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Montagsthemen (vom 2. Mai)

Wer wettet nach dem Eintracht-Sieg in Darmstadt und dem Unentschieden in München, dass ZWEI hessische Vereine absteigen und dass die Bayern nicht einmal das „Eintel“ schaffen? Höchstens Hasardeure, die vor der Saison auch gewettet haben, dass Leicester englischer Meister wird. Das war, sagen die Wettanbieter, zu jener Zeit genauso wahrscheinlich, als fände man den Yeti und „Nessie“. Laut Wettquoten sei sogar wahrscheinlicher, dass der Papst für die fundamental-protestantischen Glasgow Rangers aufläuft oder die Amis zugeben, dass die Mondlandung getürkt war.

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Getürkt“ – zeigt mich Erdogan an? Aber ich will nicht abschweifen. Nicht schon jetzt. Also Eintracht. Das Derby. Endstand Polizei – Ultras 0:0. Null Verletzte. Sehr erfreulich. Obwohl man nach Silvester in Köln ersten polizeilichen Angaben nicht mehr unbedingt vertrauen kann.

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Viele wollen nicht verstehen, dass Darmstadts Fans für Frankfurts Ultras ein rotes Tuch sind. Ist aber ganz einfach. Irgendjemanden müssen sie hassen, und da Offenbach mangels fußballerischer Bedeutung ausfällt, sind jetzt die „Lilien“ dran. Kein Problem. Wenn es ohne Gewalt und Randale abgeht, gehört das zum Spiel. Wie die alte Latrinenparole, eine echte im Wortsinn aus OFC-Derbyzeiten, dass wegen des Zuschauerandrangs doppelstöckige Latrinen benutzt werden müssen. Oben sitzen die Eintracht-Fans. Unten die Offenbacher. Nun halt die Darmstädter.

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Apro-Popo: Kurt Kister, einer der Großen unseres Metiers, schreibt in der Süddeutschen über den „Schuss Größenwahn“ in München, speziell im Fußball, und spielt auf den Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher in „Kir Royal“ an, den Mario Adorf verzweifelt-großmäulig greinen lässt. Kister: „’Ich kauf dir ne Villa, da stelle ich dir noch’n Ferrari davor. Ich scheiß dich sowat von zu mit meinem Geld.’ Willkommen, Mats Hummels.“ – Das hübsche Bild hängt aber leicht schief, denn Haffenloher war ein armes Würstchen, das ist der FC Bayern ganz sicher nicht.

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Warum schwadroniert Uli Hoeneß ohne Not herum, Hummels habe beim FC Bayern angeklopft? Will er die Ablösesumme drosseln, weil ein Bittsteller Hummels in Dortmund nicht mehr präsentabel wäre? Warum rüffelt ihn Rummenigge ungewöhnlich offen und öffentlich? Ping-Pong-Ränkespiel oder ein Zeichen, dass Hoeneß’ große Bayern-Zeit endgültig vorbei ist?

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Von Popo zu Pipi. Carmen Thomas wird 70 Jahre alt, 43 davon mit „Schalke 05“ im Nacken. Ich habe nie verstanden, warum sich halb Deutschland und die ganze Fußballwelt derart manisch an einem simplen Versprecher im ZDF-Sportstudio hochzieht. Selbst in den Geburtstags-Reminiszenen dominiert „05“. Kein Wort dagegen über ihre Lebensabschnitts-Leidenschaft, das Pipi. Im Erwachsenendeutsch: Urin. Über diesen „besonderen Saft“ hat Thomas einen Bestseller geschrieben. Wobei „Saft“ wörtlich zu nehmen war: Urin zum Trinken, Braten, Kochen und Essen. Wohl bekomm’s. Lang ist’s her. Längst vergessen. Nur „05“ nicht. Zur Zeit führt Thomas eine „Agentur für Kommunikationsoptimierung“. Macht also „irgendwas mit Medien“.

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Getürkt, Latrinenparole, Popo und Pipi – darf man das? Klar, ist ja harmlos im Vergleich zur Sodomie mit Ziegen. Aber darf Satire wirklich alles? Nein. Warum auch? Das dürfen allenfalls Hofnarren. Politische Satire greift die jeweilige Macht an und verhohnepiepelt sie. Sie kann nicht gleichzeitig verlangen, dass diese Macht ihr gesetzlich das Recht verbrieft, “alles” zu dürfen. Satire, die alles darf, ist keine Satire. Alles zu dürfen bedeutet, nicht ernst genommen zu werden. Und sie wollen  doch ernst genommen werden, oder? Sonst wären sie … allenfalls Hofnarren.

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Bei aller Aufregung, sei es in Sport oder Politik, empfiehlt sich ein Spruch, der dem Alten Fritz zugeschrieben wird. Der gilt auch für die aufgekommene Diskussion um die Tennis-Netze bei den Frauen, die zu hoch hingen, so dass ein Match bei den Frauen meist eindeutiger und weniger spannend verlaufe als bei den Männern. Grund sei die geringere Körpergröße. Verwiesen wird auch auf die unterschiedlichen Wurfgewichte in der Leichtathletik. Meine (und des Alten Fritz) Empfehlung, bevor es zu genderartigen Tumulten kommt: Tiefer hängen! Nicht nur die Tennis-Netze.

Baumhausbeichte - Novelle