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Ohne weitere Worte (vom 28. Juni)

9. (Die) Ecke landet bei Boateng, wobei das noch viel zu vage ausgedrückt ist, der Ball, er WILL zu Boateng, denn der drischt ihn so flach und hart rein, dass auf dem Rasen ein Beschleunigungsstreifen zu sehen ist, wie wenn die Halbstarken hier einen Kavaliersstart mit dem Moped hingelegt hätten. Aber was heißt hier halbstark? Es war der wohl härteste Schuss seit Ballacks Wutfreistoß 2008 gegen Österreich. (aus dem Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)
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Der peinliche, das Laienschauspiel im läppisch-jovialen Zwinkerzwinkertonfall krönende Plauderoheim Reinhold Beckmann tapert mit seinen Gästen durch Gänge und Treppenhäuser. (…) Beckmann sei von der Hamburger Akademie für Sprachlosigkeit und Nichtmehrganzdichtung der goldbestäubte Lorbeerkranz (…) über die Rübe gestülpt. Etwas derart lustlos und gänzlich ideenfrei Zusammengestopseltes habe ich noch nicht gesehen (Jürgen Roth, Schriftsteller und Fußballbeobachter, auf Spiegel online über »Beckmanns Sportschule«)
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Die Sender müssen für die Lizenzen immer tiefer in die Tasche greifen, und weil das alles so teuer ist, fühlen sie sich zur fußballerischen Dauerberieselung verpflichtet, was dann in schauderhaften Nachklappformaten wie »Beckmanns Sportschule« endet, wo abgehalfterte Ex-Kicker sich selbst karikieren müssen und das obligatorische Plauderbier im Bücherregal gelagert wird. (Christoph Cöln in der Welt)
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Ich mag Sie. Leider halten mich meine Freunde, mit denen ich die EM gucke, auch für ein Arschloch – wie Sie. Für meine Freunde sind Sie ein gegelter Superschimpanse. (»Post von Wagner« in Bild an »Lieber Cristiano Ronaldo«)
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Hoffen wir für Wagner, dass wenigstens ein paar seiner Feinde ihn mögen. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Was wohl Cristiano Ronaldo über Zlatan Ibrahimovic denkt? (…) Er kann Hunderte von Toren schießen, und alle Welt singt dazu: »Du hast die Haare schön.« (…) Als Anti-Zlatan macht er Zlatan noch zlatanischer. Vielen Dank dafür! (Andreas Rüttenauer in einem Beitrag auf einer vierseitigen [!!!] taz-Hommage an Ibrahimovic)
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Der schöne Ronaldo hat mittlerweile die Reizwirkung eines Catchers mit Walrossbart und tätowierter Stirn. Sobald er auftritt, verbünden sich die gegnerischen Tribünenhorden in der Sehnsucht, ihn mit Pfiffen aus dem Stadion zu blasen. Möge er noch lange spielen! (Peter Kümmel in der Zeit)
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Ancelotti habe (…) dem Spieler gesagt, dass er ihn nicht brauche. Götze hat das Gespräch anders verstanden. Sie haben englisch geredet. (Jörg Kramer im Spiegel)
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Orlando, Magnanville, Joe Cox. Und die Russen schicken auch noch ihre Hooligans vorbei. In diesen Zeiten müssen die Franzosen ihre Europameisterschaft über die Bühne bringen. Wer da jammert, ihm fehle das Sommermärchenflair, hält auch Toulouse-Lautrec für eine Begegnung in der dritten französischen Division. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Perisic, Pyros, Prügeleien, live im Fernsehen. Bange Vaterüberlegung: Ausschalten, um die Kinder vor bleibenden Schäden zu bewahren? Schwierig. »Ich will sehen, wie die sich schlagen«, fordert der Sohn und kritisiert: »Warum zeigen die das nicht genauer?« (…) Solches Verhalten sei verboten, gebe ich pflichtschuldig zu bedenken. Den Vorschlag, die Schuldigen zu töten, »mit einer Axt!«, weise ich als leicht übertrieben zurück. (Lukas Wallraff in der taz über »Fußball mit Kindern«)
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Wenn ich etwas geschrieben habe, über das manche Leute sich ärgern, kommt fast immer eine E-Mail mit der Aufforderung, man solle mich entlassen. Stattdessen sollte man einen jüngeren Kolumnisten beschäftigen, vielleicht Justin Bieber. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)
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»Sportjournalist war mein großer Traum. Leider hat dazu meine Abiturnote nicht gereicht.« (Deutsche-Bank-Vorstand Christian Sewing im FAS-Interview)
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Das ist eine alternde Gesellschaft, mein Bester. Alte Kolumnisten sind der Trend, wir sind die Zukunft, so zeitgemäß wie wir sind höchstens noch die Vegetarier und die Hipster. (Martenstein/Zeit)
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23. Bin immer noch hin und weg von diesem historischen 1:0-Hammer. Wenn Maradona die Hand Gottes hatte, hat Boateng den Fuß Gettos. (11Freunde) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle