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Dr. Hans-Ulrich Hauschild: Dumpfbacken

Es geht um die Dumpfbacken und die etablierten Parteien im Anstoß von heute. Nun gut: wir Bürger, Ihre Freunde, die gut gebildeten und ebenso situierten enttäuschten Freunde finden Ihr Verständnis, Herr Boateng ist ein guter Nachbar, Herr Gauland nicht. Also: These und Antithese. Aber wo bleibt bei Ihnen die Synthese? Was fangen wir mit dem Verständnis für Ihre Freunde, damit für viele andere auch, mit der Kritik an den etablierten Parteien und an den kritisierten AfD-Politikern an? Zwei Möglichkeiten bleiben. Die etablierten Parteien wenden sich endlich dem Bürger, der Bürgerin mit mehr Verständnis zu, was ich für ausgeschlossen halte, oder die Fraktion der Nichtwähler wird immer größer. Ausgeschlossen? Jawohl, oder glauben Sie, dass in Deutschland eine Auffassung wie die des österreichischen Außenministers von jenen Parteien vertreten würde? Was hat der gesagt? „Wer nach Euopa kommt, das bestimmen wir und nicht die Schlepper. Europa muss seine Außengrenzen schützen. Und Europa muss wirksamst in den Krisengebieten helfen.“ Nicht alles davon ist richtig und durchführbar. Aber es wäre ein Signal. Das kommt aus deutschen Politikerkreisen nicht. Höchstens von Herrn Seehofer. Aber der ist eine lahme Ente. Also: wohl nichts zu machen und es bleibt bei Ihrer Dialektik ohne den dritten lösenden Schritt. Ach übrigens: „Dumpfbacken“. Ich weiß nicht, ob Sie diesen Kampfbegriff wirklich kritiklos verwenden sollten, stammt er doch von einer der größeren Dumpfbacken, oder wurde doch von ihm hoffähig gemacht, die der moderne Politikbetrieb kennt: Schäuble. Sein nach Griechenland geschmettertes  „Isch over“ muss doch in seiner ganzen verzweifelten Schamlosigkeit den griechischen armen Menschen gegenüber noch in Erinnerung sein. Aber insgesamt waren Ihre Einlassungen äußerst wohltuend und endlich sogar hilfreich. Respekt. Und danke. Nur: wer macht jetzt etwas daraus?

Da hilft wieder Hölderlin, den Sie unverständlicherweise zu Gunsten „Ihres Landsmanns“ Goethe aufgegeben haben.

„ Viel hat von Morgen an, Seit ein Gespräch wir sind und hören voneinander, Erfahren der Mensch; bald sind wir aber Gesang. Und das Zeitbild, das der große Geist entfaltet, Ein Zeichen liegts vor uns, daß zwischen ihm und andern Ein Bündnis zwischen ihm und andern Mächten ist.“

Aus Hölderlins Friedensfeier entnommen sagt dieser kurze Ausschnitt: der geschichtserfahrene Mensch trennt sich von der geschäftigen Politik, die nur das Gespräch, also These und Antithese kennt, nur zeitgeistoffen ist, und geht ein Bündnis mit sich selber, also mit seiner Vernunft, ein. Oder mit Kant: Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen, nur das ist Aufklärung, nur so ist Politik möglich, nicht mit den etablierten Parteien. (Dr. Hans-Ulrich Hauschild/Gießen)

Baumhausbeichte - Novelle