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Paul-Ulrich Lenz: Ali und Neudeck

Ausnahmsweise keine Reaktion auf Ihre Anstöße. Sie sind manchmal ja genau das, was sie sein wollen: anstößig. So oder so. Und was das sportliche Urteil angeht, bin ich ganz oft mit Ihnen einig!
Aber heute – mein Anstoß, den ich an der Verteilung im Fernseh-Programm nehme. Muhammad Ali ist gestorben. Der Größte. Ein wunderbarer Boxer und tapferer Mensch.  Als Boxer unerreicht.   Und Rupert Neudeck ist gestorben. einer, der nicht der Größte war, aber den Kleinsten geholfen hat. Der nicht herumgereicht worden ist, sondern seine Hand denen gereicht hat, die absaufen, umkommen. Zehntausenden hat die Cap Anamur das Leben gerettet.
Und nun das Fernsehen: Rupert Neudeck – eine Meldung – gefühlte 35 Sekunden. Muhammad Ali – Nachrufe, Sondersendung, Programm-Änderung. lch gönne das alles dem größten Boxer, den ich je erlebt habe.
Aber ich frage schon: Hätte Rupert Neudeck nicht auch so gewürdigt werden müssen? Oder passt das nicht, weil er ja nicht Millionen Dollar und die Sportwelt bewegt, sondern “nur” zehntausende Boat-Pepople gerettet hat?  Zu “panem et circenses”, Brot und Spiele passt Muhammed Ali eben besser als Rupert Neudeck. Und Flüchtlinge haben wir doch heute eh mehr als genug. Da muss nicht noch so ein seltsamer “Heiliger” (Günter Wallraff!) ausführlich medial gewürdigt werden. Der womöglich neu die Frage aufwirft, ob wir denn genug tun, wir in unserem reichen Land. (Paul-Ulrich Lenz, Pfr.i.R., Schotten

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