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Montagsthemen (vom 25. April)

»Sometimes it snows in April«, sang Prince schon vor 30 Jahren. Geschneit wie gestern früh. – So, damit hätte auch ich »The Artist Formerly Known As Prince« meine Reverenz bekundet, obwohl ich, wie manch anderer Trauerschreiber, keine Referenz für seine Musik habe.
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Prince singt weiter, bis in alle digitale Ewigkeit und auf seiner Schnee-im-April-Platte: »Sometimes I feel so bad, so bad.« So bad wie Dirk Nowitzki (und ich) nach der dritten Dallas-Niederlage in den NBA-Playoffs. Das war’s wohl schon, denke ich resigniert nach dieser Meldung am frühen Sonntag Morgen und vor dem ähnlich entscheidenden Spiel der Frankfurter Eintracht am Abend gegen Mainz.
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Dazwischen schreibe ich diese Kolumne. Also noch mit der bangen Hoffnung im hessischen Herzen, dass Dirk Nowitzki mit seiner Analyse aus Texas nicht auch noch am Main recht behalten möge: »Immer wenn wir ein bisschen das Momentum auf unserer Seite hatten, haben sie unseren Lauf wieder gestoppt.«
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Moment mal: »Momentum« – was ist das? Das Wort inflationiert nicht moderat wie in Draghis Wunschträumen, sondern heftig wie in der Weimarer Republik. Es kommt vom lateinischen »movimentum« (»Bewegungskraft«). Das weiß ich nicht aus der Lamäng, sondern von meinem »Heinichen«, einem uralten deutsch-lateinischen Schulwörterbuch.
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Noch so ein Wort: »Aus der Lamäng.« Was ist das? »Lamäng« kommt im Schreibdeutschen selten vor, um so häufiger in der Umgangssprache. Ursprung ist »la main«, also nicht unser geschlechtsumgewandelter Main, sondern die französische Hand. Was uns in deutsche Fußballstadien zurückführt, wo die Zuschauer aus der Lamäng die ebenfalls doppelt gemoppelte »die La Ola« ums weite Rund laufen lassen.
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Und »vasistas« wirklich? Das französische Wort für »Guckfenster«. Denn beim Einmarsch napoleonischer Truppen fiel den Soldaten auf, dass die deutschen Bürger wegen des Lärms ihre Mansardenfenster öffneten und erstaunt »wasistdas?!« ausriefen, was die Franzosen mit den Fenstern in Verbindung und so den Begriff mit nach Hause brachten. Aber was ging bloß in Soldatenköpfen vor, die glaubten, die Menschen im eroberten Land öffnen ihre Guckfenster und rufen zur Begrüßung »Guckfenster«? Im Umkehrschluss hätten Wehrmachtsoldaten später »vasistas« als »Käse-Käse« für Deutschland  erobern können, aber kaum ein Franzose rief »Qu’est-ce que c’est« aus dem Guckfenster, die meisten murmelten nur: »Merde!«
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Wie man liest, bekämpfe ich die wachsende und völlig unjournalistische Nervosität vor dem Anpfiff mit sprachlichen Kalauern. Aber ich kann auch Sport. Ernsthaft und informativ. Eberhard Feess, Volkswirtschaftsprofessor an der »Frankfurt School of Finance and Management«, hat fast 5000 Spiele aus dem Bundesliga-Datensatz analysiert und festgestellt, dass das emotionale Vorurteil vom »Bayern-Bonus« durch wissenschaftliche Überprüfung bestätigt wird (Quelle: FAZ online). Ergebnis: Wenn große, mächtige Klubs gegen deutlich kleinere spielen, profitieren sie signifikant häufiger als diese von gravierenden  Abseits- oder Elfmeter-Fehlentscheidungen. Bei Bayern München fällt der Befund besonders drastisch aus.
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Ein weiteres Vorurteil, gehegt und gepflegt von altvorderen Gegnern der Video-Hilfe für den Schiedsrichter, wird von der Studie zerpflückt: Fehlentscheidungen gleichen sich im Lauf der Saison eben NICHT aus!
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Dass es diese Studie überhaupt gibt, daran ist Uli Hoeneß schuld. Denn ursprünglich wollten die Forscher dem Vorurteil auf den Grund gehen, dass Menschen von höherem sozialen Status vor Gericht einen Bonus haben. Das aber ist rein wissenschaftlich mangels nachprüfbarer Fakten nicht zu belegen. Hoeneß würde es auch bestreiten.
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Sonntag, 19.20 Uhr:  So bad, so bad? So glad, so glad! So geht Abstiegskampf! Nicht im Veh-Stil, sondern à la Kovac. Und das bisschen Glück hat sich die Tüchtige redlich verdient. Relegationsplatz aus eigener Kraft machbar, Nichtabstiegsplätze in Reichweite, noch zwei Spiele gegen direkte Konkurrenz – die Eintracht hat ihr letztes Momentum genutzt. Jetzt muss es nur noch ein bisschen bleiben. (gw)

(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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