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Rainer Woltmann: Oberhessischer Sturkopf

“Am selben Tag erkenne ich in derselben Zeitung (der besten, die es
gibt, Sie lesen sie), dass im Zuge der Kölner Ereignisse die politisch
korrekte Zurückhaltung bei der Beschreibung von Tätern aufgegeben wird.
Und nicht nur das: »Beide sollen osteuropäisch ausgesehen haben«, lese
und staune ich. Wie sieht man osteuropäisch aus? Demnächst werde ich
lesen: »Der Täter sieht aus wie ein oberhessischer Sturkopf.”

Zu dieser Anekdote fällt mir der Ausspruch meines, von mir hoch
geschätzten, Ethiklehrers ein. “Bei der Geburt kannst Du nicht zwischen
einem Serbokroaten und einem oberhessischen Plattkopf unterscheiden”.
Eine Weisheit, die mir später noch einmal zu Gute kam, als sich der Sohn
unseres Vermieters bei uns im Garten zu schaffen machte und meine
Mutter mir zurief, dass da ein Türke am Werk sei, worauf ich erwiderte,
dass es sich nicht um einen Türken, sondern um einen “oberhessischen
Plattkopf” handele.

Was er wohl heute macht? Zumindest würde ich ihm in diesen Zeiten
von einer Reise nach Sachsen dringend abraten. Erst recht nicht per
“Anhalter”.

Die indogermanische Abstammung macht sich nunmal bei uns Oberhessen besonders bemerkbar und das ist auch gut so. (Rainer Woltmann/Gießen)

P.S. Im Gegensatz zu Ihnen durfte ich Ihren Namensvetter persönlich
kennenlernen. Ein harter, aber sehr fairer Lehrer, der mir während
meines völlig verkorkstem Gastspiel an der Liebigschule die Kraft gab,
es als dickes Kind zumindest fast ein Jahr dort auszuhalten.

Baumhausbeichte - Novelle