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Ohne weitere Worte (vom 31. Mai)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Die Marketingidee, Jugendbilder der Spieler auf die Kinderschokolade-Packungen zu drucken, fühlt sich jedenfalls gerade nicht ganz schlecht an. Eine Handvoll Rassisten (…) teufelte gegen die Ausländer auf den Packungen. Sie wussten nicht, dass das der kleine Boateng ist und der kleine Gündogan. Und der große Boateng spielt nun mal für Deutschland. Mit einer Schokoladenverpackung den Hitzegrad von lodernder Dummheit anzeigen: eine schöne, weil beiläufige Überraschung. (Holger Gertz in der Süddeutschen Zeitung schon vor der »Nachbar«-Affäre)
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Nicht zum ersten Mal laufen deutsche Spieler mit Migrationshintergrund für Deutschland auf, aber 2016 herrscht vor dem Turnier eine andere Stimmung im Land als früher, verbissener, unversöhnlicher. In dieser Situation postet nun (…) Mesut Özil ein Foto auf Facebook, das ihn im langen, weißen Gewand eines muslimischen Pilgers vor der Kaaba in Mekka zeigt. (…) Özils Foto ist (…) ein kraftvolles Statement in der deutschen Islamdebatte. Denn wer bald für ihn jubelt (…), der beantwortet die Frage nach der Zugehörigkeit des Islam ebenso beiläufig wie Özil mit seinem Pilgerfoto. (Stefan Kuzmany in der Spiegel-Rubrik »Leitartikel«)
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Haris Seferovic hat seit einer halben Ewigkeit nicht mehr aufs Tor geschossen, ist völlig von der Rolle. (…) Es ist ein großes Rätsel, weshalb Kovac den Stürmer Seferovic immer wieder aufstellt. (Frankf. Rundschau vor dem Spiel, in dem Seferovic das entscheidende Tor schoss)
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Als Fabian dem Nürnberger Keeper Schäfer, der auch ein Lump ist, ins Gesicht trat (…) und sich dann schmerzensreich auf dem Rasen wälzte, sagte ich durchaus etwas erregt: »Der muss Rot kriegen!« Ich war in meiner Stammkneipe. (…) Ein paar Leute, mit denen ich seit Jahren ab und an plaudere und Bier trinke (…) brüllten mich an, unter ihnen eine ehrenwerte, sozial engagierte Linke: »Verpiss dich aus Frankfurt!« – »Halt’s Maul, du Sau!« Einer hat mir Prügel angedroht und geiferte: »Ich schlag dich tot!« (…) Wahnsinn. Es sind Vernichtungsphantasien. So weit hat es diese Gesellschaft gebracht. (Jürgen Roth in der taz)
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Was der Trainer sagt, ist oftmals nicht das, was er denkt. Ein Mangel an Authentizität, der auch vielen Fans und Journalisten auffällt. Über die theatralischen Auftritte an der Seitenlinie mokieren sich aber nicht nur die Beobachter, auch (…) die Mehrzahl der Spieler ist am Ende eher genervt als motiviert. Abseits aller taktisch-spielanalytischen Finessen hat Guardiola kein psychologisches Gespür im Umgang mit vielen Spielern. (Mounir Zitouni im Kicker)
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Tuchels Frustkrampf (…) Ein Kontrollverlust im rationalen Gewand. (…) Die Borussen gaben über zwei Stunden alles, brachten die Bayern an den Rand einer Niederlage (…) und bekamen von ihrem Trainer nur eine ganz einseitige und damit ziemlich ungerechte Beurteilung zu hören. Das hatten die Spieler (…) nicht verdient. Und Kapitän Hummels schon gar nicht, dem zum Abschied (…) mindestens ein paar warme Worte gebührt hätten – und keine (…) Unterstellung, dass es dem künftigen Bayern-Profi (…) an Willenskraft und Leidensfähigkeit gemangelt haben könnte. Aus dieser Niederlage werden die Borussen (…) eine Menge lernen. Ihr Trainer hoffentlich auch. (Michael Horeni in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Eine Bekannte meiner Mutter (…) sagte zu ihr, ich sei ein Talent. Von da an war meine Kindheit vorbei. (…) Meine Mutter (…) war eine richtig ehrgeizige »Eislaufmutti«. (…) Wobei Marika es leichter hatte. Wenn ihre Mutter zu ehrgeizig wurde, ging der Vater, ein Frankfurter Friseur, dazwischen. »Hör doch mal uff!«, sagte er dann zu seiner Frau. (Hans-Jürgen Bäumler, mit Marika Kilius zweifacher Paarlauf-Weltmeister, in der SZ-Serie »Fotoalbum«)
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Wann wissen Sie, dass Sie wieder in Form sind? – »Ich habe eine Faustregel. (…)  Wenn ich nach dem Training unter der Dusche stehe, an mir hinunterschaue und meinen Schwanz wieder sehen kann. Dann weiß ich: I’m back!« (Russell Crowe im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) (gw)
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(www.anstoss-gw.de / gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle