilden, leidenschaftlichen Raserei.« Den Text, und es gibt viele ähnliche Stellen, hätte man mal bei Live 8 singen sollen . . . Kein Wunder, dass Afrikaner, die den Roman im späten 20. Jahrhundert lasen, entsetzt waren von dem darin enthaltenen Rassismus (Chinua Achebe: »Ein Bild von Afrika. Rassismus in Conrads >Herz der Finsternis<«). Die Weißen kommen bei Conrad zwar auch nicht viel besser weg, doch man muss nicht unbedingt »political correct« sein, um den üblen rassistischen Grundton zu missbilligen. Diese Menschenverachtung spürt doch jedes Kind! Aber warum hat man es selbst nicht gespürt, damals, sogar als nur noch halbes Kind, bei der Erstlektüre? Irritierend. Tobias Döring schreibt in seinem Nachwort, »dass >Herz der Finsternis< weiterhin ein Schlüsseltext bleibt, um unbegriffene Wirklichkeiten zu erkunden«. Doch wo, was, wer ist der Schlüssel? Kurtz? In »Apocalypse now«, Coppolas filmischer und in den Vietnam-Krieg verlegten Version des Romans, spielt Marlon Brando den Kurtz. Monumental. Der Kurtz des Romans dagegen bleibt vage, kommt kaum vor, ist vor allem Gesprächsthema für Marlow und einige der sinistren Figuren, mit denen er es zu tun bekommt. Überlebensgroß, gefährlich, undurchschaubar und größenwahnsinnig erscheint Kurtz im Raunen der ihn furchtsam und dennoch erwartungsvoll Suchenden. Sie warten nicht auf Godot, sie fahren zu ihm. »Alles gehörte ihm – doch das war unerheblich. Vielmehr ging es um die Frage, wem er gehörte, welche Mächte der Finsternis ihn für sich beanspruchten.« Später, in Europa, erklärt ein Journalist dem zurückgekehrten Marlow, »dass Kurtz‘ eigentliche Sphäre die Politik hätte sein sollen, eine >populistische<«. Denn: »Wie der Mann reden konnte! Er konnte große Versammlungen elektrisieren. (…) Und er konnte sich dazu bringen, alles zu glauben – alles. Er wäre der hervorragende Führer einer radikalen Partei geworden.« Die Plattitüde des Hinweises auf Ähnlichkeiten in unserer Zeit ersparen wir uns und begnügen uns mit Conrads zeitloser Diagnose: »Laut hallte es in ihm wider, denn er war im Innern hohl.« Viel mehr ist an Kurtz nicht dran. An allen Kurtzens nicht. Als sie Kurtz finden und todkrank an Bord bringen, lebt er nur noch ein paar Stunden. Marlow ist bei ihm, als er stirbt: »Zweimal rief er, ein Schrei, der kaum mehr war als ein Hauch: >Das Grauen! Das Grauen!<« In »Herz der Finsternis« steckt auch das eigene Grauen Conrads, der sich 1891 auf einer Reise in den Kongo schwerwiegende Gesundheitsschäden zuzog, so dass er danach nie mehr seiner Leidenschaft, dem Reisen, nachgehen konnte. Wenn die Reise in das »Herz der Finsternis« ein Spiegelbild der Abgründe der eigenen Seele ist, dann aber doch wohl vor allem der Conradschen Seele. Auch scheint die Distanz des Autors zu Marlow zu gering, um den Rassismus nur in der Figur und nicht auch in ihrem Schöpfer zu vermuten. Dennoch: Gut, den berühmten Roman noch einmal gelesen zu haben. Manche Bücher muss man halt einfach lesen, auch wenn sie nicht nur faszinieren, sondern auch irritieren und zum Teil sogar abstoßen. (gw

Zurück in die Gegenwart des 24. Julis 2016, mittlerweile um viertel nach sieben. Langsam muss ich ans übliche Procedere kommen, zu den Präliminarien (schriebe ich dieses Wort für die Zeitungskolumne, würde ich nachprüfen, ob es richtig geschrieben ist; oder würde es lieber gar nicht schreiben) vor den „Montagsthemen“: Stichworte aus dem Stein(es)bruch des Blogs und den Notizen des abgearbeiteten (nee, ist ja freudvolles Tun, also:) des abgelesenen Lektüre-Stapels untereinander aufreihen, um sie später miteinander zu verbinden bzw. die meisten zu streichen, dann KKKK mit FAS und Wochenend-SZ langsam zu den Montagsthemen übergehen. Mal sehen, was jetzt schon auf dem Zettel steht: Crossfit-WM und Glock / Gomez-Hochzeit / Rebrik (als dritte makabre Neben-Geschichte zu Welt-Problemen) / Testosteron (zu Faulheit und Eitelkeit) / Hitlers Ansprache im Weltraum / das urdeutsche Wort „Putsch2 / Grüßt mir die Ägäis / Testspiele / Don McLean hat seine Frau misshandelt … bye, bye miss american pie. Bis dann!

Veröffentlicht von gw am 24. Juli 2016 .
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Sonntag, 17. Juli, 22.15 Uhr

Falscher Ehrgeiz. Am Donnerstag Sport-Stammtisch und Montagsthemen geschrieben und um die Mittagszeit zur Redaktion  geklickt. Dann ab ins Taubertal, Rad-Wochenende. Während wir zwischen Lauda und Rothenburg fuhren, taten sich Dinge in der Welt. Kleine, große und furchtbare. Ich erfuhr davon nur rudimentär, indem ich abends Videotext las. Zu Hause hätten die Kolumnen, wenn ich sie aktuell geschrieben hätte, entsprechend ihrem nur im Internet auch kenntlich gemachtem Titel „Sport, Gott & die Welt“, sicher auch die Weltereignisse gestreift. Außerdem plagte mich die Furcht, in den Kolumnen irgendetwas geschrieben zu haben, das im Zusammenhang mit den Ereignissen sehr peinlich wirken könnte (zum Beispiel, dass die Franzosen nach der EM endlich aufatmen und den Sommer genießen könnten). Da ich ja sehr viel schreibe und schnell viel davon vergesse, blieb ich bis heute Abend unsicher. Aber dann konnte wenigstens ich aufatmen. Hoffe ich. Kleinere Lapsus (stimmt das? U-Deklination? Oder doch Lapsi? Ich gucke nicht nach, denn:) leiste ich mir gern.

Ich wusste gar nicht, dass Disneyland einen deutschen Ableger hat, ob der Tauber.

Premiere: Erstmals bei unangemeldeter Abwesenheit (Sonntagmorgenblog) keine einzige besorgte Nachfrage gekommen. Muss ich mir Sorgen machen, dass sich niemand Sorgen macht? Oder wissen Sie jetzt bzw. noch, dass ich mit der Nichtankündigung von Absenzen nur besorgten Empfehlungen von Lesern folge?

Für die Zitatenkolumne konnte ich noch wenig Material sammeln. Danach kommt wieder eine Zwischendurchkolumne. Weiß noch nicht, ob ich eine der überfälligen Folgen von „35 – 25 – 15 – 5“ oder „Sport, Gott & die Welt“-Blogtextchen zusammenstellen soll. Oder endlich mit den angekündigten Olympia-Kolumnen beginnen? Haben Sie Vorschläge?

Veröffentlicht von gw am 17. Juli 2016 .
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Donnerstag, 14. Juli, 17.20 Uhr

Lese gerade, dass Froome am Mont Ventoux gestürzt ist. Unfall mit einem Begleit-Motorrad, das im Zuschauer-Pulk hängen geblieben war. Froome soll weiter gelaufen sein, den Berg hoch, bis ihm ein Ersatzrad gereicht werden konnte. Gelb ist weg. Oder wird die Etappe annulliert? Schwierige Frage. Wäre fair für Froome, aber unfair gegen die, die sich auf dieser schweren Etappe durchgesetzt haben. Mich wundert nur, dass so etwas nicht öfter vorkommt. Aber ein Patentrezept gegen die Idioten gibt es nicht, bei so vielen Etappenkilometern.

Ich habe es nicht gesehen. Rasen gemäht. Mit betröppeltem Gesicht. Hatte ein paar Tage lang die Amsel nicht gesehen, die auf einem Balken oben im Geräteschuppen ein Nest gebaut hatte. Einmal kletterte ich vorsichtig auf eine Leiter und schaute hinein – schon reckten sich mir drei weit aufgesperrte Hälse entgegen. Wie im Tierfilm. War richtig gerührt und bin still verschwunden. Heute dachte ich, das lange Schweigen sei eine Indiz, dass die Brut flügge und verschwunden ist. Wieder hoch geklettert. Die drei Küken (heißt das so beim Amseln?) lagen noch im Nest. Tot. Ineinander verkrallt. Wohl verhungert. Man traut es sich kaum zu sagen, aber … nein, ich traue mich nicht. Wollte etwas zum Gefühl beim Fernsehen sagen, wenn einem Tragödien ins Haus geliefert werden, und zum Gefühl, wenn man so ein kleines Drama selbst erlebt.

Beim Rasenmähen fand ich eine tote Amsel. Ob es die Mutter war? Und ihr Mörder eine unserer beiden Katzen?

Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht …

***

Nachtrag, ein paar Minuten später: Die erste Zeile habe ich aus dem Gedächtnis geschrieben, Rudiment meiner Germanisten-Episode. Wie geht es weiter? Ich erinnerte mich an „schöner ein schön Gesicht“. Und der Dichter? Göttinger Hain? Haller? Sturm und Drang? Hab dann doch mal gegoogelt. So geht es also weiter:

… Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
        Das den großen Gedanken
        Deiner Schöpfung noch Einmal denkt.

Zürchersee. Von Klopstock. Vornehme Hessen sagen auch Klopfstock.

Die Amsel und ihre (?) Kinder habe ich auf dem großen Komposthaufen  bestattet. Mit Nest. Natur zu Natur.

Schön ist, Mutter Natur …?

 

Veröffentlicht von gw am 14. Juli 2016 .
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