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Walther Roeber: Modische “Aufschläge”

Ich habe in den letzten Tagen ein paar Mal in die French Open
hineingeguckt und war zeitweise etwas irritiert über die neuesten
modischen “Aufschläge”, die dort zu sehen waren. Die Zeiten, dass ich
wegen eines roten Original-Perry-Hemds beinahe vom Platz verwiesen
worden wäre, sind zwar sicherlich vorbei, auch Wimbledon erlaubt wohl
inzwischen eine leichte “Farbigkeit”. Ich muss aber zugeben, dass die
psychedelischen Muster, die auf dem Platz und in der Werbung als “IN”
angeboten werden, mir heute Augenprobleme bereiten. Ich glaube, es hängt
mit dem Alter zusammen: ich hatte in meiner Jugend – lang ist’s her -
ein ähnliches Hemd in schwarzweiß mit Spiralmuster, meine Mutter
weigerte sich damals, diese Hemd zu bügeln. Heute kann ich sie
verstehen! Mal abgesehen vom Tennis, gibt es irgendwelche Regeln, wie
welche Sportbekleidung gefärbt oder gemustert sein darf? Diese “neuen”
Muster erinnern an die Tarnung von Erlkönigen oder OCR-Codes. Für mich
wirken sie … nein, ich sage es nicht. Aber ich könnte mir vorstellen,
dass es auch für den Gegner auf dem Platz zu Problemen kommen könnte,
weil er vor diesem Hintergrund schlechter sieht, was da vor sich geht.
Oder ist es vielleicht sogar Absicht – psychologische Kriegführung? Wenn
ich mir vorstelle, dass solche Ausrüstung vielleicht sogar bei
Mannschaftssportarten zum Einsatz kommen könnte, eine Fussballmannschaft
in Camouflage (?), dann wird mir schon schlecht. (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Baumhausbeichte - Novelle