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Pfingstsonntag, 15. Mai, 6.30 Uhr

Pfingsten pfing ja schon gut. Oder fing Fingsten ja schon gut an? Soll ich den alten Kalauer morgen wieder in die Montagsthemen schreiben, die nach Ostern und Pfingsten auch am Dienstag Montagsthemen heißen, aus purem hessischen Trotz? Mal nachschauen, wie oft ich das schon gemacht habe. “”Pfingsten”, “pfing” und “Fingsten” eingeben und damit ins Archiv klicken … Moment … ich hab’s: zehn Mal, zuerst 2003, zuletzt 2014.

Pfingsten fing diesmal wirklich schon “gut” an. Deutschland wird Letzter und Eintracht muss in die Relegation. Na ja, die erste Meldung interessiert mich nicht, die zweite ist keine Überraschung, sondern eher “Hund beißt Mann”. Relegation gegen Stuttgart, das habe ich schon “gewusst” und geschrieben, als die Relegation noch als illusionäre Hoffnung galt. Aber soll ich darauf besserwisserisch rumreiten? Ich habe noch Bedenkzeit, denn die Kolumne schreibe ich erst morgen.

Grand Prix: Der erste und der letzte Platz sind  politisch motiviert, richten sich gegen Putin und Merkel-Deutschland. Macht ja auch Spaß, uns Streber und Besserwisser und Moral-An- und -Vorgeber mal in die letzte Bank zu verweisen.

Kein Witz, sondern tatsächliche eine dpa-Meldung der Nacht: »Deutsche sollen Arabisch oder Kurdisch lernen«, fordert eine Sprachwissenschaftlerin. Integration sei keine Einbahnstraße. Ich frage beflissen zurück: Warum »oder«? Warum nicht »und«? Ich übe schon mal. Allah Akbar!

Die Meldung kommt in die Rubrik “Mann beißt Hund”.

Setzen! Sechs! Bei Wikipedia nachgeschaut. Muss “Allahu Akbar” heißen.

Noch mal Eintracht: Der penetrante Besserwisser in mir fühlt sich Siehste”-bestätigt, hofft jetzt aber, dass auch der Rest der Vorhersage eintrifft: Rettung gegen Nürnberg. Schon alleine für den größten Eintracht-Fan von allen hoffe ich das, der jetzt im US-Urlaub tapfer zurückwhatsappt, optimistisch bleiben zu wollen. Auch bei beiden Relegationsspielen muss der Bub aus der Ferne mitzittern.

Für die Montagsthemen vornotiert: Interview mit Marco Russ im “roten” Kicker vom Donnerstag: “Auf Unentschieden zu spielen, das könnte ganz schnell in die Hose gehen, wenn es bis zur 88. Minute 0:0 steht und wir ein dummes Gegentor kriegen, dann ständen wir als Deppen da.”

Ein Prophet wider Willen.

In die Hose gehen – da fällt mir die erste und hoffentlich einzige “Bild”-Schlagzeile meines Lebens ein, ein aufgespießtes Zitat von mir nach einem – wieder einmal – enttäuschenden Wettkampf: “Wenn ich nicht schnell genug im Ausstoß bin, geht alles in die Hose.”

Nee, war ja keine Schlagzeile, nur ein “Aufgespießt”. Die einzige Schlagzeile (nach einer Bombendrohung im Flugzeug): “Kugel-Riese hatte Angst vorm Fliegen.” Das war zu der Zeit, als “Angst vorm Fliegen” ein Bestseller war und ein Synonym für ein mentales Problem beim Geschlechtsverkehr.

Das muss für heute genügen. Fahre ich nachher nach Wiesbaden? Ins Helmut-Schön-Stadion? Bei dieser Kälte? Deutscher Diskus-Saisonauftakt, ein traditioneller Wettkampf, an dessen Rand sich alte Werfer-Kämpen treffen. Zugesagt haben u.a. Walter und Karl-Hans, beide ehemalige Hammer-Weltrekordler, Edwin (ebenfalls Hammer, später Bestseller-Autor), Lutz (Hammer) als Organisator, Hein-Direk (Diskus), Fred (Kugel). Außer Fred kein Kugelstoßer dabei. Fred mit den langen Armen und den unfassbar großen Pranken. Einst, beim Trainingslager im Barcelona, nach langer Nacht in der Ramblas, ängstigte er den Taxfahrer fast zu Tode, als er, hinten sitzend, aus dem Fenster nach vorne langte und von außen die Fahrertür öffnete.

Tempi passati. Fahre ich hin? Weiß noch nicht.

 

 

 

Baumhausbeichte - Novelle