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Ohne weitere Worte (vom 21. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Was hat die deutsche Nationalmannschaft in den beiden vergangenen Jahren eigentlich gemacht? Um es kurz zu machen: nicht viel. Erst hat sie sich feiern lassen, dann quälte sie sich durch die EM-Qualifikation – und nur die selbstgewisse Zuversicht, in Frankreich, wenn es drauf ankommt, wieder in Topform zu sein, war in dieser Zeit weltmeisterlich. Tatsächlich aber drängt sich nach den beiden ersten EM-Auftritten dieser Eindruck auf: Es waren zwei verlorene Jahre. (Michael Horeni bei FAZ online)
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Was dieser Spieler kann, wissen die Topvereine längst, und ob der Spieler nun 30 Millionen, 60 Millionen oder viereinhalb Milliarden wert ist, ist am Ende auch nur eine obszöne akademische Spitzfindigkeit. (…) Sollte Sané spielen, wäre das wie ein neuerliches Signal an den Markt, das der Markt eigentlich gar nicht mehr braucht, weil er’s ja eh’ schon weiß: Achtung, hier spielt ein Supertalent, das man schleunigst holen sollte, bevor’s ein anderer holt. (Christof Kneer in der Süddeutschen Zeitung)
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Das Los von Menschen, die im Fernsehen das kommentieren, was sie als Sport einst selbst ausübten, ist ja leicht zu erklären: Sie können nur selten erklären, was wirklich strategisch wie taktisch passierte (Scholl kann das, Kahn gelegentlich auch, Netzer schaffte das perfekt). Weil sie (…) unbewusst immer die Frage formulieren: Warum bin ich nicht auf dem Platz und zeige, wie’s wirklich geht? (Jan Feddersen in der taz)
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Wenn die Polen Was uns fremde Übermacht nahm, werden wir uns mit dem Säbel zurückholen jauchzen und die Slowaken mit Wer als Slowake fühlt, der soll einen Säbel greifen antworten … (Peter Dausend in seiner Zeit-Kolumne über das »Hymnen-Halali« bei der Fußball-EM)
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Der Text (…) enthält die üblichen Elemente aus dem tieferen Regalbrett jeder Hymnenmanufaktur, elfmal »together«, dreimal »foreever«, dazu ein paar Füllsequenzen, die offenbar intimeren Verrichtungen abgelauscht worden sind: »Woah, woah, oooh.« (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung über die EM-Hymne »This One’s For You« von DJ David Guetta)
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… müssen die Albaner bloß mit Vom Kampfe entfernt sich nur der, der als Verräter geboren ist einfallen … (Dausend/Zeit)
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Knapp daneben, Pfosten, Abseits: 90 Minuten lang mühte sich Supermodel Cristiano Ronaldo auf dem Laufsteg, den wir EM nennen. Doch Heidi Klum und der Ticker waren nicht zufrieden. (…) Ich habe heute leider kein Foto für dich. (aus dem Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)
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… und die Franzosen ihr Hört ihr auf den Feldern die grausamen Krieger brüllen? Sie rücken uns auf den Leib, euren Söhnen, euren Ehefrauen die Kehlen durchzuschneiden! schmettern … (Dausend/Zeit)
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»Der Terror macht mich unglaublich traurig. (…) Bei uns zu Hause in der Küche haben Mats und ich immer noch einen kleinen Eiffelturm stehen. (…) Um diesen kleinen Eiffelturm haben wir Kerzen gestellt, die ich auch immer wieder anzünde. Das ist unser Gedenken an die Opfer der Anschläge damals.« (Cathy Hummels im Welt-Interview)
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… und schon wächst zusammen, was zusammen gehört: die völkische Opferbereitschaft der Belgier (Dir unser Herz, dir unser Blut) und der patriotische Thanatos der Italiener (Wir sind bereit für den Tod). (Dausend/Zeit)
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Russische Männer (…) schafften es bei der Fußball-EM, eine Übermacht englischer Krawallbrüder zu besiegen. So ähnlich hat es Wladimir Putin gesagt. (…) In Russland gibt es eben noch richtige Männer, nicht so verweichlichte Transen wie in Gayropa. (…) Russische Jungen werden von Frauen großgezogen und verzärtelt. Viele sind seelisch zart, nach außen dafür extrahart. Mit Macho-Gehabe und männlicher Großmannssucht  erschrecken sie ihre Umwelt. Und Putin ist ein Sohn seines Volkes. (»mwe« in der FAS-Kolumne »Kleine Brötchen«)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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