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Ohne weitere Worte (vom 30. März)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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»Der Bundestrainer modisch galant wie immer«, so Bela Rethy. Dass Länderspiele unter Löw immer so einen klebrigen Nivea-Film haben müssen. Da lob ich mir Roy Hodgson. Der sieht aus, als würde er bis morgens um sechs in einem Kreisliga-Vereinsheim über Blutgrätschen reden. (aus dem Liverticker des Englandspiels im Fußball-Magazin 11Freunde)
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Diese bittere Endspielniederlage (Anm.: im WM-Finale 1974) lastete ähnlich hartnäckig auf Cruyffs Fußballer-Seele wie das Nikotin auf seinen Lungenflügeln. (Jürgen Ahäuser in der Frankfurter Rundschau)
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Die heutige Profigeneration raucht nicht, geht nicht ständig zu McDonald’s, trinkt keinen Alkohol, weil alle wissen, dass dies der Karriere schadet. Die Kicker (…) sagen artig Danke und Bitte. Sie haben das von Pädagogen und Psychologen gelernt, von Sozialarbeitern, die in den Internaten darauf achten, dass sich die Fußballer nicht arrogant aufführen. Es wurde ihnen beigebracht in unzähligen Coachings, die zur Ausbildung gehören wie das Torschusstraining. (Autoren-Kollektiv im Spiegel)

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»Wenn ich Kreativität auf dem Platz möchte, sollte der Spieler auch im normalen Leben selbstständig entscheiden können. Wie beim Bus, der einem vor der Nase wegfährt. Leihe ich mir ein Fahrrad? Gehe ich zu Fuß? Die Lösung kann nicht lauten, einen anzurufen, der mich abholt.« (U21-Nationaltrainer Horst Hrubesch im Frankfurter-Rundschau-Interview)
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»Erst durch das Entwickeln einer Identität kriegst du die Freiheit, die du brauchst, um große Tore zu schießen. Die schönsten Momente und unglaublichsten Tore, die einem Tränen in die Augen treiben, entstehen dadurch, dass die Spieler für eine Sekunde die totale Freiheit in sich hatten. (…) Aber das geht nicht, wenn alle Spieler nur noch Marionetten sind.« (Sängerin Sophie Hunger in der taz)
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Also, um es noch einmal klarzumachen: Kapitän abwatschen (wie Podolski): okay. Döner werfen und in die Hotel-Lobby pinkeln (wie Großkreutz): kein Problem. Jahrelang ohne Führerschein fahren (wie Reus): passt schon.Mit dem Bleifuß durch Deutschland rasen, bis der Lappen weg ist (wie Löw): auch nicht schlimm. Pokern und feiern zwischen Spiel und Training (wie Kruse); geht gar nicht – raus! (Michael Horeni in der Frankfurter Allgem.Sonntagszeitung)
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Max Kruse mag nicht das biedere, werbekundenoptimierte Leben eines Profis führen, wie es sich die Spießer bei der Nationalmannschaft wünschen, aber immerhin: Er führt eins. (Jürn Kruse in der taz)
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»Dass Steuerhinterziehung unrecht ist, weiß auch so jeder. Andererseits sitzen manche, die als Wiederholungstäter eine Flasche Schnaps geklaut haben, fast so lange in Haft wie Uli Hoeneß, der fast 29 Millionen hinterzogen hat. Es gäbe sinnvollere Strafen. Man könnte Uli Hoeneß sagen: Du hast so großen Schaden verursacht, du musst bis an dein Lebensende zwei Tage in der Woche gemeinnützig arbeiten.« (Gefängnisdirektor Thomas Galli, der Gefängnisse abschaffen will, im Spiegel-Interview)
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Die Bayern und die Vergabe der WM 2006, das ist ein langes, in der aktuellen Aufarbeitung erstaunlich weit umdribbeltes Kapitel. (J. Aumüller/T. Kistner in der Süddeutschen Zeitung)
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»Bei aller Sorge, aber heute zeigen Tötungsstatistiken, dass der gefährlichste Mensch im Leben eines Deutschen nicht der durchgeknallte Salafist ist, sondern der eigene Partner, der neben ihm auf dem Sofa fernsieht.« (Vince Ebert, Physiker und Comedian, im FR-Interview)
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Sie schreiben in Ihrem Buch, die »Howie-Zeit« sei vorbei. Seit wann? – »Die hätte es nie geben sollen! Das ist eine deutsche Eigenart, immer Spitznamen zu geben: Schumi, Schweini, Bobbele. Ich finde das unmännlich.« (Howie Carpendale im taz-Interview)
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Alter! (SZ-Schlagzeile zu Dirk Nowitzkis 40-Punkte-Show gegen Portland) (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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