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Sonntag, 3. April, 6.30 Uhr

Zwischen Traum und Tag denkt das Hirn unkontrolliert vor sich hin: Was unser moralisches Überlegenheitsgefühl an Schrecklichem bewirken kann, erkennen wir oft erst im Rückblick. Selbst die schlimmsten Massenmörder, nein, gerade die schlimmsten Massenmörder rechtfertigen sich – vor allem vor sich selbst – mit ihrem verqueren moralischen Überlegenheitsgefühl. Wie jener norwegische Massenmörder, der auf einer Insel dutzende von Menschen  massakrierte. Er tut sich selbst leid, dass er durch seinen moralischen Weltrettungsauftrag so viele Menschen leiden lassen musste. Könnte er erkennen, wie verblendet er ist, welches menschliche Unwesen er ist, abscheulich und Abschaum, es wäre die angemessenste Strafe für ihn, er könnte sie nicht ertragen, er würde schon zu Lebzeiten dort schmoren, wo er hin gehört. In der Hölle.

Je mehr der Tag den Traum verdrängt, desto drängender und dringender verdrängt er auch den deutschen Hintergrund dieser unkontrollierten Gedanken. Wir wissen, was wir der Welt in der Vergangenheit angetan haben. Wissen wir, was wir ihr … und uns … in der Gegenwart … aus moralischem Überlegenheitsgefühl … zum Glück verdrängt der Tag den Traum, das Hirn wird an die Zügel genommen und schreibt sich nicht um Kopf und Kragen, sondern gibt den Befehl: Business as sonntags usual, Blick in die Meldungen der Nacht.

Aber schon die erste bringt das Thema zurück, vom Weltmaßstab heruntergebrochen auf eine Randnotiz:

(dpa) – Vier Männer haben ein Pony-Karussell auf dem Hamburger Dom attackiert und die Ponys mit Plastik-Flatterband aufgeschreckt. Zwei Kinder, die auf den Pferden ritten, seien bei der Aktion leicht verletzt worden, sagte eine Polizeisprecherin. Pony-Karussells, bei denen die Tiere über Stunden im Kreis laufen müssen, stehen immer wieder in der Kritik von Tierschützern.

Wir Weltschützer … aber jetzt breche ich wirklich ab. Wie hat Dallas gespielt? Ach so, überhaupt nicht. Real gewinnt den Clasico (wird er so geschrieben? Mal kucken … ja, Bingo!). Eine 16-Jährige wird Eiskunstlauf-Weltmeisterin … halt! Das wird ein Montagsthema. Zusammen mit einer unbarmherzigen und unsportlichen Kritik an einer deutschen Läuferin und mit einem Rückgriff auf einen alten Werbespot. Den muss ich im Archiv suchen.

Weitere Themen: der kommende TV-Vertrag, um den die Öffentlich-Rechtlichen über Gebühr mitbieten … ha!  Das Spontan-Wortspiel übernehme ich nachher in die Kolumne. Danke, Blog! Weiter: Das “Team Marktwert” der gescheiterten Traditionalisten, dieses selbst geschriebene Armutszeugnis. Außerdem noch zurückgelegt: das Interview mit Sebastian Rode in der FAZ. Über seine App und Social Media. “Einerseits sind die ganzen Features drauf, die man auch bei Facebook und Twitter findet. Aber uns geht es vor allem um die Snap-Funktion: Wenn man mich irgendwo sieht, sei es in der Zeitung , irgendwo auf einem Plakat oder in der Stadt, kann man das Bild mit der App einfangen und bekommt dann neue Inhalte bereitgestellt. Also eine Art Schlüsselfunktion über Bilderkennung. Einfach mehr konnektiv-spielerisch als das normale Geklicke.”

Ohne weitere Worte? Oder mit weiteren in den Montagsthemen? Warum schütttelt’s mich? Jedenfalls ist mir normales Gekicke lieber als dieses unnormale Geklicke. Ach so, ja, und der/die doppelte Weinzierl muss noch rein. Heißen beide wirklich gleich? Nochmal nachkucken. Aber später. Jetzt erst KKKK.

 

Baumhausbeichte - Novelle