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Ohne weitere Worte (vom 14. Juni)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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93. Tor! Nein, mehr als das: Eine Offenbarung! Flanke Özil, und er sucht, wen er suchen muss, er findet, wen er finden muss: IHN! SCHWEINSTEIGER! Und der nimmt den Ball mit einem Dropkick, haut ihn rein, mit allem was er hat, mit seinen 123 Länderspielen, mit seinen Wunden, seinen Brüchen, mit seiner Unzerstörbarkeit, mit einem riesigen, wunderbaren TROTZDEM (…) und schon ist Poldi da, nimmt ihn auf die Schultern und trägt ihn zum Marienplatz, wo ihn Tausende empfangen und ihn zum König von Bayern ernennen, zum Präsidenten des FCB, zum besten Menschen aller Zeiten, und wir sind natürlich auch da und reißen uns die Klamotten vom Leib, um uns umgehend sein Antlitz auf den Rücken tätowieren zu lassen. (…) Ist das herrlich, ist das herrlich. (aus dem Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)

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Geht man in der Vorbereitung direkten Mitbewerbern beim gemeinsamen Essen aus dem Weg? (…) – »Wenn Lukas Podolski dir mal Salz in das volle Wasserglas schüttet, während du am Buffet stehst, dann signalisiert er damit nicht gleich, dass er deinen Stammplatz will.« (Thomas Hitzlsperger im Zeit-Interview über den Konkurrenzkampf im Team)

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Er hat jetzt Hunger. Er bestellt eine Lachssuppe. Seine Frau Anna kommt in das Restaurant. (…) »Was isst du denn da?« »Suppe«, sagt er, den Blick starr auf den Teller gerichtet. »Die ist aber sehr schlecht für dich. Da ist Sahne drin.« Lewandowski schüttelt den Kopf: »Nur wenig.« »Quatsch, das sehe ich doch von hier, dass die mit Sahne gemacht wurde. Du wirst Krämpfe kriegen, du solltest so etwas nicht essen.« (…) Er fischt ein paar Lachsstücke aus der Suppe, den Rest stellt er zur Seite. (Rafael Buschmann im Spiegel über Robert und Anna Lewandowski)

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Robert Musil hatte noch niemals von Mario Götze gehört, als er den Mann ohne Eigenschaften erfand, dennoch hat er mit der Titelgebung vor mehr als hundert Jahren auf prophetische Art einen Betrag zur Beschreibung des Handelns und Wirkens und womöglich auch Denkens von Mario Götze bereitgestellt. (Philipp Selldorf in der Süddeutschen Zeitung)

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Welche Mannschaft hat das größte Überraschungspotenzial in taktischer Hinsicht? – »Wenn ich das wüsste, dann wäre es ja keine Überraschung mehr.« (Frank Wormuth, Leiter der Fußballlehrerausbildung in Deutschland, im Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung)

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Wenn er den Ring betrat, verteidigte er mit seinen Fäusten den Idealismus der Sechzigerjahre, da kämpfte einer gegen den Rassismus und den erbarmungslosen Krieg in Vietnam. Wenn Ali die Boxhandschuhe anzog, dann kämpfte jemand gegen die alte Ordnung. Es kämpfte Arm gegen Reich, die Dritte Welt gegen die Erste, Gut gegen Böse, David gegen Goliath. (Thomas Hüetlin im Spiegel)

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All dies lässt ihn heute wie eine Ikone, fast wie einen Heiligen erscheinen. Wie aber verträgt sich das Bild mit dem aggressiven, ja rüpelhaften Auftreten seiner frühen Jahre? Muhammad Alis Sprüche waren nicht nur provokativ und herablassend, sie waren (…) von einer Grausamkeit, die aus anderem Munde als rassistisch hätte empfunden werden müssen. (Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)

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Was kaum jemand weiß: Sie waren früher mal Skilehrer in Österreich. – »Ja, sieben Jahre lang bis zu meinem 25. Lebensjahr. (…) Jetzt versuche ich, mein Gewicht zu halten, das viel zu hoch ist. Aber ich esse und trinke gern und lasse es mir gutgehen.« (Joachim Löw im FAZ-Interview)

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Neunzehn ist Ihr inneres Alter? – »Genau genommen: Mein inneres Alter ist eher neun – wenn Sie meine Frau fragen.« (der Schriftsteller Richard Ford, 72, im Zeit-Interview)

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»Ich bin heilfroh, dass ich nicht Hans-Hubert Vogts oder Erich Ribbeck heiße. Ich möchte gar nicht wissen, wie die Leute auf diese Namen reagieren.« (Joachim Löw, Medienberater aus Frankfurt, im FAZ-Interview) (gw) * (www.anstoss-gw.degw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle