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Ohne weitere Worte (vom 5. April)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.

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Es war, wenn man in den siebziger Jahren jung war, ein Gefühl der Freiheit, das von Johan Cruyffs Spiel übersprang. (…) Er trug die Haare lang wie wir, wir hatten auch gehört, dass er in der Pause seine Camel ohne Filter durchzog. (…) Er war cool, auch wenn wir das Wort damals nicht kannten, unendlich viel cooler als alle deutschen Spieler. Er wurde dann grauer und galliger, dogmatisch bisweilen. (…) Er war, was Beckenbauer in Deutschland war, der Jahrhundertspieler, aber nie so weichgespült, so larifari. Am Ende rächten sich die vielen Camels. (Peter Körte in der Frankfurter Allg. Sonntagszeitung)

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Das beginnt mit Günter Netzer und seiner in den Siebzigern zur Schau gestellten Liebe zu Ferrari, die schon deshalb reibungslos verlief, weil Netzer im Straßenverkehrsamt jemanden kannte. Damals waren PS-Flitzer noch Ausdruck von Privilegiertheit, aber heute hat jeder Zweitliga-Einwechselspieler sein Proletengeschoss. (Michael Neudecker in der Süddeutschen Zeitung über »Kickerkarren« und die »Strafzettel-Akte von Fußballern«)

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Es gibt Fußballer  (…) , die  in der Hotellobby sitzen und um 500 Euro wetten, in welcher Etage der Fahrstuhl hält. – »Wenn ich heute ein Fußballspiel schaue, sehe ich doch auch mindestens fünf Werbungen für Wettanbieter. Ich finde es nicht verwerflich, um kleine Beträge zu wetten, wenn es im Training beispielsweise darum geht, die Latte zu treffen.« (Gladbach-Boss Max Eberl im Sport-Bild-Interview)

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Dass Kicker ihre Karren dabei nicht zwingend an Formalien wie Führerscheine knüpfen, weiß man seit Marco Reus. (…) Zeitweise wurde er danach vom Teamkollegen Adrian Ramos chauffiert (…), der seinen Führerschein (…) erst im zweiten Anlauf erwarb, nachdem er für ein Vergehen beim ersten Prüfungstermin 30 000 Euro Strafe bezahlt hatte. Da hatte Ramos einen Doppelgänger geschickt, einen hellhäutigen. (Neudecker/SZ)

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Toni Kroos ist wahrscheinlich kein Mensch, um den man sich Sorgen machen muss. Er neigt eher nicht zur Hysterie. (…) Als einst das heiße Temperament verteilt wurde, kam Toni Kroos erst relativ spät dazu, sich in der Schlange anzustellen, er stand ja so lange drüben in der anderen Schlange, in der es Ballgefühl und Souveränität abzuholen gab. (Christof Kneer in der SZ)

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»Ich bin kein enthusiastischer Typ.« (…) – Was kann sie verunsichern? – »Ich überlege gerade …. Also, verunsichern kann mich eigentlich nichts.« – Herr Kroos! – »Tut mir leid, das stimmt aber, zumindest für den Sport.« (Toni Kroos im Zeit-Interview)

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In der geradezu wahnhaften Sorge, bloß keinen Ball ungeordnet nach vorne zu schlagen, ging Ter Stegen wie ein irrlichternder Gefahrensucher nach fast jedem Rückpass gegen die heranstürmenden italienischen Angreifer ins Dribbling. (gelesen in der Online-Ausgabe des Fußball-Magazins 11Freunde)

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»Uns geht es vor allem um die Snap-Funktion: Wenn man mich irgendwo sieht, sei es in der Zeitung, irgendwo auf einem Plakat oder in der Stadt, kann man das Bild mit der App einfangen und bekommt dann neue Inhalte bereitgestellt. Also eine Art Schlüsselfunktion über Bilderkennung. Einfach mehr konnektiv-spielerisch als das normale Geklicke.« (Sebastian Rode im FAZ-Interview über seine App)

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»Während seiner Zeit als Bayern-Trainer habe ich persönlich alles vermisst: eine Spielidee, angemessene Kommunikation – und den Erfolg.« (Kroos im Zeit-Interview über seine bisherigen Trainer, die er alle in höchsten Tönen lobte – außer, siehe oben, Jürgen Klinsmann)

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Die fiesesten Aussagen über Frauen und insbesondere über deren Aussehen höre ich immer von anderen Frauen. (Schauspielerin Rosalie Thomass in einem Beitrag für die Zeit-Magazin-Serie »Ich habe einen Traum«) (gw) * (www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle