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Ohne weitere Worte (vom 3. Mai)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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13. Minute. Guardiola trinkt wie ein Mann, der keinen Durst hat, ein Verlegenheitsschluck aus der Verlegenheitsflasche. (…) Guardiolas Blick geht ins Ferne, ins Innere – und wir wissen, ohne das Vorangegangene gesehen zu haben: Es steht 0:1. Soll ein formidables Dribbling von Saul gewesen sein. Aber wie gesagt: Wir müssen das nicht sehen. Guardiola reicht, diese altgriechische Maske des möglicherweise auf ganzer Linie Versagthabens. Großes Theater. (Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde nach dem Atletico-Tor)
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Warum aber hat es gegen Atletico nicht funktioniert? Nun, vielleicht muss man auch den Gedanken zulassen, dass es ein bisschen an Atletico lag. (…) Um es mal so zu sagen: Wer Borussia Dortmund weiterhin als »besten Tabellenzweiten Europas« bezeichnet, der war noch nie im Estadio Vicente Calderon. (Claudio Catuogno in der Süddeutschen Zeitung)
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Guardiola suchte das Positive, fand aber noch nicht die richtige Dosierung. »75 Prozent des Spiels waren gut.« Wer möchte schon aus der Narkose aufwachen und den Chefarzt sagen hören: »75 Prozent der Operation waren gut«? (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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In Spanien versteht man nicht, wie man diesem Trainer nicht danken kann für die Sublimierung, die er dem deutschen Fußball geschenkt hat, zumal dem vorher vermeintlich eher unkultivierten Kick der Germanos. Sein Liebling Thiago (…): »Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Bundesliga des Jahres, als Guardiola und ich kamen, und der von heute.« (Florian Haupt in der taz)
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Guardiola wird in München weder verachtet noch verlacht wie einst Otto Rehhagel oder Jürgen Klinsmann. (…) Der Frust, der sich breitgemacht hat, rührt eher von einer enttäuschten Liebe. (…) Die Wahrheit ist: Es hat bei Guardiola nie so richtig gefunkt. (Rafael Buschmann/Gerhard Pfeil im Spiegel)
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Schalke hat ein Problem mit der Wahrheit. Sie wird gebeugt, dass sich die Balken biegen, hintenrum – beim Golf oder bei der nächsten Charity – wird der Intensivrechercheur gestopft wie eine Weihnachtsgans, und am Ende schauen sich alle an und rufen: »Die bösen Medien!« (Frank Lußem im Kicker)
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Es ging kämpferisch, aber auch friedlich zu auf dem Rasen des Stadions, das bewacht wurde, als sei es der Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses, wahrscheinlich der sicherste Ort in Hessen an diesem Tag des Abstiegskampfes zwischen zwei Mannschaften, deren Anhänger tiefe Abneigung verbindet. (Michael Eder/Katharina Iskandar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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»Natürlich hat der Umstand, dass die Vorfahren der heutigen Weltrekordler im Kurzstreckenlauf durchweg aus Westafrika, jene der Weltrekordler im Langstreckenlauf dagegen aus Ostafrika kommen, etwas mit Genetik zu tun.« (Thilo Sarrazin im FAS-Interview)
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Der Hamburger Unternehmer Frank Otto (hat) seit kurzem eine sehr junge Freundin (Er ist 58, sie 19). (…) »Wir haben viele Gemeinsamkeiten. (…) Zum Beispiel bestellen wir im Restaurant dasselbe Gericht.« Wir können uns aber nur schwer vorstellen, Herr Otto, dass man auch Ihnen den Kinderteller serviert. (Jörg Thomann in den »Herzblatt-Geschichten« der FAS … und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass sie dasselbe Gericht und nicht das gleiche gegessen haben)
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Die einzigen Primaten, die nicht peinlich berührt erröten, sind Kleinkinder und Affen. (Harald Willenbrock im SZ-Magazin zum Thema »Blamage«) (gw)
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(www.anstoss-gw.de/  igw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle