Archiv für April 2016

Freitag, 16. April, 12.45 Uhr

Ich glaube, ich habe soeben eine ziemlich einzigartige Kolumne online gestellt (Link rechts: gw-Beiträge Anstoß). Oder wird morgen irgendwo in Deutschland noch eine Wochenende-Kolumne ohne die Namen Klopp und Böhmermann erscheinen? Obwohl der eine zwischen den Zeilen gepriesen wird und der andere mir mit seinem Ziegenficker die Gelegenheit gibt, am Schluss noch einmal Gottfried Benns Stubenfliegen totzuklatschen.

Bleibt nur die Frage, ob ich mich zur Gartenausstellung in Laubach schleppen soll, trotz plötzlichen Hexenschusses, oder mich zu Hause pflegen lassen soll. Aber die Pflegerin ist ja in Laubach. Was tun? Was tun!

Veröffentlicht von gw am 15. April 2016 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Freitag, 16. April, 12.45 Uhr

WBI-Zwischenstand 2016

Nach den ersten beiden Runden haben diese Teilnehmer gepunktet (alphabetische Reihenfolge; Ortsname nicht erwähnt, wenn nicht angegeben):

 

 

 

Jost-Eckhard Armbrecht (Gr.-Buseck)                    7

Helmut Bender (Linden)                                           7

Dr. Joachim Bille (Reiskirchen)                               7

Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim)                           1

Helmuth Born (Karben)                                            1

Karl-Heinz Bremer (Pohlheim)                                6

Thomas Buch (Friedberg)                                         7

Klaus Buseck                                                               1

Beate Dachauer (Butzbach)                                     2

Thorsten Düringer                                                     1

Thomas Eckstein (Biebertal-Vetzberg)                  1

Wolfgang  Egerer (Rosbach-Rodheim)                  7

Dr. Raymund Geis (Reiskirchen)                             1

Peter Hett (Bad Nauheim)                                        7

Doris Heyer (Staufenberg-Treis)                             7

Andreas Hofmann (Bad Nauheim)                         7

Uwe-Karsten Hoffmann (Bad Nauheim)               7

Andreas/Reinhold Kreiling (Gießen)                      7

Uwe Lemke  (Wöllstadt)                                           1

Stephan Mickel                                                           1

Theo Nauheimer (Buseck/Beuern)                         1

Dieter Neil (Großen-Buseck)                                    7

Armin Oldendorf (Bad Nauheim)                            7

Klaus Philippi (Staufenberg-Treis)                          7

Walther Roeber (Bad Nauheim)                               7

Jens Roggenbuck (Mainzlar)                                    7

Christoph Schicke (Biebertal)                                   1

Bernd Schieferstein                                                      1

Karola Schleiter (Florstadt)                                      7

Rüdiger Schlick (Reichelsheim)                               7

Reinhard Schmandt (Pohlheim)                              7

Horst Günter Schmandt (Pohlheim)                       1

Paul-Gerhard Schmidt (Nieder-Ohmen)                7

Jochen Schneider (Butzbach)                                  7

Prof. Peter Schubert (Friedberg)                             7

Manfred Stein (Feldatal)                                           7

Werner Trautmann (Friedberg-Dorheim)             7

Doris Wächter (Rödgen)                                            1

Klaus-Dieter Willers (Hungen)                                7

Ingrid Wittich (Mücke-Merlau)                               7

Rainer Woltmann (Gießen)                                       1

 

Falscher Punktestand, oder fehlen Sie ganz? Bitte melden.

Veröffentlicht von gw am 14. April 2016 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für WBI-Zwischenstand 2016

Sonntag, 10. April, 11.15 Uhr

Montagsthemen sind schon geschrieben. Muss sie nur noch redigieren, wahrscheinlich etwas kürzen und ins Blatt-Layout für morgen stellen. Dann in „gw-Beiträge Anstoß“ (Link rechts). Bevor ich an die Kleinarbeit gehe, habe ich eine ganz aktuelle Mail von Walther Roeber in die „Mailbox“ gestellt, der rund um die Eintracht-Enttäuschung doch etwas Positives erlebt hat …

Auch eine wenige Tage ältere Mail steht jetzt dort, von unserem Bonner Leser Ralf Protzel, einem Mittelhessen, der den „gw“-Kolumnen auch schon in seinen japanischen Berufsjahren treu gewesen ist (mit einigen hilfreichen Informationen aus Japan). Klicken Sie mal rein und lesen erst dann hier weiter. Einverstanden? Gut, ich warte einen Moment. … Fertig? Gut, hier meine spontane Mail-Antwort:

Den Zeit-Artikel habe ich mir schon zurechtgelegt, aber noch nicht gelesen. Ich nehme an, es ist das gleiche »HIT«, über den der Spiegel schon mal geschrieben hat (und ich habe es damals kommentiert, glaube ich). Beides will ich mir noch mal anschauen, habe aber schon einen Satz unter die Überschrift »Bis ans Limit« notiert: Eine Sau nach der anderen wird durch das Dorf gejagt, und am Ende merkt man, dass man selbst es ist, was da gejagt wird, und dass die Sau immer die selbe ist. Jetzt fällt mir wieder ein: HIT ist so etwas ähnliches wie das alte Intervalltraining und vor allem für nicht gut trainierte mittelalte Gelegenheits-Fitnessstudiobesucher hoch riskant. Die andere Sache sehe ich ähnlich und habe ich auch schon notiert. Ich muss nur noch mal nachschauen, ob meine Erinnerung stimmt: Dass eine Mannschaft abgestiegen ist (Kaiserslautern?), weil der Spieler einer anderen Mannschaft (Sergio/Leverkusen?) das heuchlerische »Gesetz« gebrochen hatte.

 

Beiden Themen habe ich danach im gw-Archiv nachgespürt. Das Ding um Sergio/FCK/Leverkusen habe ich schon im Samstag-Sportstammtisch nachbereitet (auch hier: siehe Link rechts „gw-Beiträge Anstoß“). Über „HIT“ habe ich 2009 geschrieben, einen „Anstoß“-Zweiteiler, den ich durchaus mal in einer „Nachdruck“-Kolumne komprimiert wiederverwenden könnte. Hier folgen für fachlich Interessierte beide Teile ungekürzt … und ich gehe an die Montagsthemen-Kleinarbeit.

»Hochintensitätstraining« Ein ganz alter »HIT« Alle Jahre wieder haben wir gute Vorsätze, alle Jahre wieder spielt die eigene Figur eine wichtige Vorsatz-Rolle, und alle Jahre wieder werden allerneueste Trainingstrends angepriesen, die »bei minimalem Zeitaufwand rasanten Muskelzuwachs« verheißen, wie selbst der sonst so kritische »Spiegel« eine »Turbo-Trainingsmethode« namens »HIT« (»Hochintensitätstraining«) anpreist. Doch dieser Hit ist ein Oldie – ein ganz alter Hut. Alle Jahre wieder tappen Fitnesswundergläubige in die verführerische Lügen-Falle, mit minimalem Aufwand maximale Wirkung erzielen zu können. * Dennoch ist »HIT« die bisher bemerkenswerteste PR-Masche, denn hinter Schnickschnack-Vokabular verbirgt sich die muskelphysiologische Basis allen Krafttrainings – und die kann, wie das Rad, nicht neu erfunden, sondern nur besser verkauft werden. Wer aber glaubt, was ihm verkaufsabhängige Bank(drücken)berater über ihr neuestes Muskeltrainings-Derivat erzählen (kleiner Einsatz, große Rendite), wird nicht als Muskel-Mann, sondern als Lehman-Brother enden. * Korrekt ist, was der »Spiegel« über die »Hit«-Grundlage schreibt: »Die Gewichte müssen bis zum Muskelversagen gestemmt werden«, denn »die Plackerei mit endlosen Sätzen und Wiederholungen einer Übung bringe kaum zusätzlichen Nutzen«. Unglaubhaft dagegen, dass der Sportwissenschaftler Jürgen Gießing, der deutsche »HIT«-Propagandist, auf den sich der »Spiegel« beruft, »mit gerade mal zwei Stunden Training pro Woche« am eigenen Körper Wunderwerke vollbringt, und irreführend und potenziell gefährlich ist es, wenn Gießing behauptet: »Jede Hausfrau kann so trainieren.« * Was am »HIT« richtig, was falsch, was gefährlich ist, das haben wir schon vor zehn Jahren in einer »Muskel-Mini-Serie« mit dem programmatischen (und vom »neuen« »HIT«

bestätigten) Titel »Stark wird man nicht mit 4×15« beschrieben. Wegen starken Leser-Interesses scheint dank »HIT« die Zeit für eine verkürzte Auffrischung gekommen. * Muskelphysiologisch ein sehr komplexes Thema. Myoglobin (»rote« und »weiße« Muskelfasern) spielt eine Rolle, auch die Adenosin-Triphosphorsäure (ATP) und manches mehr, aber allzu theoretisch wollen wir hier nun doch nicht werden, sondern nur für fachlich Interessierte erwähnen, dass unser sportwissenschaftliches Basis-Wissen aus dem Grundlagen-Werk des Russen V. M. Zaciorskij schöpft (»Die körperlichen Eigenschaften des Sportlers«), der »HIT« schon 1968 vorweggenommen hat. * Doch ein wenig Grundlagenwissen brauchen wir schon, um zu wissen, was wir im Training überhaupt wollen können, damit Wollen und Können keine unvereinbaren Gegensätze bleiben. Also, so kurz und verständlich wie möglich: Der Sinn des Muskelkrafttrainings ist es, Trainingsreize zu schaffen, die den Muskel hypertrophieren lassen (= Wachstum der Muskelfasern). Bereits 1895 hat der Physiologe Roux den angemessenen Trainingsreiz für das Muskelkrafttraining definiert, wonach erhöhte Muskelspannung und nicht häufige Wiederholung von niedrigen Muskelspannungen die Kraft wachsen lässt. Experimentell bestätigt wurde dies schon vor 90 Jahren an trainierten Ratten, bei denen eine Zunahme der Muskelmasse festgestellt wurde, wenn sie ihre Laufgeschwindigkeit erhöhen mussten, während bei gleichbleibender, aber länger währender Laufbahngeschwindigkeit die Muskelmasse gleich blieb. Wie man sieht: ei »Hochintensitätstraining« Ein ganz alter »HIT« (2/2) Unsere trainierten Ratten haben gestern bewiesen, dass höhere Maximalbelastung einen besseren muskelphysiologischen Trainingseffekt bewirkt als höhere Ausdauerbelastung. Zwar wird schon bei Einsatz von 40 bis 50 % der Maximalkraft ein maximaler Trainingseffekt erreicht, aber das ist nur die nackte Theorie der Arbeitsphysiologie, die zu Trugschlüssen verleitet, wenn man die Anspannungsdauer außer Acht lässt. Kurz zusammengefasst: 50 % der Maximalkraft als Belastung im Training ergeben nur dann einen optimalen Trainingseffekt, wenn die Kontraktionsdauer rund 15 Sekunden beträgt, wenn die Kraftanstrengung also stetig, ohne Impuls (wirkt kontraktionsaufhebend) gaaanz langsam bzw. »isokinetisch« abläuft. Bei 80 bis 100 Prozent der Maximalkraft dagegen genügt eine der natürlichen Bewegung eher entsprechende Kontraktionsdauer von rund zwei Sekunden, so dass höhere Belastungen zweckdienlicher erscheinen (allerdings nicht unbedingt für Leistungs-Bodybuilder, deren Ziel nicht der explosiv starke, sondern der stark aussehende Muskel ist, doch das ist ein anderes Thema und führt hier viel zu weit). * Aber Achtung: Das Krafttraining mit höchster Belastung und geringer Wiederholungszahl ist nichts für Anfänger, denn Fehlhaltungen können zu schwerwiegenden Verletzungen führen, außerdem gehört zur allgemeinen Fitness primär das Training des Herz-Kreislauf-Systems und der Motorik – und das ist für Einsteiger und Nicht-Spezialisten wichtiger (und viel gesünder) als das schwergewichtige Krafttraining mit seiner problematischen Pressatmung und dem puren Muskelaufpumpen. * Ein illusionärer Anspruch, mit dem auch Übungsleiter im Fitness-Studio und im Verein geplagt werden: Vor allem mancher Anfänger erwartet, mit ein bis zwei einstündigen Trainingseinheiten pro Woche stark, straff, schlank, schnell und ausdauernd zu werden, wobei zudem alle Problemzonen in Schokoladeseiten verwandelt werden. Doch das Naturgesetz des Trainings verspricht nicht, im Gegensatz zum neu propagierten alten »HIT«-Hut, mit wenig Training viel Erfolg zu haben, sondern verlangt unerbittlich für allerkleinste Erfolge größtmögliche Anstrengungen. Wer etwas anderes verspricht, ist ein Scharlatan. * Der Erfolg im Krafttraining (wie auch im Ausdauertraining) ist, im Gegensatz zu Bewegungsgeschicklichkeit und komplexer Motorik, keine Frage des Talents, sondern eine der Willensstärke und des Durchhaltevermögens. Provokant formuliert: Ein sportlich nur durchschnittlich begabter 25-jähriger gesunder Anfänger mit Normalfigur kann nach mehrjährigem Training weit über drei Zentner im Bankdrücken schaffen, wenn er viel Ehrgeiz und Zeit sowie eine durchdachte Trainingsplanung hat. Derselbe normal

Talentierte kann nach ebenso intensivem Training einen Marathonlauf nahe drei Stunden absolvieren. Was er ohne überdurchschnittliches Talent aber nicht könnte: in einer Viertligamannschaft Fußball spielen. * Es gibt noch viele komplizierte Mechanismen, die den Trainingserfolg befördern oder behindern können, zum Beispiel die gezielt gesetzten Pausen, die länger sein können/müssen, als der übereifrige Trainierer glaubt. Und: Wer seinen Muskel stark machen will, muss ihn wachsen lassen. Wer wachsen will, braucht Stoff für das Wachstum. Wer diese Kolumne kennt, weiß, dass hier nicht Saulus, sondern Paulus schreibt: Anabolika und Ähnliches (auch das offiziell erlaubte Kreatin) sind tabu, wären eine persönliche Bankrotterklärung. Als »Stoff« genügt neben der gewohnten (hoffentlich gesunden, ausgewogenen) Ernährung ein zusätzlicher Liter Milch am Tag (oder eine ähnliche Eiweiß-Zusatzzufuhr). * Was vom »HIT«-Versprechen zu halten ist, dass »jede Hausfrau so trainieren kann«, und zwar »gerade mal zwei Stunden in der Woche«, weiß meine liebste Zielgruppe, wenn sie sich durch unseren trockenen zweitägigen Trainings-Stoff gequält hat. Zudem geht diese alte neue Methode buchstäblich auf die Knochen (und Bänder/Sehnen/Knorpel etc.). Nehmen wir mal eine der wichtigsten aller Muskelformungs-Fragen: Wie kriegt frau den knackigsten Po? Ehrliche Antwort: Tiefe Kniebeugen mit der Scheiben-Langhantel auf dem Rücken, höchstmögliche Gewichte, aber nur maximal fünf Wiederholungen pro »Satz«. Ein Mörderprogramm. Jeder ist ganz energisch abzuraten, der ihre Gesundheit, in diesem Fall vor allem die Wirbelsäule, lieb ist. Für den zwar nur kleinen, aber auf lange Sicht auch noch sehr schönen Erfolg empfehlen sich dagegen gaaanz langsame (für Kenner: isokinetische) tiefe Kniebeugen ohne Hantel, nur mit dem eigenen Körpergewicht, mit so vielen Wiederholungen wie möglich und ohne in der Aufwärtsbewegung jeweils bis zur Streckung der Knie zu kommen (wie viele Wiederholungen möglich sind, merkt man/frau automatisch durch das »Flushing«, das »Brennen« im Muskel). * Fazit: Vertrauen Sie keinem Wunderprogramm, sondern auf sachkundige, auf Ihre persönlichen Wünsche, Ziele und Aufwandsmöglichkeiten abgestimmte Beratung, lassen Sie sich von unvermeidlichen Anfangs-Durchhängern nicht entmutigen, halten Sie durch, dann erhalten Sie nach vielmonatiger »Laufzeit« für Ihre Investitionen von Schweiß und Energie eine langfristig hohe Rendite. Und das ist der einzig wahre »HIT« n ganz alter »HIT«

 

Veröffentlicht von gw am 10. April 2016 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Sonntag, 10. April, 11.15 Uhr

Sonntag. 10. April, 6.40 Uhr

Etwas später als sonst, da in den Meldungen der Nacht geschmökert. Bunte Mischung: 70 Tote bei Tempelbrand in Indien / Aufzuchtstation für Eichhörnchenbabys / Privates Bierbrauen neues Trend-Hobby / Verschwundener Fünfjähriger gefunden / Dalton-Pädagogik / Steffny warnt vor überehrgeizigen Marathon-Eltern … ach ja, Steffny. Den gibt es also auch noch. Ex-Marathonläufer, damals Bester in Deutschland, Bruder des Ex-Leichtathletikchefs des Sportinformationsdienstes Manfred Steffny, mit dem ich einmal aus irgendwelchen Gründen Trouble hatte. Ich weiß nicht mehr, warum, es muss sich wohl um Doping gehandelt haben. Ich weiß nur noch, dass Manfred St. damals sehr sportlich auf meine Kritik reagiert hatte.

Bei Bild online finde ich die Marathon-Eltern wieder. Bild bei Bild: Wie sie ihre widerstrebenden Kinder an der Hand über die Ziellinie zerren. Den Text lese ich nicht, dafür müsste ich mich bei Bild plus registrieren lassen. Kostet nur ein paar Pfennig, mache ich aber nicht. Die Bezahlschranke. Auch bei der Süddeutschen gibt es so etwas. Manchmal kommt der Hinweis: Sie haben zehn Artikel gelesen, wenn Sie mehr lesen wollen … will ich nicht.

Die Dalton-Pädagogik. Hat die was mit den Daltons zu tun? Nee. Gemeinsamer Unterricht von Vier- bis Vierzehnjährigen. Ach ja. Pädagogik. Früher (heute nicht mehr?) gab es für Lehramt-Studenten das Propädeutikum, dafür musste man Psychologie, Philosophie und Pädagogik mitstudieren, schmalspurhaft. Jeweils eine Vorlesung und dazu ein Seminar mit Referat und mündlicher Prüfung. Mein Referat: Pädagogik. Note Sehr gut. Es ging um „Jugendliche Rechtsbrecher“. Ich erwähne es aus zwei Gründen: Erstens: Die jugendlichen Rechtsbrecher sind später auch in meinen Kolumnen aufgetaucht (ich gucke gleich mal im Archiv nach). Zweitens: Wenn ich mich scheinbar selbst lobe, dann meistens nur, um die Fallhöhe zu vergrößern: die mündliche Prüfung. Jeder wusste, dass es um die Vorlesung ging, die der Pädagogik-Guru Mieskes in jedem Semester hielt. Morgens um halb acht. Ich immer mit der Vespa von Wetzlar nach Gießen, aber ich kam immer zu spät, und kurz vor dem Germanistischen Seminar bog ich ab in die Kneipe (Stefanseck), die schon geöffnet war, frühstückte eine Cola, drückte auf der Musikbox Lieblingslieder und las Zeitung. Auch andere schwänzten, lasen aber vor der Prüfung das Script der Vorlesung, das man seit vielen Semestern  für ein paar Pfennig kaufen konnte. Habe ich nicht gemacht. Wie bei Bild plus. So schließt sich der Kreis. Unterschied: Bei Bild plus hat die Verweigerung keine peinlichen Folgen. In die Prüfung ging ich als reiner Tor, heraus kam ich als einzigartiger Depp der Uni. Liebe Kinder, gebt fein acht, so endet, wer es ähnlich macht.

Vom Propädeutikum … was heißt das eigentlich übersetzt? Hat mich nie interessiert? … hatte ich trotzdem was fürs Leben: Die Philosophie-Vorlesung hielt ein junger Assistent, sehr witzig, sehr ungewöhnlich, gar nicht akademisch bedeutungsschwanger. Name: Marquard, Odo. Später einer der Größten seines Metiers in Deutschland, zumindest der Unkonventionellste. Ich durfte ihn persönlich kennenlernen, er schenkte mir für eine Sonderseiten-Serie („Die andere Seite von …“), zu der auch ein Fragebogen gehörte, das herrliche und vor allem exklusive Bonmot zu Kohl, der damals noch als „Birne“ verlacht wurde: „Wer Kohl unterschätzt, wird überschätzt.“

Finde ich die jugendlichen Rechtsbrecher? Moment bitte. Ah, hier sind sie. Habe sie schon mehrmals wiederverwertet. Zum Beispiel kurz nach dem 11. September 2001 und vor einem Fußball-Länderspiel in Frankreich. Thema: Sport und Sprache. Bitte sehr:

Nichts wird wieder sein, wie es einmal war. Aber Bomben und Granaten, von Sturmtanks abgeschossen und als Volltreffer im Tor einschlagend – wird es sie nach dem 11. September 2001 tatsächlich nicht mehr geben? Wir sind sensibilisiert, wir werden uns bemühen, man wird uns überwachen, und wir werden in der Hektik des Redaktionsalltags immer wieder einmal scheitern. Und manchmal wollen wir auch scheitern; denn den »Gegner«, die »gegnerische« Mannschaft, das »Besiegen« und die »Niederlage«, auch eine »vernichtende« wie das 1:5 gegen England, werden wir in der Sportsprache nicht . . . nun ja: ausrotten können und wollen. Zwar könnte die Sportsprache eine kritische Überprüfung durchaus vertragen, aber wir sollten sie auch vor den eifernden Sprachreinigungs-Fundamentalisten schützen, die in den Sportjournalisten schon immer nur die Schlachtenbeschreiber vom Ersatzkriegs-Schauplatz Sport gesehen haben und weiter sehen werden, egal wie sehr wir uns um unmartialische Sprache bemühen. Wir haben uns immerhin schon merklich gebessert. Selbst in den schlimmsten »Revolverblättern« (wie Boulevardzeitungen von manch einem Pazifisten genannt werden) wäre heute undenkbar, was 1935 im »Reichssportblatt«, sozusagen dem »Kicker« dieser Zeit, im Vorbericht zu einem Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich zu lesen war. Da soll der Torwart »eiserne Wacht« halten, die Halbzeiten heißen »Kampfabschnitte«, und der Schreiber hört »wohl schon halb unbewusst das Knattern der Gewehre, das Geratter der Maschinengewehre und den Donner der Geschütze«, und er erinnert

