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Montagsthemen (vom 23. Mai)

Die Bayern siegten sehr verdient, hatten aber Glück, dass sie nicht wegen Ribery (Rot für Finger ins Auge ein Muss!) verloren haben. Zu zehnt hätten sie diese »verkrampfte« Verlängerung kaum torlos überstanden. Überhaupt: Selten so viele Krämpfe auf dem Platz gesehen. Da fiel mir der wütende Anraunzer ein, den man früher auf dem Bolzplatz nach wiederholten Patzern einstecken musste: »Da kriegste ja die Krämpf!« Sofort verkrampfte sich der Krampfverursacher auch ohne Muskelkrampf.
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Nicht abschweifen. Elfmeterschießen. Wer darin nach Gründen für Sieg oder Niederlage sucht, sucht ohne mich. Mir fällt dazu nichts ein. Auslosungen mag analysieren wer will. Sportlich ist Elfmeterschießen immerhin einen Tick gerechter als das Los. Na ja, ein Tickchen. Aber eine Alternative fällt mir auch nicht ein.
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Bereitet es den Bayern Genugtuung, nach dem verpassten Triple das »Eintel« vermieden und wenigstens das Double gewonnen zu haben? Hoffentlich nicht, sondern nur Stolz und Freude. Frage in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung an den Freiburger Präsidenten Fritz Keller zum Aufstieg: »Was überwiegt: Stolz, Genugtuung, Freude?« Antwort: »Reine Freude. Niemals Genugtuung, die hat im Sport nichts zu suchen.«
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Hübscher Zufall, gestern, eine Woche später, FAS-Frage an Mario Gomez zu seinem großen Comeback: »Ist es der reine Genuss oder auch ein bisschen Genugtuung?« Antwort: »Genugtuung nicht. Ich mag das Wort nicht.« – Und ich weiß um so mehr, warum ich Mario Gomez schon immer als angenehm empfunden habe und mit dem Freiburger Modell sympathisiere.
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»Eintel.« Ich wähnte, das Wort sei eine alberne Erfindung von mir, als Countdown rückwärts von Triple über Double zum Eintel. Doch jüngst stieß ich auf die Kreuzworträtsel-Frage: »Mathematischer Begriff für ein Ganzes.« Das »E« hatte ich schon, auch das »L« am Schluss. Und dann ging mir mindestens ein eintel Licht auf.
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Das richtige Wort zur richtigen Zeit zu finden ist Glücksache. So gesehen hatte der Kollege jenes Sportmagazins richtig viel Pech, als er nach der Unglücksaktion von Marco Russ im Hinspiel die scheinbar tröstenden Worte fand, ein Eigentor sei natürlich weniger schlimm als ein Tumor. Ein Befund wie ein Eigentor und, nun ja, überflüssig wie ein Kropf.
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Irgendwo lese ich die Schlagzeile: »Der Abstieg kostet 70 Millionen.« Bitte nicht so voreilig indikativ, liebe Kollegen! Nie war der Konjunktiv wertvoller als heute! Vorteil Eintracht: Marco Russ wird auf dem Platz und in den Köpfen nicht die Rolle spielen wie im letztlich fatalen emotionalen Ausnahmefall des Hinspiels. Nürnberg ist eine sehr gute Zweitligamannschaft und möge dies bitte auch bleiben. Frankfurt ist einfach besser, und falls nicht, wäre der Abstieg verdient. Man beachte bitte den Konjunktiv.
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In Berlin feierten Schwachsinns-Chaoten wieder mal ihr Böllerwerk. Im Internet stieß ich zufällig auf diese »Lyrics« eines Rappers: »Ich spuck den Hooligansound auf deinem Fußballplatz du kriegst nur noch Schläge mit bevor du abkratzt. Hast du Feuer für ein Pyromanen? Wenn du mit uns feierst, feierst du mit Psychopaten.« – Für Psychopaten und für ein Pyromanen sollte im Knast immer ein Stehplatz frei sein, nebst kostenlosem Grammatik- und Rechtschreibkurs. Mein Rechtschreibprogramm lässt übrigens den Psychopaten anstandslos durchgehen, es »denkt« wohl an einen Psycho-Paten.
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Ich bin hoffentlich weder psycho- noch chauvipathisch, dennoch fiel mir auf, dass die verkrampfte mediale Überbewertung des Frauenfußballs langsam dessen Realität auf dem Platz und auf den spärlich besetzten Bundesliga-Stadien weicht. Jedenfalls wurde das Pokalfinale der Frauen weniger beachtet als in früheren Jahren. Langsam findet der Frauenfußball seinen ihm gebührenden Platz zwischen all den anderen Sportarten der Frauen. Er hat ja auch weder die Übergenderisierung nötig noch das gönnerhafte Lob der echten Fußballkerle, hinter deren beflissener Heuchelei es oft genug hinter vorgehaltener Hand oder »unter uns« feixt und spottet, dass es vor Zoten nur so kracht.
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Auch hier heule ich nicht mit den Wolfsrüden, obwohl mich eine Frage plagt, die in meinem Kopf herumspukt, seit ich von der Transgender-Verfügung von Barack Obama gelesen habe, dass künftig in US-Schulen jeder das Recht hat, jene Toilette zu benutzen, die seinem gefühlten Geschlecht entspricht. Ich reiche die Frage ratlos an die Leser weiter, denn sie beinhaltet ein echtes Montagsthema: Sind Pissoirs frauenfeindlich? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle