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Ohne weitere Worte (vom 10. Mai)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Hummels hat durchblicken lassen, dass er auch wegen seiner Familie nach München gehen will. Wir haben früher in ähnlichen Fällen immer gesagt, wir wollen wegen einer neuen Sprache ins Ausland. Beides ist natürlich Quatsch. Wäre Hummels gebürtiger Pfälzer, würde er wegen seiner Familie wohl kaum zum 1. FC Kaiserslautern zurückkehren. (Lothar Matthäus in seiner Sport-Bild-Kolumne »Klartext«)
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Soll jetzt Mario Götze (…) von den Bayern zurückgeholt werden? Ich habe nie erlebt, dass einem Ehemaligen eine solche Verachtung in Dortmund entgegenschlug wie Mario Götze. Als er erstmals zurückkam, hat das Stadion ein ganz tiefes Buuuh gerufen und ich war über mich selbst irritiert, als ich merkte, dass ich mitbuhte. (Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung)
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Francesco Totti ist (…) der achte König von Rom, bereits zu Lebzeiten so sagenhaft wie die legendären sieben Herrscher der Antike. (…) Kaum hatte sich Jorge Bergoglio nach seiner Wahl zum Bischof von Rom auf dem Petersplatz als Papst Franziskus vorgestellt, da verlieh ihm seine neue Gemeinde den Beinamen »der Zweite«. (Birgit Schönau in der Zeit)
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Die Arme wedeln, stechen in die Luft, zeigen Linien und beschreiben Kreise, die niemand sonst versteht, die nicht mal jemand sieht, weil keiner da ist, Guardiola, ein einsamer Simon Rattle in einer postapokalyptischen Ödnis. (Dirk Gieselmann/Moritz Herrmann im Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)
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Als 14-Jährige maßen Sie schon 1,80 Meter. – »(…) Wenn du siehst, die anderen machen mit Jungs rum und für dich interessiert sich keiner, bist du froh, wenn du deine Sportgruppe hast.« – Wann wird es hierzulande die nächste Ulrike Meyfarth geben? – »Mich gibt’s nur einmal. Die großen Mädchen gehen doch lieber zu ›Germany’s Next Topmodel‹, als sich im Hochsprung zu quälen.« (Ulrike Nasse, ehemals Meyfarth, im Welt-am-Sonntag-Interview)
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Zu den großen Rätseln (…) gehört die Erzählung, wonach Frank-Walter Steinmeier nicht als Kanzlerkandidat zur Verfügung stehe. (…) Es ist ein wenig, als würde Real Madrid im Endspiel freiwillig auf (….) Cristiano Ronaldo verzichten, weil der am Spieltag lieber angeln geht. Oder weil er früher mal ein Endspiel verloren hat und bis heute nicht darüber hinwegkommt. (Markus Feldkirchen im Spiegel)
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Stan Smith genießt den Rummel um den Schuh. Gerne erzählt er in Interviews, wie ihn sein kleiner Sohn mal fragte: »Wurdest du nach dem Schuh benannt oder der Schuh nach dir?« Nur für den Sport würde der Tennisstar seine Sneaker heute nicht mehr empfehlen: »Ende der Sechziger waren die richtig Hightech. Heute sind sie Lowtech, dafür aber schwer schick.« (Bettina Weiguny in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Hype um den weißen Adidas-Schuh »Stan Smith«)
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Wie kann man sich jemandem ausliefern, der einen gequält hat? – “(…) Nach diesem Schema funktioniert das ganze Zuhälterwesen. Prostituierte werden gedemütigt und geschlagen, und sie sind trotzdem stolz auf ihren Zuhälter. So funktionieren auch Partnerschaften.« (Reinhard Haller, Gerichtspsychiater, im Welt-Interview über die Morde in Höxter)
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Zuerst ließ das Ministerium den Wolf Kurti  – ein wenig raubtierhaftes Raubtier, das sich hundegleich statt beutegreifend Menschenfamilien zu nähern pflegte – abknallen. Dann tat es kund: »Der besenderte Wolf aus dem Münsteraner Rudel (MT 6) wurde im Rahmen einer Maßnahme zur Gefahrenabwehr letal entnommen.« Letal entnommen? Wir vermuten mal, dass im Rahmen dieser Formulierung dem Hirn des Formulierers ein ähnliches Schicksal widerfuhr. (Peter Dausend in der Zeit)
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Sie haben mal gesagt: In jeder Stadt sind die Menschen verschieden und doch gleich. Was meinen Sie? – »Na ja, dass die Menschen verschieden sind und doch gleich.« (Helge Schneider im SZ-Interview)
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Und was lernen wir daraus? Die Sprache ist der Wahrheit Wolf. (Dausend/Zeit) (gw)
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(www.anstoss-gw.de  gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle