Archiv für Mai 2016

Sonntag, 8. Mai, 6.06 Uhr

Vorweg das Wichtigste aus den Meldungen der Nacht: dpa berichtet vom „prächtigen Einstand“ von Axl Rose, Frontmann von Guns N‘ Roses, als Ersatzsänger  bei AC/DC in Lissabon, und Bild  klärt auf, ob Sex  wirklich gegen Pickel hilft. Die Welt erlebte also eine ruhige Nacht. Bei Rose und AC/DC kann ich nicht mitreden, diese Art Musik war nie mein Ding. Pickel leider schon. In der üblichen Pickel-Zeit. Damals stieß die Frage, ob Sex gegen Pickel hilft, auch auf großes Interesse. Zum Leidwesen aller Pickel-Mitaltrigen konnten wir mangels Gelegenheit die Frage nicht im praktischen Experiment beantworten. Auch wussten wir nicht, ob unter „Sex“ nur zweisame Sensationen zu verstehen sei. Oder auch einsame? Falls ja, das wussten wir alle, hilft Sex ganz bestimmt nicht gegen Pickel.

Kovac hilft gegen Abstieg. Und der Bub. Der ist gestern noch viel früher aufgestanden als ich heute. Am ersten Tag seines USA-Urlaubs. So gegen drei. Eintracht live, in Amerika! Felsenfest überzeugt, dass sein Mitfiebern Frankfurts zwölfter Mann ist. Seine Lebensgefährtin, in etwa so Eintracht-interessiert wie meine, hockte sich aus Solidarität ebenfalls vor den Fernseher. Das ist echte Liebe!

Für mich immer noch ein Weltwunder, dass ich in Echtzeit mit dem Bub das Vorstartfieber teilen konnte, per Whatsapp. Die Eintracht und meine Samstags-Prognose kommen natürlich in die Montagsthemen, auch eine Fehlermeldung zum Fetischreiten (die Mail von Dr. Kleinschmidt stelle ich gleich in die Mailbox). Das Thema will ich mit der Frage ergänzen, warum Reiten als Sport gilt, Hunde“sport“ aber nicht.

Die Frage stellt mir immer jene mir sehr nahestehende Dame, auf deren KKKK ich heute verzichten muss, da sie ebenfalls noch früher als ich aufgestanden ist, um an einem Wettkampf in Wiesbaden teilzunehmen. Hundewettkampf, versteht sich. Auf ihre Frage konnte ich bisher immer nur dümmlich grinsen und „darum“ sagen. Ich werde sie – die Frage – an die Kolumnenleser weiterreichen.

Gerade rummst eine dicke Hummel gegen das Fenster. Dummes Ding, das tut doch weh! Das Eichhörnchen, von dem ich erzählt habe, wohnt nicht mehr im Efeu-Dickicht über dem Fenster. Dort haust jetzt eine Amsel. Oder habe ich das schon mitgeteilt?

Das muss für heute früh genügen. Jetzt ist erst einmal das alte Mädchen dran. Nach Menschenjahren schon über hundert Jahre alt, hat sie sich noch nie für Sport interessiert, nicht mal für Stöckchenwerfen. Wir beiden Alten gehen jetzt Gassi.

 

Veröffentlicht von gw am 8. Mai 2016 .
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Sonntag, 1. Mai, 19.10 Uhr

Die Kaulquappen sind da. Etwa zehn Millionen. Von den Molchen, den Kröten oder beiden?

Melde mich aber noch einmal aus einem anderen Grund: Kann momentan keine Mails schreiben, also auch nicht beantworten. An dieser Stelle aber wenigstens ein Dankeschön an Ralf Protzel aus Bonn für eine Korrektur an den Montagsthemen. Ist bereinigt.

Veröffentlicht von gw am 1. Mai 2016 .
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Sonntag, 1. Mai, 12.05 Uhr

Heute früh wurde ich aus dem System rausgeworfen und komme nicht mehr rein. Niemand mehr, wie ich erfahre. Hoffnung Nr. 1: Hoffentlich funktioniert es bald wieder. Hoffnung Nr. 2: Hoffentlich habe nicht ich es lahmgelegt.

Montagsthemen abenteuerlich geschrieben. Zuerst ins System, dann rausgeworfen. Beginn und gespeicherte Texte und Stichworte perdu. Neu angefangen, mit vager Erinnerung an Text und Stichworte, und im Office-Programm geschrieben. Ziel: Mir den fertigen Text selbst zu mailen. Zwischendurch versucht – ging nicht. Auch Mail-Programm kaputt. Nächster Versuch: Mit dem Privat-Laptop den Text vom anderen Gerät abgeschrieben. Klappte. Konnte ihn mir auch mailen und  – siehe da und dort  – (Link rechts, gw-Beiträge Anstoß) sogar schon online stellen. In gewöhnungsbedürftigem Schriftbild. Schön dabei war immerhin, dass ich beim letzten Versuch in den „Flow“ gekommen bin, nichts um mich herum und in mir drin (leichtes Bauch-Wehweh) gespürt. Wäre schön, wenn der Flow auch dem Text und nicht nur dem Bauch gut getan hätte.

 

 

Veröffentlicht von gw am 1. Mai 2016 .
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Sonntag, 1. Mai, 6.15 Uhr

In der Nacht pfiff der Sturm durchs gekläffte Fenster, jetzt rüttelt er immer noch am Haus. Ob das mein Kopfsalat überstanden hat? Gestern pikiert und etwa 50 Pflänzchen nach draußen gestellt. Wenn sie hinüber sind, die Pikierten, bin ich pikiert.

War meine Pikier-Premiere. Tut einem im Herzen weh, wenn man die meisten Mini-Pflänzchen, die sich eine Woche lang nach oben gekämpft haben, wegwerfen muss. In den Kopfsalat-Himmel komme ich so bestimmt nicht. Das nächste Mal werde ich die Saatkörner einzeln in die Erde drücken. Diesmal hatte ich sie klumpig verstreut. Dummes Motto: Viel macht viel.

„Reden wir über Geld“-Interview am Freitag in der Süddeutschen. Meine bevorzugte Interview-Reihe, auch für „Ohne weitere Worte“ meist sehr ergiebig. Diesmal mit einem alten Straßenmusiker aus Münster. Vorne im Interview (und in der  Überschrift) behauptet er, der einzige Straßenmusiker mit Großem Latinum zu sein. Hinten im Interview erwähnt er nebenbei, in der zehnten Klasse abgegangen zu sein. Auf den Widerspruch geht der Interviewer nicht ein. Schade.

Noch’n Widerspruch, aber dafür können die Interviewer nichts: Ebenfalls am Freitag, im SZ-Magazin, Interview mit Gerhard Polt. Frage: Darf Satire alles? Polt: „Ich mag dazu jetzt nichts sagen.“ Am Samstag Polt-Interview im Spiegel. Hauptthema: „Über die Grenzen von Satire.“ Polt sagt dazu dreieinhalb Seiten sehr viel. Sehr viel Kluges und natürlich Witziges. Ob er daran gedacht hatte, dass die Interviews hintereinander erscheinen und dass er daher nicht in beiden das Gleiche erzählen wollte?

Hübscher Dialog: Spiegel: Erst heute Morgen sagte mein dreijähriger Sohn beim Frühstück zu mir: Du alte Kackwurst. Polt: „Er greift Ihre Autorität an, braver Bub, mindestens 150 Gramm Anarchie.“ Am Ende des Interviews erwähnt Polt, eine seiner Schwächen („Ich hoffe, dass ich viele habe“) sei, dass er zu langsam Auto fährt. „Ich bin in München der Stauverursacher Nummer eins.“ Spiegel: Das ist keine Schwäche. Polt: „Die Leute, die hinter mir hupen, sind anderer Meinung. Ich produziere Staus, Sie sind eine alte Kackwurst.“

Warum gefällt mir das so sehr?  Eine gewisse Dame, die mich in Kürze mit KKKK erfreuen wird, glaubt den Grund zu kennen (ich glaube, das fehlende Infinitiv-Komma  in dem Satz darf man mittlerweile weglassen). Anal-Witze kämen bei in der Vorpubertät hängen Gebliebenen immer gut an. In dem Zusammenhang erzähle ich mal schnell meinen Lieblingskacki … ach nee. Stimmt doch gar nicht, das mit der Vorpubertät. Ich stecke schon mindestens mitten in der Vollpubertät.

Darf Satire alles? Jedenfalls durfte in den letzten Tagen und Wochen jeder alles über Satire sagen. Meine Meinung ist unwichtig, aber bisher nirgends aufgetaucht: Warum sollte Satire alles dürfen? Nichts und niemand „darf alles“. Außerdem gehört zum Kern der Satire, die jeweilige Macht anzugreifen und zu verhohnepiepeln. Daher darf sie nicht gleichzeitig verlangen, dass diese Macht ihr gesetzlich das Recht einräumt, „alles“ zu dürfen. Satire, die alles darf, ist keine Satire. Alles zu dürfen bedeutet, nicht ernst genommen zu werden. Und das wollen Satiriker doch, oder?  Ansonsten wären sie reine Spaßmacher.

Für mich das gleiche Problem sind die Demonstranten, die quasi verlangen, dass diejenigen, gegen die sie protestieren (in der Regel: die Macht, hier oder anderswo), ihnen gleichzeitig die Rückversicherung geben, „alles“ sagen und tun zu dürfen und bei unsanfter Behandlung Schmerzensgeld und bei körperlicher Versehrtheit eine lebenslange Rente zu erhalten. Die Macht anzugreifen, mit Wort oder Tat, muss allen wehtun, dem Satiriker, dem Demonstranten und der Macht. Sonst greift sie die Macht nicht an, sondern ist ihr Hofnarr.

Wie war’s in der Nacht zum 1. Mai? Mal in die Meldungen der Nacht schauen. Ein Moment bitte …

Nichts. Gutes Zeichen. Oder kommt, wie Silvester in Köln, das dicke Ende noch nach? Nein, glaube ich nicht. Solch ein Kommunikations-Desaster kann es nicht mehr geben,

Kommunikation. Beim Suchen nach Randale stoße ich in den Meldungen der Nacht auf einen Geburtstagsartikel für Carmen Thomas. Sie wird 70. 43 der 70 Jahre lebt sie nun schon mit ihrem Sportstudio-Versprecher „Schalke 05“. Mir völlig unerklärlich, wieso ein simpler Versprecher so viel Aufregung verursacht hat, und zwar eine, auf die das viel strapazierte „nachhaltig“ passt wie selten. Ist ja schon fast so lange her wie die Erfindung des Wortes „nachhaltig“ (Förster, Baumwirtschaft, Knoten ins Taschentuch: nachlesen und evtll. in die Montagsthemen einbauen).

Oder auch nicht, ich glaube, die Herkunft der Nachhaltigkeit hatte ich schon mal. Aber Carmen Thomas, die muss rein. Sie betreibt jetzt eine „Agentur für Kommunikations-Optimierung“, lese ich. Na ja. Wäre ich Satiriker, würde ich sagen: Wenn’s kein Larifari ist, dann mindestens Farilari. Kein Wort im Geburtstagsartikel über die Pipi-Geschichte vom „besonderen Saft“, die ich nicht vergessen habe (der Vorpubertäre hat auch Lieblingspipi…).

Schluss für heute früh. Diesmal gähnt mir das Themenblättchen für die Kolumne besonders leer und drohend entgegen. Natürlich, die Eintracht, Hummels, die Bayern … aber immer die gleiche Chose? Wenn schon, denn schon a la Montagsthemen im Sinne des Wortes (analog zu Montagsmaler), aus spezieller Sicht, mit eigener Maltechnik und ungewöhnlichem Blickwinkel. Genug warmgeschrieben. Ahhh!!! KKKK.

 

Veröffentlicht von gw am 1. Mai 2016 .
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