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Ohne weitere Worte (vom 19. April)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Das irrationale Momentum, Faktoren wie Leidenschaft und Emotion spielen in der Fußball-Philosophie von Tuchels Pendant Jürgen Klopp eine große Rolle. An diesem kochenden, unlogischen Abend von Liverpool triumphierte am Ende Klopps Philosophie. (Freddie Röckenhaus in der Süddeutschen Zeitung)
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Klopp, der einmal wieder ein Werk geschaffen hat, von dem die Menschen noch lange reden werden. Und zwar auch, weil die Geschichte dieser Fußballnacht so typisch war für diesen erstaunlichen Mann: wild, unberechenbar, wendungsreich, berauschend. Aber auch unvollkommen und unkontrolliert. (Daniel Theweleit in der taz)
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Ein weit aufgerissener Mund von Thomas Müller kann Triumph bedeuten oder Verzweiflung; das Durchmustern Hunderter von Fotos (…) macht einem klar, dass sich über Müllers Gemütsregung nur entscheiden lässt, wenn man das Spiel gesehen (…) hat. Im Kino ist dieses Phänomen als Kuleschow-Effekt bekannt, nach dem sowjetischen Regisseur, der feststellte, dass Zuschauer den Gesichtsausdruck eines Schauspielers völlig verschieden deuten, je nachdem, ob in der Einstellung zuvor ein Teller Suppe oder ein Kindersarg zu sehen ist. (Peter Körte in der Frankfurter Allg. Sonntagszeitung)
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Der Tim Wiese des defensiven Mittelfelds haut das Ding einfach volley rein (…), der Ball rauscht so herrlich ins Netz wie ein Dunking, ein Hochamt der Gewaltsamkeit, ein Orgasmus der Entschlossenheit, der Benfica-Adler fliegt ängstlich zu seinem Horst. (Vidals Tor im Liveticker des Fußballmagazins 11Freunde)
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Eine (…) Statistik sagt, dass kein Feldspieler der Champions League so viele Einsätze hatte wie Sie, ohne ein Tor zu erzielen. – »Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich diese Statistik noch ausbauen werde; dieser Rekord ist schwer zu knacken.« (Philipp Lahm im Kicker-Interview)
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Dass Franck Ribéry, dieser einstige Hofnarr, Scherzkeks und Karussellbremser, einmal eine Art sympathischer Routinier sein würde, einer, der an alte Zeiten erinnert, als Profis noch nicht wie ihre eigenen Selfies aussahen (…), zeigt mir, wie schnelllebig dieser Fußball doch ist. Noch zwei Mal schlafen, dann erscheint Kimmichs Biografie. In 3D. (Liveticker 11Freunde)
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In der ARD wird also wieder Alexander »Onkel Augenzwinker« Bommes Spielstände aufzählen, als wäre irgendwo zwischen zwei und zu null ein Witz versteckt. (Tobias Rüther im »Teletext« der FAS über die Präsentation der EM-Mannschaft von ARD und ZDF)
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Erstmals (…) wird eine Frau am Mikrofon sitzen. (…) Ihr Name: Claudia Neumann. (…) Eine hohe, manchmal aufgeregte Stimme im Ohr, dazu Männerfußball fürs Auge – gewöhnungsbedürftig wird das in jedem Fall. Auch für die Hauptdarsteller. Fragen Sie mal nach bei Jürgen Klopp. Als der noch Trainer in Dortmund war, ließ ihn Frau Neumann nach einer unfreundlichen Antwort einfach stehen. Es gibt nicht viele Männer, die sich so etwas trauen würden. (Michael Wittershagen in der »Schluss für heute«-Kolumne der FAS)
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»Da hat es beim Warmmachen manchmal schon so nach Gras gestunken, dass man aufpassen muste, nicht passiv mitzurauchen.« (Kölns FC-Kapitän Matthias Lehmann im Sport-Bild-Interview über seine Zeit beim FC St. Pauli)
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»Ich brauche Spieler, die in beide Richtungen laufen können.« (Niko Kovac’ Begründung, warum Marco Fabian bei ihm noch keinen Stammplatz hat / gefunden in der Bild-Zeitung)
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In letzter Zeit fallen mir weit mehr Fragen als Thesen ein, was im Zeitalter von Facebook und Onlinejournalismus natürlich verheerend ist. Ein Kolumnist ohne Ausrufezeichen ist heute wie ein Tennisspieler, der in Wimbledon mit Skischuhen aufläuft. (Markus Feldenkirchen in der »Meinung«-Kolumne des Spiegel) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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