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Montagsthemen (vom 9. Mai)

Dass Dortmund mit der leisen Hoffnung nach Frankfurt kam, »durch ein Double den Münchnern sogar das Eintel zu versauen« (»Sport-Stammtisch« vom Samstag), muss nach dem vorletzten Spieltag korrigiert werden: Den Bayern ist das »Eintel« nicht mehr zu nehmen, dieser kleinste gemeinsame Münchner Nenner.
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Nicht korrigiert, aber modifiziert werden muss das Orakel vom Samstag: »Bremen bleibt drin, Stuttgart steigt ab, Frankfurt schlägt Nürnberg in der Relegation.« Die Aussage steht, wirkt aber nicht mehr überoptimistisch, sondern fast schon übervorsichtig. Auch in der letzten Kurve hat man schon Pferde kotzen oder Bremen viele Tore schießen sehen. Dennoch, wer hätte vor Wochen gedacht, dass sogar der direkte Nichtabstiegsplatz winkt? Dem heldenhaften 1:0 gegen Dortmund sei Dank.
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Pferde? Später, ich bin mit dem Fußball noch ned pferdisch. Wenn ich mich nicht verhört habe, bleibt das Waldstadion eine der wenigen deutschen Arenen, in denen nicht »You’ll never walk alone« gesungen wird. Es sind und bleiben nur Coverversionen, auch wenn es in Dortmund melodiöser klingt als im rauen Liverpool-Sound. Überhaupt gibt es nur eine echt fetzige deutsche Hymne: Erbarme! … zu spät, zu spät, Werder: Die Hesse komme!
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Pep Guardiola leidet unter den deutschen Journalisten. Mit innerem Groll nimmt er sie gekonnt auf die Rolle. Dass er die Vierer-Titelserie mit Jupp Heynckes teilen will, werten sie als angenehmes Zeichen von Bescheidenheit. Dabei dreht er ihnen nur die Nase: Ätsch, von den vier Meisterschaften gehört nur eine eurem Heynckes, aber drei alleine mir!
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Weiterhin zu den Pep-Jüngern gehört der ehemalige Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters: »Er hat eine Wahnsinnsstabilität hereingebracht.« Wenn man Peters’ eigenes Schaffen als Direktor Sport betrachtet, wird die Bewunderung verständlich. Denn auch Peters hat eine Wahnsinnsstabilität hereingebracht. Die der ständigen Abstiegsgefahr beim HSV. Letztes Wort zu Guardiola: Gewiss ist ein Champions-League-Sieg immer auch Glücksache. Aber dreimal hintereinander mit diesem Potenzial im Halbfinale zu scheitern, kann kein Zufall sein.
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Auch kein Zufall ist Leipzigs unaufhaltsamer Aufstieg. Der hat einen falschen Namen (Rasen Balll statt Red Bull) und einen richtigen: Dietrich Mateschitz. Was mit ihm auf die Liga zukommt, hat er brandaktuell in der Formel 1 (Russen-Rambo geschasst) und beim Fernsehsender Servus demonstriert. Dort wollten sie einen Betriebsrat gründen, aber als Boss Mateschitz drohte, den Sender dicht zu machen, knickten sie schneller ein als Merkel vor einem anderen Potentaten.
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Zum »Fetischsport« . Die »Bild«-Schote vom Arzt, der im Sulky sitzt und eine fast lebensecht als Pferd verkleidete Frau durch einen Berliner Park traben lässt, hatte ich am Samstag mit der Hoffnung kommentiert, der Arzt, ein Internist, der die Pferdekostüme eigenhändig näht, möge sich beruflich bitte nicht zu sehr von der Leidenschaft zum sportlichen Steckenpferd ablenken lassen, sonst wache der Leistenbruch-Patient nach der OP auf, blicke an sich herunter und sähe da unten womöglich … dazu die Korrektur unseres langjährigen Lesers Dr. med. Hans-Heinrich Kleinschmidt aus Bad Nauheim: »Der Leistenbruch-Patient braucht keinerlei Angst zu haben! Internisten – ich bin selbst einer – operieren nicht! Das überlassen wir anderen ›Aufschneidern‹. Ich meine Chirurgen.« – Ja, aber das hätte mir doch den Gag mit dem angenähten Pferdekopf da unten verhunzt …
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Apropos Reiten. Ich möchte eine oft gestellte Frage meiner allerliebsten Zielgruppe weiterreichen: Warum ist Reiten auf Pferden als Sport anerkannt, Sport mit Hunden aber nicht, obwohl man nicht bequem auf ihnen sitzt, sondern oft schweißtreibend neben ihnen her läuft? Auf diese Frage konnte ich bisher immer nur dümmlich grinsend antworten: »Darum!«
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Wenn Sie es nicht wissen, werde ich die Kollegen von »Bild« fragen. Die wollen nach dem Fetischreiten jetzt sogar die Frage beantworten, »ob Sex wirklich gegen Pickel hilft«. Was in jenem Lebensalter auf besonderes Interesse stößt, wenn zusammen mit dem Geschlecht auch die Pickel reifen. Zu unserem Leidwesen konnten wir damals mangels Probanden die Frage nicht durch praktische Tests klären. Auch wussten wir nicht, ob unter »Sex« nur die zweisame Sensation zu verstehen sei. Oder auch die einsame? Falls ja, das wussten wir, hilft Sex ganz bestimmt nicht gegen Pickel.
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Aber Kovac hilft gegen Abstieg. (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle