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Ohne weitere Worte (vom 1. März)

Kluges, Originelles, Peinliches, Schräges, Dümmliches, Witziges oder einfach nur Interessantes, gesucht und gesammelt in der deutschen Medienlandschaft.
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Leicester City spielte lange keine Rolle im englischen Fußball. Dann wurden die Gebeine von Richard III. unter einem Parkplatz entdeckt (Anrisstext in der Süddeutschen Zeitung zu einem Seite-3-Text von Christian Zaschke)
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2010 wurde der Klub von einem thailändischen Geschäftsmann mit dem im Englischen nicht ganz leicht auszusprechenden Namen Vichai Srivaddhanaprabha gekauft. (…) Mit dem neuen (…) Boss kamen auch buddhistische Mönche nach Leicester. Sie segneten die Tribünen und (…) auch den Rasen. Im ganzen Stadion hängen heute buddhistische Fahnen – außer über dem Gästeblock. Auch in der Heimkabine haben die Mönche Zeichen hinterlassen, die die Spieler mit Energie und Gelassenheit erfüllen sollen. (Zaschke in der SZ über weitere Erfolgsgeheimnisse des Sensations-Tabellenführers)
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Beide (Tore von Thomas Müller gegen Darmstadt) folgten demselben Grundmuster, der schnellstmöglichen Verwertung einer in nicht idealer Höhe ankommenden Flanke unter extremer Raum- und Zeitknappheit. (…) Besonders das zweite, bei dem Müller den Ball in Schräglage annahm und dann im Rückwärtsfallen mit hochgeworfenem Storchenbein in den Torwinkel lenkte, wäre einen Eintrag ins persönliche Poesiealbum jedes Fußballers wert. (Christian Eichler in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung)
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Eine Unio mystica aus Grazie und Eckigkeit, Zauberei und Zufall. (Kay Sokolowsky in der der taz zum Müller-Tor)
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Gegen Darmstadt 98 hat Thomas Müller den Rückplumpszieher erfunden. In einem seiner spontanen Karl-Valentin-Anfälle hat er sich Vidals Vorlage mit der Brust selbst vorgelegt, und dann hat er sich nach hinten fallen lassen und den Ball, selbstverständlich ohne korrekte Scherenbewegung, aufs Tor gemüllert. (Christof Kneer in der SZ)
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Mario Mandzukic (…) brettert über die linke Flanke, als wolle er den FCB allein in Grund und Boden stampfen. (…) Der 29-Jährige weckte Juve mit Punkrock aus dem Wachkoma. (O. Birkner im Kicker)
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Der finstere Ganovenblick aus halb geschlossenen Augen verlieh ihm den Ausdruck einer gewissen Humorlosigkeit – und so spielte er auch Fußball. Der bulgarische Nationalspieler war in den Neunzigerjahren der Inbegriff des eisenharten Verteidigers. Es war eine Zeit, in der die Spieler noch nicht dauernd ihren Körperfettanteil messen mussten und ein kleines Fitnessdefizit kein Grund war, mit dem Rauchen aufzuhören. (aus einem Spiegel-Nachruf auf Trifon Iwanow)
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»Sat.1 hat (…) in den ersten zwei Runden die Anzahl der (…) Treffer noch eingeblendet. Doch nachdem die Wertungen jedes Mal zugunsten des Russen ausfielen, haben sie das eingestellt. Da sagte wohl die Programmdirektion, wir können nicht immer zeigen, dass der Russe mehr trifft.« (Ex-Boxkommentator Werner Schneyder im Welt-Interview zum peinlichen Punktsieg von Felix Sturm trotz 184:297 Treffern)
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Die Strapazen des Hochleistungssports scheinen unserem Tennis-Ass Andrea Petkovic (28) auf den Magen zu schlagen. Zuletzt musste sie sich übergeben – vor ihrem Laptop sitzend. Dann versuchte sie, ihren Computer zu reinigen. Unter der Dusche. Der ist jetzt kaputt. (aus der Bild-Rubrik »Verlierer«)
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Er ist halb Clown, halb Politiker und scheint über jede Regel des Anstands erhaben. Er zeugt uneheliche Kinder (…), er braucht ständig Geld, er hilft kriminellen Freunden, er bezeichnet Beachvolleyballerinnen als »glitzernde, nasse Otter«, Terroristen als »Wichser, heftige Onanisten, die es nicht mit Mädchen schaffen«, brüllt Taxifahrern schon mal nachts vom Fahrrad aus zu, sie sollten »sich verpissen und sterben«. (Eva Ladipo in der Welt über Londons Bürgermeister Boris Johnson)
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Sie treten oft vor Managern auf. Verstehen die Humor? – Da gibt es große Unterschiede. (…) Am lustigsten ist es allerdings im Mittelstand. In den familiengeführten Betrieben gibt es so viele Freaks und durchgeknallte Typen, die Weltmarktführer für Betonpumpen oder Hundeleinen sind, das ist faszinierend!« (der Komiker Vince Ebert im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung)
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Gibt es Schönheit ohne Intelligenz? – »Ja, aber nur von 14 bis 19. Dann zerbrechen Dummheit und Unverständnis die Schönheit.« (die Fotografin Elfie Semotan im SZ-Magazin)
(gw)
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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« /  Mail: gw@anstoss-gw.de)

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