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Von Siggi Pop bis Uli H. (“Rück-Blog”-Kolumne vom 3. März)

»Sport, Gott & die Welt« begleitet und ergänzt im Internet die Zeitungs-Kolumnen von »gw«. Vierteljährlich veröffentlichen wir im »Anstoß« Auszüge, gekürzt und leicht bearbeitet. Heute mit Fragmenten vom Winter 2015/16.
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20. Dezember: Sigmar Gabriel, früher »Siggi Pop«, hat mit der SPD mehr seinen Schaff als Merkel mit der CSU. Als er noch »Siggi Pop« (wirklich wahr: Pop-Beauftragter der SPD) war und auch später noch irrlichterte, stand er in meiner Hitparade ganz unten. Als ich dann über seine Kindheit und den üblen Vater las, änderte sich das. Womöglich teilt er aber bald das Schicksal jener Menschen aus dem Sport, die Lieblinge meiner Kolumnen wurden, denen ich aus Sympathie ganze Serien widmete … und die prompt kläglich, krachend oder langsam und schließlich fast unbeachtet scheiterten. Eine schwarze Serie. Reiner Zufall? Oder weckt bei diesen öffentlichen Personen meine Sympathie, dass ich unbewusst das latente Scheitern in ihnen spüre? Was meint Berti dazu? Oder Jan? Oder Torsten? Oder … die Reihe ist noch lang.
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Ungetwittert: Der Naturwissenschaftler glaubt, dass er weiß. Der Fromme weiß, dass er glaubt. Sie lesen die erste »Bild«-Schlagzeile im Jenseits: ALLES GANZ ANDERS! (»Ungetwittert« sind im Blog kurze Sentenzen in Twitter-Länge, aber eben nicht auf Twitter)
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3. Januar: Ich habe immer alle Angebote von Suchmaschinen-Optimierern abgelehnt, »Sport, Gott & die Welt« im Netz besser zu platzieren. Ich bin nicht auf Klicks aus, im Gegenteil. Es hat viele Vorteile, unter dem Radar der »sozialen Netze« zu bleiben. Klar, gegen Candy-Storms hätte ich nichts einzuwenden, aber existenziell wichtiger ist mir, nicht die Aufmerksamkeit von asozialen Shitstürmern zu erregen, zumal diese in der Regel absolut unempfänglich für meine liebsten Stilmittel sind, von denen (Selbst-)Ironie nur eines ist. Man vergleiche nur die Leser-Kommentare in der »Mailbox« mit denen auf anderen Netz-Seiten. Ich habe noch nie einen unflätigen oder brummsdummen Kommentar löschen müssen. Wohl dem, der solche Leser hat. (in der »Mailbox«-Rubrik im Blog sind – Stand heute – 757 Online-Leserbriefe aus den letzten Jahren zu »gw«-Artikeln nachlesbar; schauen Sie mal rein, es lohnt sich)
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10. Januar: Mein Kampf. Für, glaube ich, 58 Euro zu kaufen. Große Diskussion. Aber sicher nur unter denen, die den Schinken nicht zu lesen versucht haben. Im kargen Bücherregal meines Vaters stand neben einem Blitzkrieg-Panzerbuch (Titel vergessen, aber spannend) und »In Stahlgewittern« (spannend, aber grässlich, gruselig) auch »Mein Kampf«. Unerträglich langweiliges Geseiere. Später, als mir bewusst wurde, was das Buch bedeutete, habe ich noch mehrmals versucht, darin zu lesen. Immer wieder gescheitert. Unlesbar. Wortwüste. Ich konnte mich, als junger Linker, nicht mal aufregen über diese verkrampfte, armselige Rumschwadroniererei eines offensichtlich Irrsinnigen. Man sollte, wie damals jedem Ehepaar, heute jedem Neonazi ein Exemplar schenken und ihn dazu verdonnern, das Zeugs von vorne bis hinten zu lesen, wer straffällig geworden ist, müsste zehn Seiten auswendig lernen. Es gäbe keine Neonazis mehr.
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17. Januar: In Bremen hat ein Gutachten ergeben, dass der Geruch im Männerklo des Bremer Landtags nicht von einem defekten Klo kommt, sondern … ein Männerproblem sein muss. Volkes laute Stimme brüllt: Dass es in der Politik stinkt, wissen wir schon lange! – Na ja, ein billiger Lacher.
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21. Februar: In den USA und über 20 weiteren Ländern erscheint demnächst der Baum-Bestseller eines deutschen Försters. Der deutsche Wald stirbt nicht, er erobert die Welt! Ich habe das Buch noch nicht gelesen, dafür aber »Die Intelligenz der Pflanzen« von Stefano Mancuso. Habe ich das Buch schon mal erwähnt, in Blog oder Kolumne? Sehr interessant. Ich wusste aber schon vorher, warum ich so ungern geköpfte Blumenleichen verschenke.
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2. März: Uli Hoeneß ist frei. Freund freut sich, Feind fuchst sich. Der neutrale Beobachter nimmt die vorzeitige Freilassung als übliche Maßnahme zur Kenntnis. Kein Bonus, kein Malus. Für das, was ihm vor Gericht vorgeworfen wurde, ist Hoeneß angemessen bestraft worden. Nicht juristisch, sondern menschlich gesehen vielleicht sogar zu hart, denn in den Knast kam er »nur« wegen eines Formfehlers in der Selbstanzeige. Was ihm nicht vor Gericht vorgeworfen wurde, konnte nicht bestraft und wird nie bewiesen werden. Stichwort-Trio: Bayern/Dreyfus/Adidas.
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Ein städtischer Beamter in Ioannina hat aus dem Stadtsäckel 1,3 Millionen Euro für sich abgezweigt. Er ist verurteilt worden. Raten Sie mal: Ein Tag Arrest? Ein Jahr mit Bewährung? Zwei ohne? Sie werden es nicht glauben: LEBENSLÄNGLICH! Werde mal einer schlau aus den Griechen.
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Ungetwittert: Mephisto ist »ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft«. Gibt es auch eine Kraft, die stets das Gute will und oft das Böse schafft? (gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

Baumhausbeichte - Novelle