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Montagsthemen (vom 21. März)

Freudvolle Tage in München. Erst das Juve-Drama mit Happy End, dann fordert Rummenigge eine Setzliste für Europacup-Auslosungen, und schon fällt das Los in vorauseilendem Gehorsam auf Benfica. Wer braucht schon eine Setzliste, wenn er Bayern-Dusel hat?
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Freudlose Tage in Hannover. 96 ist abgestiegen, mindestens 96prozentig. In Frankfurt musste Schaaf gehen, weil einige Profis gegen den Trainer opponierten und »ein im Vergleich zu Vorgänger Armin Veh freudloses Arbeitsklima« (Kicker) bemängelten. Na ja, unter Schaafs Vorgänger und Nachfolger gab es im Training zu viele freudvolle Tage. Die wurden nicht bemängelt, sondern bemäntelt. Zu viel Freude im Training macht traurig nach dem Spiel. Gegen Hannover gab es viel Trauriges im Spiel, aber noch viel mehr Freude danach. Wenn das die Kovac-Lösung ist: mehr davon!
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Natürlich war die Leistung gruselig. Wie soll das nach dem Bonus- beziehungsweise Malusspiel in München gegen Hoffenheim nur gutgehen? Ganz einfach: Es MUSS gutgehen. Da gibt es keine hessische Alternative.
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Zur in diesen Tagen vielfach nacherzählten Geschichte von Frank Lippmann, der vor 30 Jahren mit Dynamo Dresden im legendären Europacupspiel in Uerdingen nach Hinspiel-2:0 und Halbzeit-3:1 noch 3:7 unterging und sich danach absetzte, gibt es eine kaum bekannte Alternative: Dieter Wiedemanns »Rennen gegen die Stasi« (Autor: Herbie Sykes/Covadonga-Verlag). Wiedemann stand 1964 im DDR-Trikot auf dem Siegertreppchen der Friedensfahrt. Im selben Jahr setzte er sich während eines Olympia-Qualifikationsrennens in Gießen (!) ab. Wer das Buch liest, den haut es um, und wer der DDR dann immer noch nachweint, dem ist nicht zu helfen. Alleine die abgedruckten Stasi-Protokolle lassen schaudern.
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Mich schaudert bei Schlagzeilen wie: »Alexandra Wester nur Sechste«. Die Kölnerin sprang gerade erst in die Weltelite und bestätigte ihre phänomenale Entwicklung mit einer guten Weite (6,67 m) und einem sehr beachtlichen Endkampfplatz bei der Hallen-WM in Portland. »Nur Sechste«? Solche ignoranten Abqualifizierungen bestätigen die Sportler in ihrer insgeheimen Verachtung für nicht wenige der über sie Berichtenden.
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Erinnern Sie sich an Sarah Connors »Brüh’ im Lichte dieses Glückes«? Elf Jahre ist es her, dass sie in München ihre eigene Version der Nationalhymne uraufführte. Musste ja so kommen, wenn man sonst nur englisch sang. Mittlerweile hat sie ihre »Muttersprache« (Album-Titel) entdeckt, und schon steht sie beim »Verein für Sprachpflege« unter den »Sprachwahrern 2015« auf dem Bronze-Platz. Gold geht an einen Studenten, der auf gegenderte Sprache verzichtet und dafür Notenabzug in Kauf nimmt, Silber an einen Nigerianer, der sich weigert, seine Kneipe »Mohrenkopf« umzutaufen.
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Noch’n Preis. Den für den ungewöhnlichsten Buchtitel des Jahres erhält Thomas Spitzer für »Wir sind glücklich, unsere Mundwinkel zeigen in die Sternennacht wie bei Angela Merkel, wenn sie Handstand macht«. Nun ja, international gab es schon würdigere Preisträger. Ich denke nur an den »Diagram Prize«, bei dem »Höhepunkte in der Geschichte des Betons« , »Oraler Sadismus und die vegetarische Persönlichkeit« oder auch der Ratgeber »Wie man riesigen Schiffen ausweicht« keine Chance hatten gegen »Griechische Landpostboten und ihre Entwertungsnummern«.
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Alles leider keine Bestseller. Keiner wie der von Francesco Totti. Der Ur-Römer   hat zwar den Ruf eines tumben Toren, zeigte sich aber als sympathischer Selbstironiker, als er die auf seine Kosten kursierenden Witze in Buchform herausbrachte. »Alle Witze über Totti« wurde über eine Million Mal verkauft, den Erlös überwies er an Unicef. Jetzt, bei erwachenden Frühlingsgefühlen, könnte auch »Ich will den ganzen Tag Sex« die Bestsellerliste stürmen, aber das ist kein Buchtitel, sondern Tottis aktuelles Bekenntnis in einem Fernseh-Interview.
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Statt dies zu vertiefen, lassen wir Totti noch einmal seinen Lieblingswitz erzählen: »Schlagzeile in der Zeitung: »Die Bibliothek von Totti ist in Flammen aufgegangen, sie enthielt zwei Bücher«. Totti ist verzweifelt: »Verdammt, das zweite hatte ich noch gar nicht ausgemalt!« – Zugabe: Totti legt ein Puzzle, nach sechs Monaten ist er fertig. Dann liest er auf der Packung: »Von drei bis sechs Jahren«. »Aaah«, ruft Totti: »Ich bin ein Genie!« (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle