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Montagsthemen (vom 29. März)

Schon als der Co-Moderator auftauchte, hätte man stutzig werden müssen: Kein verschmitzter Zauberer, kein zähnefletschender »Eier!«-Mann, sondern ein DSDS(uperschwiegersohn). Simon Rolfes statt Mehmet Scholl oder Oliver Kahn – und so spielten sie auch.
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Zuvor gab es Kontrollen per Ganzkörper-Scanner »selbst für Journalisten«, lese ich irgendwo. »Selbst« für Journalisten? Aparte Eigeneinschätzung. Liebe Leser, wenn Sie wüssten, welch’ sinistre Gestalten manchmal auf der Pressetribüne  rumlungern …
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Zu den Verlierern gehören auch die deutschen Zuschauer, die der englischen Minderheit, die selbst nach dem 0:2-Rückstand unverdrossen ihre Hymnen schmetterte, nur erbarmungswürdig einfallslose Pfeifkonzerte entgegensetzen konnten. Warum gibt es keine deutschen Fußballlieder, die man mit weniger als zwei Promille singen kann, ohne sich schämen zu müssen?
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»Fans sind als Person ungerecht und im Kollektiv dumm«, sagt die Musikerin Sophie Hunger im taz-Interview (nicht nur Fans, aber das ist ein anderes Thema). Vielleicht sollten die Ungerechten und Dummen demnächst Niveau-Hilfe bei der Fußball-Kennerin Hunger suchen, die auf ihrem aktuellen Album ein Lied im Duett mit Eric Cantona singt. Wer zu jung ist, den Namen zu kennen, sollte wissen: Die giftigen Engländer traten an und auf wie einst Cantona: Kragen hochgestellt, und auf sie mit Gebrülle.
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In dem Lied hat Kung-Fu-Cantona, dessen legendärer Tritt gegen einen pöbelnden Fan immer noch einschlägige Youtube-Ranglisten anführt, nur eine Sprechrolle. An und für sich findet Sophie Hunger, es sei »doof und macht die Stimmung kaputt, wenn jemand nur spricht in einem Lied«. Nur mit Cantona sei das etwas anderes. Stimmt aber nicht! Wer erinnert sich noch an »Paroles, paroles« von Dalida? Da flüstert im Hintergrund ein gewisser Alain Delon seine »paroles«. Nichts als Worte, Worte … Dalida durchschaut sie und kann dennoch nicht widerstehen. Der deutschen Mannschaft fehlte gegen England nicht nur der Cantona-Kragen, sondern auch der eine oder andere »eiskalte Engel« wie Delon. Notfalls hätte auch der »talentierte Mr. Ripley« (eine andere Paraderolle von Delon) geholfen. *

Cantona und Delon, deren Rollen müssen Nico und Robert Kovac in Frankfurt spielen, wenn die Eintracht nicht absteigen soll. Dazu ein wiederauferstehender Alex Meier, sonst geht es gegen Hoffenheim schief, und das wäre dann kein Drei- und kein Sechs-Punkte-, sondern schon DAS entscheidende Spiel.
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Mich irritieren jedoch immer wieder Nachrichten wie die von der österlichen Trainingspause. Sonntag und Montag komplett frei, obwohl das in Hinblick auf die Zwischenstation München und die womögliche Endstation Hoffenheim mit die wichtigsten Trainingstage wären – wie isses bloß möglich? Fußball ist doch kein Alltags-Job am Fließband oder im Büro!?
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Nicht so schlimm, könnte man meinen, da solche Frei-Zeiten in der gesamten Bundesliga üblich sind – aber man hätte sich ja einen kleinen Wettbewerbsvorteil antrainieren können. Nicht mit überzogenem Hau-Ruck-Training wie damals unter Spätnotlösung Daum, sondern mit fein austarierter Steigerung und dem Bayern-Spiel als integrierter Trainingseinheit hin zum Alles oder Nichts gegen Hoffenheim. Man frage nur einen Schwimmer, Läufer, Radrennfahrer oder Triathleten, ob er so etwas Exotisches wie eine Feiertags-Trainingspause kennt. Trainingspause ja, wenn sie in den Leistungsplan passt und nicht nur im Kalender steht.
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Aber da im Fußball alles möglich ist, punktet die Eintracht vielleicht sogar schon in München. Eine kleine hessische Banknote könnte genügen, weiß die Süddeutsche Zeitung. Deren Online-Ausgabe macht nicht nur uns Hessen Hoffnung auf unmöglich Scheinendes, sondern bereichert auch meine Subjekt-Objekt-Absurditätensammlung: »Welche Banknoten Geldautomaten ausspucken, ist vielen ein Rätsel«.
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Mir leider auch. Daher bleibt ein Fünfer als Goldesel ein ebenso hoffnungsloser Wunschtraum wie »Schwerter zu Pflugscharen« oder »Eintracht gewinnt in …« Stopp! Die Hoffnung stirbt nicht jetzt, sondern zuletzt – oder nie.
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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