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Ohne weitere Worte (vom 18. Mai)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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In dieser Saison hat sich ein bleiernes Gefühl der Langeweile breit gemacht, wie es das in der Form bislang noch nicht gab. Jahrzehntelang lebte die Bundesliga von der Konstellation »Bayern vs. wechselnde Herausforderer«. Doch inzwischen gibt es ein echtes DDR-Feeling, die Bundesliga erinnert an die Oberliga, wo der BFC Dynamo aus Berlin einsam kreisend zehn Mal hintereinander Meister wurde. (Christoph Biermann im Fußballmagazin 11Freunde)
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»Wenn (…) Fahnen brennen (…), das ist sehr gefährlich, das muss doch hart sanktioniert werden. Man muss nur an die Massenpanik auf der Loveparade denken. (…) Ich verstehe die Jugendkultur, das ist ein wichtiges Phänomen, das (…) sich gegen das Establishment richtet. Ich glaube, ich habe größeres Verständnis für die Ultrakultur als die Ultras für die Notwendigkeit des Managements eines Bundesligisten.« (Heribert Bruchhagen im taz-Interview)
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Heribert Bruchhagen (…) war ein auf amüsante Weise selbstironischer Technokrat, der eine Formel erfunden hatte, mit der sich aus dem Lizenzspieler-Etat, den TV-Einnahmen, dem Fettgehalt der Stadionwurst sowie dem Einfallswinkel der Sonne der Tabellenplatz hundertprozentig errechnen ließ. (»NEE« in der Süddeutschen Zeitung)
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»Außer den Bayern und Bayer Leverkusen war Schalke der Verein, der in den vergangenen zehn Jahren am häufigsten international vertreten war.« – Dortmund sparen Sie vornehm aus. – »Die waren mir gerade entfallen …« (Horst Heldt im SZ-Interview)
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»Ich habe nie geraucht und war bis auf ein paar Ausflüge in den Siebzigern auch kein echter Drogenkonsument. Für den Fußball fit zu bleiben, war mein Antrieb. Als Teenager hatte ich noch den Wunsch, Profi zu werden.« (Rod Stewart im Welt-am-Sonntag-Interview)
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»Sie (Anm.: seine Tochter) ging zur Schule mit den Kindern von Pete Townshend und Mick Jagger. (…) In einem Wettrennen der Väter dieser Schule bin ich mal gegen Mr. Jagger angetreten. Er war ziemlich schnell. Gewonnen hat er allerdings nicht. Der ehemalige britische Zehnkämpfer Daley Thompson machte nämlich auch mit. (…) Seine Kinder gingen eben auch auf diese Schule. Für das Rennen musste er 40 Meter hinter uns starten – und hat trotzdem gesiegt. Dabei ist der mindestens zehn Jahre älter als ich!« (Pop-Sänger Rick Astley im Interview des Zeit-Magazins)
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»Jetzt liegen wir in den Umfragen bei rund 20 Prozent. Da ist es wie im Fußball: Wenn es gegen den Abstieg geht, wird auch über den Trainer diskutiert.« (Sigmar Gabriel im Spiegel-Interview)
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»Angst trainiert man sich dort ab. Die Jungs von der Alb hatten eine Wahnsinnskraft, und sie haben voll abgezogen und die Augen zugemacht. Ich habe den Ball zigmal ins Gesicht bekommen, mir den Kiefer ausgerenkt, in die Rippen, in die Weichteile.« (Cem Özdemir im FAZ-Interview über seine sportliche Vergangenheit als Handballtorwart)
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»Bierwerbung mache ich seit 20 Jahren, da muss man auf viele Dinge achten: Ein Mann allein gilt zum Beispiel als Alkoholiker, zwei könnten schwul wirken. Eine Gruppe ab dreien ginge. Zwei Männer und eine Frau wiederum funktionieren aber nicht, weil der Zuschauer sich dann fragt, wer die Frau bekommt.« (Stefan Kolle, Chef einer Hamburger Werbeagentur, im Spiegel-Interview)
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Es wird spät, die Sonne geht über der Berliner Skyline unter, während am Horizont ein Flugzeug in den Himmel steigt wie eine Schwalbe von Arturo Vidal. (Verena Mayer in der Süddeutschen Zeitung)
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Den Satz »Ich habe keine Vorurteile« halte ich für eine ähnliche Selbstüberschätzung wie den Satz »Ich bin ein guter Mensch«, wer so redet, hat nie über sich nachgedacht. (Harald Martenstein in seiner Kolumne im Zeit-Magazin)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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