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Montagsthemen (vom 11. April)

Eigentlich ein recht ordentlicher Auftritt. Ähnlich wie einst Niko Kovac auf dem Platz: nicht genial, aber kampfstark und bissig. Doch dann macht ausgerechnet der Beste den entscheidenden Fehler, und die Dinge nehmen ihren Lauf. Ihren Lauf. Denn die Eintracht hat keinen. Genosse Trend marschiert nicht mit ihr wie einst im Sechziger-Mai mit der SPD, sondern stolpert mit den heutigen Sozialdemokraten über die eigenen Füße – wie Ben-Hatira im Strafraum oder Stendera an der Mittellinie.
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Lageverschärfend kommt hinzu, dass die Konkurrenten punkten und vor allem, dass keiner von ihnen zu Unrecht vor der Eintracht stünde. Wie die Hoffenheimer, denen im Erfolgs-Flow die Punkte zufliegen, während Frankfurt im Flow-Flop nicht hoch über die Latte fliegt wie einst der genialische Flop-Erfinder Dick Fosbury, sondern in der hessischen Plumpsack-Version schon die minimale Relegations-Höhe reißt … nein, nein, nein, nicht unken: Relegation vielleicht, Abstieg nie und nimmer! So viel Hoffnung muss sein.
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Auf der Suche nach Schuldigen findet man gerne das erst- (Trainer) und zweitbeste Opfer (Mannschaft). Doch Kovac ist nicht das Synonym für Schuld, sondern für letzte Hoffnung. Und die Spieler? »Wir woll’n euch kämpfen seh’n«, schimpft der Fan in seiner eindimensionalen Wut. Aber das tun sie doch!
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Eher wird man beim Dritt-, Viert- und Fünftbesten fündig. Für die Misere sind primär der Trainer-Vorgänger, der Manager und der Boss verantwortlich. Der Süddeutschen Zeitung sagt Armin Veh, er werde »definitiv« nicht mehr zu Klubs zurückkehren, bei denen er schon mal war, und »Abstiegskampf brauch’ ich auch nimmer«. Vermutung: Er wird überhaupt nicht mehr zurückkehren. Die Zeiten, seine Zeiten, sind vorbei wie die von Thomas Schaaf. Beide geholt von Bruno Hübner und Heribert Bruchhagen. Der eine sympathisch und auch in seinem Wirken als Fußballfunktionär einem seiner Vorgänger ähnlich (»Holz«), der andere nach nicht hoch genug zu preisenden Verdiensten immer mehr in die altvorderen Jahre gekommen. Womöglich hätte er sogar am liebsten einen »Retter« wie Stevens verpflichtet, während andere schon längst auf die Nagelsmänner bauen.
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Alles Fußball oder was? Da gibt es immer noch welche, die insgeheim fest überzeugt sind, dass die Teilnahme des anderen Geschlechts an ihrem Sport widernatürlich sei. Denen kann ich nur entgegnen, mich gender-artig einschleimend, aber auch sportlich überzeugt, dass die deutsche Frauen-Nationalmannschaft heute wahrscheinlich die Helden von Bern schlagen würde. Doch es geht gar nicht um Fußball, sondern um Synchronschwimmen, und das »andere Geschlecht« sind hier die Männer, deren Teilnahme Synchronschwimmerinnen wie die Olympiasiegerin Natalja Ischtschenko als »widernatürlich« bekämpfen. Man stelle sich bloß vor, ein Mann würde sein Insgeheimes öffentlich verkünden …
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Und sonst? Grand National, Golf-Masters, Paris-Roubaix: Tradition wurde an diesem Wochenende groß geschrieben. Ist ja auch richtig, denn »tradition« wäre falsch. Tradition ist auch die erfreuliche Bilanz, dass in Aintree nicht nur die Pferde, sondern auch alle ihnen physiognomisch nahe stehenden Zuschauerinnen überlebt haben, da sie nicht unter der Last zentnerschwerer Hüte zusammengebrochen sind.
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Alter, sehr alter »gw«-Gag, ich weiß. Aber wetten, Sie wissen nicht, dass für den Reiter das Pferd ist wie für den Fußballer der … also: Tom Doyle, der beim Grand National einmal einen besonders spektakulären Sturz buchstäblich hinlegte, hatte dabei »trotzdem mehr Angst um das Pferd als um mich selbst«. Wie schön! Genosse Trend hat zwar die Eintracht verlassen, aber der Reiter bleibt Kamerad Pferd treu. Von wegen »Bock«! Aber, na ja, Doyle legte auch nach: »Wir Menschen sind halt so. Nach einem schlimmen Autounfall machen wir uns auch immer die größten Sorgen um den Zustand unseres Autos.« Also doch: Ball, Bock und Auto . .
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Bleibt nur das seltsame Gefühl, erstmals einem Klub wie Wolfsburg die Daumen zu drücken. Benaglio möge in Madrid halten wie einst Nikolov 2007 in München (38 Bayern-Schüsse, Endergebnis 0:0!) und Naldo einen Freistoß ins Real-Tor dreschen!
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Apropos: Was sagt der Ball, wenn Naldo einen Freistoß ins Real-Tor drischt? »Ich glaub’, mich tritt ein Pferd.« (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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