Beitrag ausdrucken Beitrag ausdrucken

Dienstag, 5. April, 19 Uhr

Der Prozess gegen Topmanager der Deutschen Bank schleppt sich in die letzten Runden. Verlängerung wahrscheinlich, da die Staatsanwältin, deren Felle fortgeschwommen scheinen, in die nächste Instanz gehen will.

Viel Aufregung um die Panama-Papers. Briefkastenfirmen, Steuerhinterziehung, viel superreiche Prominenz ist dabei. Der Stoff, aus dem Journalistenträume sind.

Beides hat natürlich nichts mit Sport zu tun. Na ja, nicht direkt. Aber der Sport hilft zumindest zu verstehen, um was es da geht. Und um was nicht.

Nehmen wir den Prozess gegen Fitschen & Co. Hat die Deutsche Bank Leo Kirch bewusst in den Ruin getrieben? Na ja, ich habe schon 1997 vermutet, dass Kirch sich selbst in den Ruin treibt, indem er Fantastillionen für Fußball-Senderechte auf den Markt schleudert:

»Schon jetzt sind wir gespannt auf die verzweifelten Bemühungen zur Quadratur des Kreises, der Refinanzierung nicht refinanzierbarer Investitionen.«

Allerdings darf ich mir nicht allzu viel auf  seherische Gaben einbilden, denn gleich im nächsten Satz sagte ich voraus:

“Wenn Kirch die Puste ausgeht, geht der Bundesliga das Geld aus.”

Ich war einfach zu naiv. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass nach einem Kirch immer neue Kirchs kommen.

Briefkastenfirmen in Steueroasen für Schwerreiche: Wir glaubten es doch alle zu wissen und nahmen es unaufgeregt hin (die da oben, na ja, ist doch klar), aber jetzt, da ein Zipfelchen  angehoben wurde, sind wir überrascht und empört und fordern Konsequenzen und harte Strafen. Wofür? Das ist nicht ganz klar, denn was ist strafbar und was nicht? Was ist Steuerhinterziehung, was Steuervermeidung? Vermutung: Steuervermeidung ist Steuerhinterziehung auf legale Art.

Eine Diskussion beginnt, wie wir sie beim Doping schon längst haben: Was ist verbotenes Doping, was ist erlaubte Leistungsoptimierung? Im Sport weiß ich: Doping ist das, was auf der Dopingliste steht, aber das, was nicht darauf steht, also erlaubt ist, wird manchmal viel betrügerischer ausgenutzt von den Cleveren, den Reichen, den bestens Vernetzten usw. Bei den Steuern weiß ich es mangels Kenntnis nicht, aber ich vermute mal, dass es mit verbotener Hinterziehung und erlaubter Vermeidung ähnlich ist.

So, das war nur eine kleine Fingerübung im Blog. Ob ich es so oder überarbeitet in die nächste Kolumne einbaue? Mal sehen, was der Sport sonst noch bietet. Schließlich hat er seinen eigenen Großskandal, einen in über 50 Jahren noch nie erlebten: der Kaugummiwurf! Hoffentlich eskaliert das nicht, sonst wirft demnächst einer mit Wattebäuschen.

Ich habe auch Probleme, so ist das nicht. 99,9 Prozent der Wer-bin-ich-Teilnehmer mailen ihre Lösung. Zwei Gießener, sie nennen sich selbst “Postkartenfreunde”, schreiben hübsche Karten, und auch eine Rödgenerin nahm jetzt auf diese traditionelle Art teil. Zuletzt sind die Karten der Gießener und der Rödgenerin allerdings nicht bis zu mir auf den Berg vorgedrungen, sondern irgendwo im Verlag hängen geblieben – auf so etwas Exotisches wie Postkarten sind hochtechnisierte Betriebe nun mal nicht vorbereitet. Ich glaube aber allen, dass sie die richtige Lösung eingeschickt haben, und trage die Punkte nach. Oder hat jemand was dagegen?

Deutsche Bank, Kirch, Panama-Papers, außerdem der Doping-Arzt von London und seine 150 Spitzensportler-Kunden – die Welt hat andere Probleme als ich. Mein zweites: Soll ich Kopfsalat säen oder auf dem Markt Pflänzchen kaufen?

 

 

Baumhausbeichte - Novelle