sich: »Auch damals lag der Sonnenschein auf den Moselbergen, als wir nach Frankreich fuhren. Und überall liegen die großen Militärfriedhöfe und mahnen euch, dass man die Männer nicht vergessen soll, die ihr Leben für euch gelassen haben.« Dagegen wirkt Töppi wie eine Friedenstaube, die an einer Beruhigungspille geknabbert hat, und man schließt erleichtert seinen Frieden mit den Wontis und Waldis unserer modernen Fernsehwelt. Aber natürlich kann es nicht schaden, wenn wir uns intensiv darum bemühen, uns noch weiter vom gedankenlosen 1:0-Journalismus und seinen Kriegsjargon-Relikten zu lösen. Und da am Samstag einige (aber erstaunlich und erfreulich wenige) jugendliche Krakeeler die Gedenkminute in den Bundesliga-Stadien gestört haben, schauen wir mal kurz in ein erziehungswissenschaftliches Standardwerk (»Jugendliche Rechtsbrecher – Wege zur Vorbeugung« von Sheldon und Eleanor T. Glueck), um die richtigen und vor allem friedlichen Worte zu finden. Nachdem uns die Autoren das gedankliche Rüstzeug . . .  Entschuldigung . . . die theoretische Basis mitgegeben haben, kommen sie im Schlussabsatz zu ihrem Fazit – und das schlägt wie eine Bom . . . schon gut, hier ist es: »Die spezifischen Treffer auf dem Wege zu einer Vorbeugung sind in den vergangenen Artikeln entwickelt worden. Sie propagieren klar definierte Zielscheiben, auf die ganz spezifische Maßnahmen treffen sollen, um die Garbe der vernichtenden Schüsse auf die allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Übelstände so dicht wie möglich zu machen. Dieser Geschosshagel wird mit der Bitte im Herzen abgefeuert, dass ein paar Kugeln irgendwie ins Schwarze treffen.« (20. 9. 2001)   ***   Peng! Statt solcher Rohrkrepierer dann doch lieber 1:0-Journalismus, bei dem das Tor auch mal ein Volltreffer sein darf. Einer? Ach was: Bitte zwei, drei viele deutsche Volltreffer heute in Paris!

 

Zurück in die Gegenwart (in der „Volltreffer in Paris“ doppelt daneben sind). Montagsthemen. Die Eintracht geht mir echt an die Nieren. Nicht wegen der Eintracht, die Zeiten sind vorbei, in denen ich mitfieberte wie … der Bub, der gestern im Stadion war und richtig down sein muss. An ihn denkend, werde ich ein wenig Aufbauarbeit leisten. Wir heißen euch hoffen! Außerdem auf dem Zettel: Aus der Lamäng wie die La Ola / Grand National und „Ich glaube, mich tritt ein Pferd“ / Frauenfußball und Synchronschwimmen. Klingt kryptisch. Aber ich freue mich schon darauf. Bis dann.

 

Veröffentlicht von gw am 10. April 2016 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Sonntag. 10. April, 6.40 Uhr

Dienstag, 5. April, 22.50 Uhr

Vorhin habe ich den dritten Aufreger vergessen, menschlich den heikelsten: Loveparade, keine Anklage zugelassen. Aber irgendjemand muss doch Schuld gewesen sein!  Die Politik, die Polizei, der Ordnungsdienst … man will es einfach nicht akzeptieren, keinen Schuldigen finden zu können. Und auch hier die Verbindung zum Sport und ähnlichen Katastrophen in Stadien. Fast immer der Auslöser: der (nachdrängende) Mensch in der Masse. Von Heysel bis Duisburg – aber einfacher ist es, auch selbstberuhigender, wenn man auf der Suche nach Schuldigen nur die üblichen Verdächtigen im Auge hat. Aber nicht nur „Verantwortliche“ sind verantwortlich.

Veröffentlicht von gw am 5. April 2016 .
Abgelegt unter: Blog – Sport, Gott und die Welt | Kommentare deaktiviert für Dienstag, 5. April, 22.50 Uhr