Archiv für Juni 2016

Barbara Tomsch: Blue Jeans und Ata

Beim Lesen des Anstoßes ”1:0 für die Folklore” musste ich doch fröhlich vor mich hin kichern über Ihre Erinnerung an die “Blue-Jeans-Zeit”.  Wir Mädchen hatten damals eine gute Methode, unsere Jeans ›passend‹ zu machen. Also aufgepasst! Badewasser mit sehr heißen Wasser bis ›Beckenhöhe‹ füllen, Jeans am Körper mit Reihgarn abnähen, auf links gedreht anziehen und einige Minuten in sehr heißem Wasser sitzen; zwischendurch ein paar Knie- und Rumpfbeugen machen und danach die Buxe am Körper trocknen lassen. Für den gewünschten ›Gebraucht-Look‹ ›Ata‹-Scheuerpulver auf den Hosenbeinen verreiben. Nach ca. zwei Stunden war man dann richtig angezogen für den “Beat-Nachmittag” im Hotel Trapp im FB.

Heutzutage würde man sowas auf Facebook posten. Ich grüße Sie, auf meinem sonnigen Balkon sitzend, mit T-Shirt ohne Löcher und Sommerhose ohne Schlitze, einen Bericht über die Leichtathletik-DM lesend (Hach, der Harting ist wieder da!). Fröhliche EM noch, sagt ein Mitglied Ihrer liebsten Lesergruppe! (Barbara Tomsch/Reichelsheim)

Veröffentlicht von gw am 29. Juni 2016 .
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EM-Ping-Pong (“Anstoß” vom 30. Juni)

In den »Anstoß«-Kolumnen sowie in Blog und »Mailbox« ihres  Internet-Ablegers »Sport, Gott & die Welt« spielen Schreiber und Leser EM-Ping-Pong mit dem Queue über die Billard-Bande. Eine Sportart, die jener ähnelt, für die sich Mehmet Scholl einen »Volleyballschläger« kaufen will.
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Der Scherz verpuffte leider bei Matthias Opdenhövel, aber mit Scholl steigen wir gleich ins Spiel ein. In seiner Funktion führt er zusammen mit dem wohltuend entkrampften Olli Kahn das Feld an, in dem viele gottserbärmlich hinterher hecheln. Aber wer ist der beste Reporter? Meine Wahl: Tom Bartels und Gerd Gottlob. Wer der schlechteste? Michael Jungfleisch-Drecolls Wahl: »Ein gewisser BR, der das Spiel Kroatien gegen Portugal moderierte. Dieser unsägliche Dampfplauderer im Amt eines Länderspielmoderators.«
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Auf einen fulminanten Verriss macht Blog-Leser Thomas Nagel (Hamburg) aufmerksam: »Kennen Sie diesen schönen Text von Jürgen Roth? Da kommt einer mal auf den Punkt: http://www.spiegel.de/kultur/tv/beckmanns-sportschule-wie-viele-idiotien-soll-diese-welt-noch-aushalten-a-1097925.html. – Nein, ich kannte ihn nicht, »Beckmanns Sportschule«  sehe ich auch aus Prinzip nicht, da ich an einer Beckmann-Allergie leide und kein Masochist bin. Doch den Tipp nahm ich gerne auf – siehe »Ohne weitere Worte« vom Dienstag.
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Ralf Protzel, in Bonn lebender Mittelhesse und daher ebenfalls Online-Leser, »nerven an den Fernsehübertragungen die häufigen Nahaufnahmen. Ich empfinde es als sehr störend, wenn man gar nicht mehr die eigentliche Spielsituation erfassen kann, da bspw. beim Eckball der ausführende Spieler bis zuletzt in Nahaufnahme gezeigt wird. Für mich ist es dann kaum möglich, das Interessante (Laufwege der Spieler etc.) zu erkennen.« – Sehe ich auch so. Aber, lieber Herr Protzel, wer interessiert sich schon in EM-Event-Zeiten für das sportlich Interessante? Es ist halt ein(e) Schland(e).
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Cristiano Ronaldo. Der »gockelstolze Erpel«, das »alberne Showmännlein« (so meine unliebevoll gepflegten Vorurteile früherer Jahre) hat sich den Spott zwar redlich verdient, mittlerweile sehe ich ihn aber zuerst als großen Fußballer. Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim) weiß »von meinen Besuchen auf Madeira, dass Cristiano Ronaldo dort ein Volksheld ist, nicht nur wegen seiner Erfolge, sondern auch wegen seiner Großzügigkeit. Man muss ihn ja nicht mögen, aber doch anerkennen. Und mit dem missratenen Bronzedenkmal am Passagierhafen, zu dem er noch gute Miene machen musste, ist er auch auf Dauer bestraft ;-)«
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»Fröhlich kichern« musste Barbara Tomsch (Reichelsheim) über die gw-Kolumne »1:0 für die Folklore« und die Erinnerung an frühe Blue-Jeans-Zeiten. »Wir Mädchen hatten damals eine gute Methode, unsere Jeans ›passend‹ zu machen. Also aufgepasst! Badewasser mit sehr heißen  Wasser bis ›Beckenhöhe‹ füllen, Jeans am Körper mit Reihgarn abnähen, auf links gedreht anziehen und einige Minuten in sehr heißem Wasser sitzen; zwischendurch ein paar Knie- und Rumpfbeugen machen und danach die Buxe am Körper trocknen lassen. Für den gewünschten ›Gebraucht-Look‹ ›Ata‹-Scheuerpulver auf den Hosenbeinen verreiben. Nach ca. zwei Stunden war man dann richtig angezogen für den ›Beat-Nachmittag‹ im Hotel Trapp in Friedberg.« – And the beat goes on!
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Leser und Schreiber spielen nicht nur EM-Ping-Pong, sondern mit dem spitzen Queue auch über andere Banden: »Es geht um die Dumpfbacken und die etablierten Parteien im Anstoß von heute. Ich weiß nicht, ob Sie diesen Kampfbegriff wirklich kritiklos verwenden sollten. Aber insgesamt waren Ihre Einlassungen äußerst wohltuend und endlich sogar hilfreich. Respekt.« (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen).
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Dankeschön. Ich danke auch allen anderen Lesern, die mit mir »spielen«. Mehr Beispiele sind im Blog zu finden, der, wie Walther Roeber (Bad Nauheim) meint, »manchmal noch amüsanter als die fertige Kolumne ist«. So fragte ich im Blog  rhetorisch, warum in der Demokratie jeder wählen dürfe und seine Wahl-Mündigkeit nicht durch einen Wissenstest beweisen müsse. Dazu gibt unser Leser den Hinweis auf einen Link, ich klicke ihn an und lese einen »Aphorismus zum Thema Demokratie«:

Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen; / Der Staat muss untergehn, früh oder spät, / Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
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Von Schiller. Leser-Kommentar: »Jaja, unsere Klassiker waren ihrer Zeit weit voraus.« – Aber das ist ein ganz anderes Thema und hat mit EM-Ping-Pong eventuell nicht mehr allzu viel zu tun. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 29. Juni 2016 .
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Mittwoch, 29. Juni, 8.15 Uhr

Eine große Gala. Ich soll sie moderieren. Live im Fernsehen. Auf englisch. Ich gebe zu bedenken, dass mein Englisch sehr rudimentär geworden ist. Das sei doch Koketterie, sagen sie. Ich habe das, sagen sie auch, schon einmal prima hingekriegt. Wann? Ich kann mich nicht erinnern. Oder doch? Ich weiß nicht. Ich weiß nur: Ich kann das doch gar nicht! Panik.

Ich wache auf. Vier Uhr. Der Traum geht, die Panik bleibt. Soll ich es machen? Soll ich die Gala moderieren? Vor Millionen Menschen, auf englisch? Gepeinigt wälze ich mich und meine Gedanken hin und her .

Vor vielen Jahren meinte ein Kollege (Gott habe ihn selig), ich sei einer wie Gottschalk und müsste das Sport-Studio des ZDF moderieren, ich sei dafür die Idealbesetzung. Damals war Gottschalk noch jung und genial, der Kollege hatte es also sehr gut gemeint. Heute, in Gottschalks  oft peinlicher Alterseitelkeit ohne Gespür für die Zeit, die über ihn hinweg gegangen ist, wäre es das Gegenteil eines Kompliments. Wie auch immer, auch der Vergleich mit dem Gottschalk von heute wäre – mit Ausnahme des identischen Alters – an Anmaßung nicht zu übertreffen. Ich weiß doch wirklich, was ich nicht kann, nämlich genau das. Ich würde durch die Kulissen und durch die Sätze stolpern, es wäre eine Oberpeinlichkeit, schon der Gedanke, so etwas tun zu müssen, entsetzt mich.

Und dennoch wälze ich mich hin und her und denke nach. Allerdings spüre ich langsam, dass mein Denken auf der Stelle kreist, wie durch Watte, und jetzt dämmert es mir mit dem Morgen: Ich träume zwar nicht mehr, aber ich bin auch noch nicht wach. Das Bewusstsein schleicht sich langsam in den schlaftrunkenen Kopf.

Augen auf. Halb sieben. Erleichtert schließe ich  sie wieder und dämmere noch einmal weg.

Nach dem endgültigen Aufwachen begrüßt mich der griechische Sprachkalender mit einem Gedicht von Kostas Varnalis. Darin heißt es sinngemäß (und ich notiere es hier im Blog nur als Stein/esbruch-Material, denn ich will es demnächst in die Kolumne bringen):

Dich betrachten, Meer, und nicht satt werden,

glatt und ganz himmelblau

und in mir reich werden

von deinem vielen Gold

Ach ja. Jeder hat so seinen Sehnsuchtsort. Für viele ist er Paris, aktuell ganz profan das Endspielstadion. Für mich die Inselwelt der Ägäis. Um so sehnsuchtsvoller, je mehr die Jahre vergehen, in denen ich nicht dort war. 2016 ist wieder eins davon. Liebe Leser, die sie gerade die Koffer packen: Grüßt mir die Ägäis!

Doch ich habe es ja auch ziemlich gut. Heute soll ein schöner Sommertag kommen. In der kühlen Morgenfrühe schreibe ich eine Kolumne für morgen (nachher schon online zu lesen), dann mache ich Siesta (ist auch ein bisschen Ägäis-Feeling), dann fahre ich Rad, und am Abend sitze ich nicht an der Salassa, am Meer, sondern an den Gestaden der Lahn. Auch nicht schlecht, oder? Nur kein Neid dort drinnen in euren Büros, Klassenzimmern, Fabrikhallen, Praxen oder, auch dort soll es Leser geben, Vorstandsetagen.

So, jetzt aber an die Hobby-Arbeit. EM-Ping-Pong mit den Lesern spielen, mit dem Queue über die Bande. Oder mit dem Volleyballschläger? Wie Mehmet Scholl? Der liefert mir den Einstieg. Gleich. Bis dann.

 

 

 

Veröffentlicht von gw am 29. Juni 2016 .
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Ohne weitere Worte (vom 28. Juni)

9. (Die) Ecke landet bei Boateng, wobei das noch viel zu vage ausgedrückt ist, der Ball, er WILL zu Boateng, denn der drischt ihn so flach und hart rein, dass auf dem Rasen ein Beschleunigungsstreifen zu sehen ist, wie wenn die Halbstarken hier einen Kavaliersstart mit dem Moped hingelegt hätten. Aber was heißt hier halbstark? Es war der wohl härteste Schuss seit Ballacks Wutfreistoß 2008 gegen Österreich. (aus dem Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)
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Der peinliche, das Laienschauspiel im läppisch-jovialen Zwinkerzwinkertonfall krönende Plauderoheim Reinhold Beckmann tapert mit seinen Gästen durch Gänge und Treppenhäuser. (…) Beckmann sei von der Hamburger Akademie für Sprachlosigkeit und Nichtmehrganzdichtung der goldbestäubte Lorbeerkranz (…) über die Rübe gestülpt. Etwas derart lustlos und gänzlich ideenfrei Zusammengestopseltes habe ich noch nicht gesehen (Jürgen Roth, Schriftsteller und Fußballbeobachter, auf Spiegel online über »Beckmanns Sportschule«)
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Die Sender müssen für die Lizenzen immer tiefer in die Tasche greifen, und weil das alles so teuer ist, fühlen sie sich zur fußballerischen Dauerberieselung verpflichtet, was dann in schauderhaften Nachklappformaten wie »Beckmanns Sportschule« endet, wo abgehalfterte Ex-Kicker sich selbst karikieren müssen und das obligatorische Plauderbier im Bücherregal gelagert wird. (Christoph Cöln in der Welt)
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Ich mag Sie. Leider halten mich meine Freunde, mit denen ich die EM gucke, auch für ein Arschloch – wie Sie. Für meine Freunde sind Sie ein gegelter Superschimpanse. (»Post von Wagner« in Bild an »Lieber Cristiano Ronaldo«)
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Hoffen wir für Wagner, dass wenigstens ein paar seiner Feinde ihn mögen. (aus »Herzblatt-Geschichten« von Jörg Thomann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Was wohl Cristiano Ronaldo über Zlatan Ibrahimovic denkt? (…) Er kann Hunderte von Toren schießen, und alle Welt singt dazu: »Du hast die Haare schön.« (…) Als Anti-Zlatan macht er Zlatan noch zlatanischer. Vielen Dank dafür! (Andreas Rüttenauer in einem Beitrag auf einer vierseitigen [!!!] taz-Hommage an Ibrahimovic)
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Der schöne Ronaldo hat mittlerweile die Reizwirkung eines Catchers mit Walrossbart und tätowierter Stirn. Sobald er auftritt, verbünden sich die gegnerischen Tribünenhorden in der Sehnsucht, ihn mit Pfiffen aus dem Stadion zu blasen. Möge er noch lange spielen! (Peter Kümmel in der Zeit)
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Ancelotti habe (…) dem Spieler gesagt, dass er ihn nicht brauche. Götze hat das Gespräch anders verstanden. Sie haben englisch geredet. (Jörg Kramer im Spiegel)
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Orlando, Magnanville, Joe Cox. Und die Russen schicken auch noch ihre Hooligans vorbei. In diesen Zeiten müssen die Franzosen ihre Europameisterschaft über die Bühne bringen. Wer da jammert, ihm fehle das Sommermärchenflair, hält auch Toulouse-Lautrec für eine Begegnung in der dritten französischen Division. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung)
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Perisic, Pyros, Prügeleien, live im Fernsehen. Bange Vaterüberlegung: Ausschalten, um die Kinder vor bleibenden Schäden zu bewahren? Schwierig. »Ich will sehen, wie die sich schlagen«, fordert der Sohn und kritisiert: »Warum zeigen die das nicht genauer?« (…) Solches Verhalten sei verboten, gebe ich pflichtschuldig zu bedenken. Den Vorschlag, die Schuldigen zu töten, »mit einer Axt!«, weise ich als leicht übertrieben zurück. (Lukas Wallraff in der taz über »Fußball mit Kindern«)
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Wenn ich etwas geschrieben habe, über das manche Leute sich ärgern, kommt fast immer eine E-Mail mit der Aufforderung, man solle mich entlassen. Stattdessen sollte man einen jüngeren Kolumnisten beschäftigen, vielleicht Justin Bieber. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)
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»Sportjournalist war mein großer Traum. Leider hat dazu meine Abiturnote nicht gereicht.« (Deutsche-Bank-Vorstand Christian Sewing im FAS-Interview)
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Das ist eine alternde Gesellschaft, mein Bester. Alte Kolumnisten sind der Trend, wir sind die Zukunft, so zeitgemäß wie wir sind höchstens noch die Vegetarier und die Hipster. (Martenstein/Zeit)
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23. Bin immer noch hin und weg von diesem historischen 1:0-Hammer. Wenn Maradona die Hand Gottes hatte, hat Boateng den Fuß Gettos. (11Freunde) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Veröffentlicht von gw am 27. Juni 2016 .
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Walther Roeber: Ein Brexit-Klassiker

Manchmal ist Blog-Steinesbruch noch amüsanter als die fertige Kolumne…

Zu den gestrigen Spielen:

Zweimal haben die Falschen gewonnen, einmal hätte keiner gewinnen
dürfen, aber so ist das wohl bei KO-Runden. Und was da teilweise
zusammengekickt wurde, war grausam…

Zum Brexit hat mir eine nahestehende Person einen schönen Hinweis gegeben:

https://www.aphorismen.de/zitat/1320

Jaja, unsere Klassiker waren ihrer Zeit weit voraus…

Schönen Sonntag auf dem Rad und hoffentlich bessere Spiele – vielleicht
erleben Sie ja erfreuliches auf dem Rad, bitte nicht stürzen oder von
Störchen angegriffen werden, Bussarde und Krähen sollen auch unterwegs sein! (Walther Roeber/Bad Nauheim)

Veröffentlicht von gw am 26. Juni 2016 .
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Baumhausbeichte - Novelle