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Hulk Hogan (WBI-Auflösung vom 31. März)

Dass Hulk Hogan zum Ende der Einsendefrist plötzlich Schlagzeilen produzierte, als ein US-Gericht ihm wegen eines Sex-Videos über hundert Millionen Dollar Schmerzensgeld zusprach, mag für späte Rater eine Hilfe gewesen sein. Aber nicht jeder liest Boulevard-Schlagzeilen, und wenn doch, bringt er sie nicht automatisch mit einer WBI-Runde in Verbindung. Es gab sowieso auch andere Gründe, die Wrestling-Ikone zu identifizieren, denn »viele, die im letzten Jahrhundert, so zwischen 1980 und 1999, mit Männern ferngesehen haben, kennen den Gesuchten« (Beate Dachauer/Butzbach).
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Dr. Raymund Geis aus Reiskirchen, ein früherer Hochspringer, hat »bisher – im Gegensatz zum ›Anstoß‹ – WBI stets nur überlesen, die Lösung für mich, obwohl ›sportverrückt‹, für aussichtslos befunden bzw. die Geduld zum Forschen nicht aufgebracht. Und ich habe die Spitzenlöser, von denen ich ein paar kenne, echt bewundert!« – Ich auch! Aber jetzt gehört Dr. Geis selbst zu den »Spitzenlösern«, stolze 41, die mit Hulk Hogan punkten konnten.
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Hogans Leben und die meisten Anhaltspunkte aus dem Ratetext sind mittlerweile durch die einschlägige Prozessberichterstattung bekannt, daher beschränke ich mich für alle, denen Hogans seltsame »Sportart« fremd ist, auf die Hoch-Zeit des Wrestlings, damals, gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Es war eine lebende Comic-Strip-Serie, die Kinder und Erwachsene, eher einfach Gestrickte und intellektuell Angehauchte gleichermaßen entzückte. Hulk Hogan, Sting, Bret Hart, Randy Savage, Ric Flair, der Undertaker und wie sie alle hießen verbreiteten den Charme von Donald-Duck-Geschichten, gezeichnet von Carl Barks und getextet von Dr. Erika Fuchs. Es war die Blütezeit des verspielten, selbstironischen Wrestlings (vulgo: Catchen), das in späteren Jahren versimpelt wurde.
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Wrestling damals: Bis ins kleinste Detail inszeniert, geprobt und dargestellt. Wie bei einem Spitzen-Tanzpaar wusste jeder, mit welcher Bewegung er sich der Bewegung des Partners anpassen musste. Wenn man sich diesen perfekt choreographierten Turniertanz muskulöser Stuntmen anschaute, wenn man dann noch den ständig wiederholten Warnhinweis auf dem Bildschirm sah (»Don’t try this at home«), dann konnte man seine helle Freude an diesem Spektakel haben – aus der ironischen Distanz. Mittlerweile bleibt nur Distanz, denn das moderne Wrestling ist öde und phantasiearm geworden. Kein Esprit mehr, nur noch Trash. Aber das gilt ja nicht nur für das Wrestling.
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Vielleicht begann der Untergang mit einem Absturz: Als Owen Hart, einer der Stars der Szene, im Mai 1998 im grellbunten Kostüm des »Blue Blazers«, einer Art Vogel, von einer 30 Meter hohen Stahlkonstruktion in den Ring stürzte. Der Karabinerhaken des Seils an seinem Gürtel hatte sich gelöst. Hart war sofort tot. Frenetischer Jubel erfüllte die Arena, während der leblose Körper im federgeschmückten Strampelanzug weggeschafft wurde. Das Publikum glaubte, der Sturz sei Teil der Show.
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Den Hogan-Punkt ergatterten: Jost-Eckhard Armbrecht (Großen-Buseck), Helmut Bender (Linden), Dr. Joachim Bille (Reiskirchen), Dr. Sylvia Börgens (Wölfersheim), Helmuth Born (Karben), Karl-Heinz Bremer (Pohlheim), Thomas Buch (Friedberg), Klaus Buseck, Beate Dachauer (Butzbach), Thorsten Düringer, Wolfgang Egerer (Rosbach-Rodheim), Thomas Eckstein (Biebertal-Vetzberg), Dr. Raymund Geis (Reiskirchen), Peter Hett (Bad Nauheim), Doris Heyer (Staufenberg-Treis), Andreas Hofmann (Bad Nauheim), Uwe-Karsten Hoffmann (Bad Nauheim), Reinhold u. Andreas Kreiling (Gießen-Wieseck), Uwe Lemke (Wöllstadt), Stephan Mickel, Theo Nauheimer (Buseck/Beuern), Dieter Neil (Großen-Buseck), Armin Oldendorf (Bad Nauheim), Klaus Philippi (Staufenberg-Treis), Jens Roggenbuck (Staufenberg-Mainzlar), Walther Roeber (Bad Nauheim), Christoph Schicke (Biebertal-Fellingshausen), Bernd Schieferstein, Karola Schleiter (Florstadt), Rüdiger Schlick (Reichelsheim), Horst Günter Schmandt (Pohlheim), Reinhard Schmandt (Pohlheim), Paul-Gerhard Schmidt (Mücke-Nieder-Ohmen), Jochen Schneider (Butzbach), Prof. Peter Schubert (Friedberg), Manfred Stein (Feldatal), Werner Trautmann (Friedberg-Dorheim), Klaus-Dieter Willers (Hungen), Ingrid Wittich (Mücke) und Rainer Woltmann (Gießen).
Glückwunsch und – Respekt! (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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