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Samstag, 25. Juni, 10.45 Uhr

Zurück von der Materialsammlung in der samstagsfrüh menschenleeren Redaktion. Unfallfrei gemeistert. Der blutige Abdruck, den ich letzten Samstag mit dem Kopf gegen die Glaswand geschmettert hatte, ist fein säuberlich weggeputzt.

Beim Lesen alter Ausgaben von SZ, taz, FAZ, Rundschau, Welt und Kicker Notizen gemacht. Material für den Stein(es)bruch, der dieser Blog ist. Morgen kann ich meine Handschrift vielleicht nicht mehr lesen, nein, ganz bestimmt nicht mehr lesen, daher notiere ich jetzt:

Farfan zur Eintracht? Das wäre mal ein echter Knaller (falls er noch so gut ist wie auf Schalke). Außerdem sieht der Junge dem jungen Okocha ähnlich.

Reus-Rekord nur eine Randnotiz – da will ich gegenhalten. Mit Hary und einem Vergleich.

Ibrahimovic: Wie er manchmal scheinbar minutenlang bewegungslos an der Mittellinie verharrt, ab und zu sich schlendernd die Beine vertritt, damit sie nicht im Boden stecken bleiben, bevor er sich herablässt, wieder am Spiel teilzunehmen. Bei aller Genialität: Auch daher wird er nur vor allem als Youtube-Trickser und Sprüchemacher in Erinnerung bleiben. Als Mitspieler könnte man ihn erwürgen, aber die Schweden ordnen sich demütig unter. Und alleine gewinnt selbst Ibrahimovic nicht.

Niemand spricht mehr von Österreich. Vor der EM hoch gehandelt, vor allem von sich selbst, ist die Fallhöhe beim Absturz  um so höher. Aber vielleicht ist das ein in den Genen verankertes Austria-Prinzip: Im Erfolg jubeln kann jeder, ist langweilig. Viel mehr Spaß macht der Schmäh. Wäre der Schmäh Fußball, wären sie Rekordweltmeister.

Bei aller oft unterirdischer Simpelkeit gelingt “Bild” immer wieder mal ein Coup, der neidisch macht. Jetzt, in der Online-Ausgabe, geniales Wortspiel unter dem Bild des fett lachenden Brexit-Propagandisten Farage: “Hier lacht der Brexsack.”

Sie waren nie so richtig in der EU und sind jetzt noch längst nicht richtig draußen. (könnte ich als “Ungetwittert” nehmen. Ja, mach ich. Gleich.)

In der Demokratie darf jeder wählen.  Warum eigentlich? Unmündige haben ja auch keine Stimme.  Warum muss man Mündigkeit nicht beweisen? Durch eine Art Einbürgerungstest für deutsche Wahlwillige. Kein Gesinnungs-, sondern ein Wissenstest.

Das IOC hat die Anti-Doping-Agentur in Rio geschlossen. Erfüllt nicht die verlangten Anforderungen. Logische Konsequenz, wenn Russland ein verallgemeinerungswürdiges Beispiel und kein kalter Krieg wäre: Brasilien wird von den Spielen im eigenen Land ausgeschlossen. Klar, Humbug. Logik kann ganz schön realitätsfern sein.

Davon  kann ich einiges morgen früh übernehmen, glaube ich. Bin noch nicht sicher, wie ich die Montagsthemen angehen soll. Einen möglichen Einstieg habe ich schon mal notiert:

Diese Kolumne wird vor dem deutschen Achtelfinalspiel geschrieben. Die Betonung liegt auf dem ersten Wort im ersten Satz. Denn sie lesen DIESE nur, wenn Spiel und Ergebnis den Erwartungen entsprechen und wir uns den echten Montagsthemen im Sinne ihres Erfinders zuwenden können: Themen, über die NICHT ganz Deutschland spricht. (und dann folgen die Themchen, vor allem Reus)

Anderenfalls müsste ich in etwa so beginnen (was meinen Sonntagabend ungemütlich machen würde, was nicht sein muss, denn Sonntagabende dieser Art hatte ich früher genug und habe nun davon genug): Ich hatte eine sooo schöne Kolumne geschrieben. Echte Montagsthemen im Sinne ihres Erfinders: Aber dann macht mir “La Mannschaft” einen Strich durch die gemütliche Rechnung.

So, nach diesem Werkstattbericht hellt es auf. Kann ich schnell eine Radrunde drehen? Ohne klatschnass oder vom Blitz erschlagen zu werden?

Baumhausbeichte - Novelle