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Sport-Stammtisch (vom 5. März)

Seit 35 Spielen unbesiegt. Barcelona eilt von Rekord zu Rekord. Ohne Guardiola, mit Messi. Den bekam der heutige Bayern-Trainer einst als Gottesgeschenk in die Trainerwiege gelegt. Zusammen mit Xavi, Iniesta und Cruyffs Hinterlassenschaft, dem revolutionären Barca-System.
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Nach 24 Spieltagen verunsichert. München wackelt. Mit Guardiola, ohne Messi. Geht den Bayern die Puste aus? Wenn sie heute in Dortmund und danach gegen Juve verlieren, ist das Triple erneut verpasst,  das Double in Gefahr und sogar das »Eintel« nicht sicher, denn im DFB-Pokal kann schon ein schwaches Sekündchen entscheiden.
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Endet Guardiola als schlimmster Bayern-Fehlgriff ganz oben … auf der Klinsmann-Skala der Verblendung? Nicht vorstellbar. Nicht mit diesem Kader, der trotz vieler – teils selbst verschuldeter? – Ausfälle das Beste ist, was der Fußball heutzutage bietet. Das Unikat Messi ausgenommen.
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In den Köpfen, auch in meinem, überwiegt immer noch die Überzeugung, dass Bayern München einfach »to big to fail« ist. Mal sehen, wie es heute Abend aussieht. Und nach dem Juve-Spiel. Doch wenn Guardiola die Bayern ohne Messi zu einem Champions-League-Triumph gegen Barca mit Messi führt … dann hat er seinen fast überirdischen Anfangsnimbus verdient, und wir vergessen ganz schnell meine Unkerei.
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Auch Eintracht Frankfurt hat einen Trainer. Einen von der »old school«. Wie sein Boss. Meine Zweifel an Veh hatte ich geäußert, als der Rückkehrer begeistert empfangen wurde. Jetzt wackelt er, die Stimmung schlägt um, da schweige ich lieber. Zumal Veh im Gesamtpaket Eintracht nicht die entscheidende Rolle spielt.
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Warum steht Frankfurt derzeit auf einer Stufe mit Darmstadt und zwei Stufen unter Mainz? Trotz ungleich besserer Rahmenbedingungen? Stichwort »old school«: Bruchhagen arbeitete mit den Trainern Reimann, Funkel, Skibbe, Daum, Veh, Schaaf und wieder Veh. Zum Teil erfolgreich (Funkel!), aber in diesen Zeiten, in denen sich der Fußball rasant entwickelte, nie mit einem modernen, überzeugenden Konzept über den Tag hinaus. In Mainz setzte Heidel in diesem Zeitraum auf Klopp, Tuchel und Schmidt (Ein-Monats-Irrtum Andersen zählt nicht, Halb-Saison-Trainer Hjulmand hatte Pech). Drei Namen ohne weitere Worte.
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Wer beerbt Bruchhagen? Heidel ist leider vergeben. Wer beerbt Veh und wann? Effenberg ist ja frei. – Sorry. Kleiner Scherz.
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Täuscht die Vermutung, dass die Verächter des »Konzeptfußballs« (wahlweise: der »Laptop-Trainer«) die gleichen sind, die den Videobeweis ablehnen? Die vom »Salz in der Suppe« faseln, das fehlen würde? Nun scheint er also endlich zu kommen, und zwar genau in der Form der Video-Hilfe für den Schiedsrichter, die ich seit 1982 … nee, nicht schon wieder Besserwisserei. Aber eine Prognose: Ist sie erst einmal da, die Video-Hilfe, dann wird sie in kürzester Zeit ebenso selbstverständlich sein wie das Freistoßspray, dieses kleine, aber feine Hilfsmittel der Referees.
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Jubiläum der Woche: 25 Jahre Bezahlfernsehen von Premiere bzw. Sky. Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art. Ein Vierteljahrhundert Jahr für Jahr Miese machen, trotz Jahr für Jahr steigender Kundenzahlen. Wie isses bloß möglich?, fragt der privatinsolvente kleine Einzelhandelskaufmann. Könnte mit »to big to fail« zu tun haben.
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Noch ein Wort zu den Pyro-Deppen aus Wolfsburg. Hannovers Trainer Schaaf schimpft: »Wer sowas macht, ist irgendwo ein Schwachkopf.« Nein, Herr Schaaf, falsch. Nicht irgendwo. Überall.
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Und da wäre dann noch Dirk Nowitzki, der in jeder Hinsicht Bewundernswerte, dem ich alle Kränze der Welt zu flechten bereit bin. Doch jetzt diese Enttäuschung! In Dallas wird ab sofort ein »Dirkburger« verkauft, offenbar ganz nach Nowitzkis Geschmack. Zum Rezept (Quelle: Bild) gehören neben Rindfleisch auch die aparten Ingredienzen Speck-Zwiebel-Marmelade und Senf-Meerrettich-Aioli. Igitt!
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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