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Dienstag, 26. April, 22.30 Uhr

Kurzfristig gebeten, morgen eine zusätzliche Kolumne zu schreiben (das freut den Rentner doch, wenn er gebraucht wird), muss ich nachsitzen und -denken: Die nächste Wer-bin-ich-Folge schreiben? Den zu ratenden Menschen habe ich schon, aber noch nicht genügend Stoff, um den Text einerseits nicht zu leicht lösbar und andererseits leicht und angenehm lesbar zu machen. Das lass ich lieber noch ein bisschen setzen (gehört in den Satz irgendwo ein “sich” hin?). Alternative: Beim Zusammenstellen der 35-25-15-5-Kolumne der Vorwoche bin ich auch auf meine früheren “Fit für den Frühling”-Aktionen gestoßen. “Zeitungs-Trimme” genannt, da mit der Zeitung als Sportgerät. Bietet sich eigentlich an, auch als leicht bizarres Kontrastprogramm zu den aktuellen seriösen “Fit für den Frühling”-Programmen. Au ja, das mach ich. Als Einstieg, mit Al Oerters Entengang. Dann der Testosteron-Selbstversuch im “Spiegel” (nicht vergessen: Placebo-Klimmzüge), weiter mit Ralf Protzels Hinweis auf “HIT” und was ich vor wenigen Tagen im Blog dazu geschrieben habe, zum Schluss der Grund, warum ich meine “Fit für den Frühling”-Aktionen aufgegeben habe (zu ungesund, obwohl nicht so schlimm wie Testosteron und HIT), und schließen mit der Pressatmung.

Sie lasen ein weiteres Beispiel für die allmähliche Verfertigung der Kolumnen-Gedanken beim Blog-Schreiben. Das Gerüst steht also, morgen geht’s weiter.

Wenn ich schon mal dabei bin: Haben Sie am Samstag den ZDF-Krimi mit Senta Berger und am Sonntag den ARD-Tatort gesehen? Der ZDF-Krimi war beklemmend und grandios, ich habe aber nirgendwo etwas darüber gelesen. Kein Lob, nicht mal ein Verriss, der Film wird nicht wahrgenommen. Der ARD-Krimi war, von einigen witzigen Dialogen abgesehen, ziemlich unpassend und daneben. Womit ich mich als aus der Zeit gefallener Außenseiter entblöße, denn um mich herum (außer KKKK, der Guten) und  in den Medien überschlägt sich alles vor Begeisterung. Was ist da passiert? Mit mir? Mit uns? Mit Euch? Ich mag ja auch den Münster-Krimi nicht (den übergeschnappten in der ARD nicht, den auch nicht gerade humorlosen ZDF-Wilsberg dagegen sehr). Für mein Gefühl sind beide Tatorte bemüht überwitzig und, ich wiederhole mich, unpassend und daneben. Witzig ist ja schön und gut, aber en passant und nicht als Grundprinzip. Dann doch lieber gleich Comedy. Jetzt fällt mir das Wort ein, das mein Gefühl am ehesten ausdrückt: Mir kommt das flachseelisch vor. Bemüht cool und witzig, dabei flachseelisch. In der Senta-Berger-Reihe gibt es auch witzige Szenen, aber der Humor gründet tiefer, liegt zum Beispiel in den Figuren Langner und vor allem Klaus – aber was schreib ich da vor mich hin, interessiert doch keinen, und wenn, dann nur, um sich über einen mürrischen Muppet-Opa zu amüsieren. Außerdem gibt es Wichtigeres. Zum Beispiel das, was ich jetzt tun werde.

Baumhausbeichte - Novelle